50 Jahre Rolling Stones

06. Juni 2012 15:11; Akt: 06.06.2012 16:04 Print

Wie war das noch mal mit Keith und den Drogen?

1962 formierte sich eine Band, die heute noch weltweit die Arenen füllt: die unverwüstlichen Rolling Stones. Lesen Sie hier 50 verrückte, atemberaubende und unglaubliche Fakten über die Rock-Dinosaurier.

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Zur Entstehung des Bandnamens «The Rollin' Stones» gibt es zwei widersprüchliche Versionen: Gemäss Bill Wyman nannte Brian Jones die Band nach einer Zeile aus dem Song «Mannish Boy» von Muddy Waters. Keith Richards hingegen behauptet, der Name beziehe sich auf das Muddy-Waters-Stück «Rollin' Stone Blues». Bild: Die Band im Jahr 1998. Die Schulfreunde Jagger und Richards hatten sich aus den Augen verloren, als sie einander 1960 zufällig am Bahnhof von Dartford, ihrer Heimatstadt, begegneten. Weil Jagger Platten von Chuck Berry und Muddy Waters mit sich trug, entdeckten die beiden, dass sich ihre musikalischen Neigungen in dieselbe Richtung entwickelt hatten. Bild: Jagger (l.) und Richards 1964 in London. Brian Jones trat vor seiner Stones-Karriere unter dem Namen «Elmo Lewis» auf. Der Drummer beim ersten Stones-Gig war Mick Avory, der später Schlagzeuger der Kinks wurde. Bild: Die Stones 1965 in Berlin. 1963 fügten die Stones dem «Rollin'» ein «g» an und hiessen fortan «The Rolling Stones». Bild: Die Band 1964. Am 18. März 1965 wurden Jagger, Wyman und Jones wegen «öffentlichen Urinierens» verhaftet. Sie waren zuvor bei einer Tankstellen-Toilette in West Ham abgewiesen worden. Bild: Charlie Watts, Mick Jagger, Bill Wyman, Keith Richard, Brian Jones (v.l.n.r.) 1963 wurde Gründungsmitglied Ian «Stu» Stewart (hinten Mitte) aus der Band geworfen. Der damalige Stones-Manager Andrew Loog Oldham war der Ansicht, Stewarts Gesicht mit dem vorstehenden Kinn passe nicht zum Image der Stones. Stewart blieb aber als Roadmanager und Klavierspieler bei Plattenaufnahmen bis zu seinem Tod im Umfeld der Band. Stewarts Motto war trotz seines Hinauswurfs: «I have seen the first show and I will see the finish show.» («Ich habe die erste Show gesehen und werde auch die letzte sehen.») Dazu kam es aber nicht; Stewart starb Ende 1985. Ironie des Schicksals: Stewart hatte sich im Gegensatz zu den anderen Stones, die ihn allesdamt überlebten immer von Drogen ferngehalten. Als die Rolling Stones 1989 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurden, bestanden sie darauf, dass auch Ian Stewarts Name mit aufgelistet wurde. Bild: Die Stones vor Beginn ihrer 2002/2003-Welttournee. Der erste grosse Hit der Stones, ihre zweite Single «I Wanna Be Your Man», war eine Lennon-McCartney-Komposition. Bild: Bill Wyman, Brian Jones, Mick Jagger und Keith Richards (v.l.n.r.) bei einem Konzert. Als die Stones 1964 in Dean Martins TV-Show «The Hollywood Palace» auftraten, erlaubte sich der Showmaster mehrere Spässe auf ihre Kosten. So scherzte Martin zum Beispiel: «Man kennt diese singenden Bands heutzutage ... Man denkt, sie hätten langes Haar. Stimmt gar nicht - es ist eine optische Täuschung. Sie haben nur eine niedrige Stirn und lange Augenbrauen.» Bild: Die Stones bei ihrem Auftritt im Zürcher Hallenstadion im April 1967 «The Last Time» (1965) war der erste selbstgeschriebene Nummer-1-Hit der Stones in Grossbritannien; die ersten beiden waren Cover-Versionen gewesen. Ihr erster internationaler Hit wurde «(I Can't Get No) Satisfaction», der dazu beitrug, das «Bad Boy»-Image der Stones gegenüber den «braven» Beatles zu festigen. Bild: Mick Jagger 1968. Mehrere Stones-Alben wurden von den «Glimmer Twins» produziert. Dabei handelt es sich um niemand anderen als das Songwriter-/Produzenten-Duo Mick Jagger/Keith Richards. Bild: Das Duo im Jahr 2008. Anita Pallenberg, mit der Jones seit 1965 zusammen war, verliess ihn im Frühjahr 1967. Ihr neuer Freund wurde Keith Richards, mit dem sie bis 1977 liiert war. Bild: Pallenberg und Richards. 1968 soll sie allerdings eine Affäre mit Mick Jagger gehabt haben und noch im gleichen Jahr auch mit Jaggers damaliger Freundin Marianne Faithfull. Bild: Faithfull und Jagger 1967 in London. Am 3. Juli 1969 ertrank Brian Jones im Swimming Pool seines Anwesens, der Cotchford Farm in Hartfield, Sussex. Die Farm hatte früher Alan Alexander Milne gehört, dem Autor der berühmten Winnie Pooh-Bücher. Die Stones hatten sich kurz zuvor von ihrem ehemaligen Leader getrennt, weil er zunehmend unzuverlässig geworden war. Bei seinem Tod hinterliess Brian Jones sechs uneheliche Kinder von sechs verschiedenen Frauen. Bild: Jones (l.) und Jagger 1965 in New York. Der gemeinsame Sohn von Keith Richards und Anita Pallenberg heisst Marlon. Er wurde nach Richards' Lieblingsschauspieler Marlon Brando benannt. Bild: Richards 1998 in Frauenfeld. Das Doppel-Pseudonym «Nanker/Phelge» wurde als Credit für einige Kompositionen von Jagger und Richards benutzt, oder für Stücke verwendet, an denen die gesamte Band beteiligt war. «Phelge» stammte von Jimmy Phelge, einem früheren Mitbewohner von Jagger, Jones und Richards, während «Nanker» eine Phantasiebezeichnung für eine bestimmte Grimasse von Jones war. Bild: Jagger und Richards in Wien auf der «Licks»-Welttournee 2003. Keith Richards wurde aus dem Dartford Technical College geworfen. Der Grund dafür: Schuleschwänzen. Bild: Richards etwas später 2003 in der Schweiz. Mick Jaggers jüngerer Bruder Chris ist ebenfalls Musiker. Bild: Mick Jagger 1969 an einem Konzert im Londoner Hyde-Park. Auf der Single «We Love You», die 1967 veröffentlicht wurde, singen John Lennon und Paul McCartney die Backing Vocals. Bild: Die Stones auf einer undatierten Aufnahme. Als die Stones 1967 in der berühmten Ed Sullivan Show auftraten, mussten sie den Refrain ihres Hits «Let's Spend the Night Together» zu «Let's Spend Some Time Together» abschwächen. Jagger machte auf die Zensur aufmerksam, indem er jeweils bei dieser Zeile ostentativ die Augen verdrehte. Am Altamont Speedway Free Festival (1969) wurde ein Fan vor der Bühne von Hells Angels, die von den Stones als Sicherheits-Personal angeheuert worden waren, erstochen. Dies geschah jedoch nicht, wie oft kolportiert wird, während der Performance von «Sympathy for the Devil», sondern als die Stones «Under My Thumb» spielten. Gerüchten zufolge sang David Bowie die Backing Vocals auf «Time Waits For No One». Bild: Die Stones 1965 in Berlin. Das legendäre Album «Exile On Main Street», das 1971 in Südfrankreich eingespielt und 1972 veröffentlicht wurde, trug den Arbeitstitel «Tropical Disease». Bild: Richards 1971 in der Villa Nellcote, Villefranche-sur-Mer. Bei der Produktion von «Exile On Main Street» zapften die Stones den Strom für das Equipment illegal von einer Stromleitung an, die durch den Park der Villa Nellcote in Villefranche-sur-Mer führte. Die Villa hatte im Zweiten Weltkrieg den deutschen Besatzern als Gestapo-Hauptquartier gedient. Bild: Bandmitglieder mit Freunden vor der Villa Nellcote. Keith Richards spielt nur auf fünf Saiten – in der Regel zieht er sogar nur fünf Saiten auf. Bild: Richards 2003 in der Schweiz. Einer der Kameramänner des Dokumentarfilms «Gimme Shelter» (1970) über die Stones war der später als Filmproduzent und -regisseur enorm erfolgreiche George Lucas («Star Wars»). Bild: Mick Jagger 1982 im St.-Jakob-Stadion. Das Cover des Albums «Sticky Fingers» (1971) wurde von Andy Warhol für 15 000 Pfund entworfen.Die Hose war mit einem echten Reissverschluss ausgestattet; wurde er geöffnet, gab er den Blick auf weisse Unterwäsche frei. «Sticky Fingers» ist zudem das erste Album der Stones, das unter ihrem eigenen Plattenlabel «Rolling Stones Records» erschien. Auf «Sticky Fingers» tauchte auch zum ersten Mal das Logo mit der Zunge auf, von dem manche behaupten, es sei ebenfalls von Warhol designt worden. Es wurde jedoch von dem Designer John Pasche entworfen. Das Logo, ein eingetragenes Warenzeichen, steht seither auf allen Veröffentlichungen der Band. Bild: Richards (l.) und Jagger 2005 in New York. Mick Jagger, so will es ein Gerücht, soll in den Achtzigerjahren mit David Bowie im Bett gewesen sein. Bowies Ehefrau von 1970 bis 1980, Angela, erzählte das in einer Fernsehshow. sie habe die beiden schlafend, aber nackt vorgefunden. Es müsse aber nicht bedeuten, dass die beiden eine Affäre hatten, sagte sie. Bild: Jagger 1972 in San Francisco. Auf dem Album «Let It Bleed» (1969) findet sich ein Song über den «Würger von Boston» («Boston Strangler»): Er heisst «Midnight Rambler». Bild: Richards (l.) und Wyman (r.) 1982 in München. Der Kuchen auf dem Cover von «Let It Bleed» wurde von dem späteren TV-Star Delia Smith gebacken. Mick Taylor, der 1969 für Brian Jones in die Band gekommen war, verliess die Stones Ende 1974 wieder. Grund dafür war vor allem, dass Taylor trotz substantieller Mitarbeit nie in den Credits erwähnt wurde. 1989 wurde Taylor gemeinsam mit den Rolling Stones in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Regisseur Martin Scorsese (2.v.r.) verwendete den Song «Gimme Shelter» in drei seiner Filme: «Good Fellas», «Casino» und «The Departed» – nicht aber in seinem Dokumentarfilm über die Stones, «Shine a Light». Im Video der ersten Single von «Bridges to Babylon» (1997) tritt Angelina Jolie auf. Bild: Die Stones 1997 vor Beginn der «Bridges to Babylon»-Tour auf der Brooklyn Bridge in New York. Dennoch – oder deswegen – war «Bridges to Babylon» das einzige Stones-Album, das nicht in den Top-5 der britischen Album-Charts landete. Es erreichte nur Platz 6. Bild: Die Stones im Jahr 2005. Keith Richards: «Ich werde nur krank, wenn ich keine Drogen nehme.» Bild: Richards 1997 in Madison, Wisconsin. Keith Richards zog in seiner Autobiographie einen bitterbösen Vergleich zwischen Mick Jaggers Soloalbum «She's The Boss» und Adolf Hitlers «Mein Kampf»: «Jeder hat es gehabt», schrieb Richards, «aber keiner hat es gehört.» Bild: Jagger (l.) und Richards 2010 in New York. Richards behauptete, er habe viele Jahre lang nur zwei Nächte in der Woche geschlafen. «Das bedeutet, dass ich mindestens drei Leben bewusst erlebt habe.» Bild: Richards (l.) und Wood 2007 in Warschau. In einem Interview mit der Musikzeitschrift «New Musical Express» sagte Keith Richards: «Das Merkwürdigste, was ich je versucht habe durch die Nase zu ziehen? Meinen Vater, ich habe meinen Vater gesnifft. Er war eingeäschert worden, und ich konnte nicht widerstehen, ihn mit ein bisschen Koks zu zermahlen.» Später dementierte er diese Aussage und behauptete, er habe sich einen Scherz erlaubt. Bild: Richards 2003 in Spanien. Keith Richards: «Ich hatte nie Probleme mit Drogen. Ich hatte Probleme mit der Polizei.» Bild: Richards 2007 in New York. Frage: «Warum heisst das Album 'Some Girls'»? Antwort: «Weil wir uns nicht an ihre verdammten Namen erinnern konnten.» Bild: Die Stones 2003 in Toronto. Ron Wood, seit 1975 Mitglied der Stones, ist auch als Maler erfolgreich. Schon als Jugendlicher gewann er den Hauptpreis in einem Malwettbewerb der BBC-Kunstfernsehsendung «Sketch Club». Bild: Wood 2012 bei der Eröffnung seiner Ausstellung «Faces, Time and Places» in New York. Bill Wyman behauptete in seiner Autobiographie, er habe wahrscheinlich mehr Mädchen gehabt als alle anderen Stones zusammen. Bild: Wyman 1997. 1986 sorgte Wyman für einen Skandal, als sich herausstellte, dass seine junge Freundin Mandy Smith erst 16 Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden schon über zwei Jahre zusammen; Smith war zu Beginn der Beziehung erst 13. 1989 heirateten Wyman und Smith, doch die Ehe wurde 1991 schon wieder geschieden. Bild: Wyman 2006 in San Sebastian, Spanien. Wieder zwei Jahre später, 1993, heiratete Wymans damals 30-jähriger Sohn aus erster Ehe, Stephen, die 46-jährige Mutter von Mandy Smith, Patsy. Damit wurde Bill Wyman zum Schwiegervater seiner Ex-Schwiegermutter. Bild: Wyman 2001 am Jazz Festival von Montreux. Charlie Watts ist neben Keith Richards das einzige Mitglied der Stones, das nur einmal geheiratet hat. Bild: Watts mit der Band «The ABC & D of Boogie Woogie» 2010 in Herisau. Watts war lange alkoholabhängig, konnte sich aber aus eigener Kraft von der Sucht befreien. 2004 wurde bei ihm Kehlkopfkrebs diagnostiziert, doch Watts hat die Krankheit besiegt. Bild: Watts mit der Band «The ABC & D of Boogie Woogie» 2010 in Herisau.

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Es war eine folgenreiche Begegnung auf dem Bahnsteig der südenglischen Stadt Dartford, Ende 1961: Mick Jagger, der auf dem Weg zur London School of Economics war, traf auf Keith Richards, der ebenfalls unterwegs nach London war, wo er das Sidcup Art College besuchte.

Die beiden jungen Männer kannten einander schon; sie waren in der Schule Freunde gewesen und hatten sich dann aus den Augen verloren. Weil Jagger Schallplatten von Chuck Berry und Muddy Waters unter dem Arm trug, sprachen sie über Musik und stellten fest, dass sie sich in dieselbe Richtung entwickelt hatten: Sie interessierten sich für Rock'n'Roll und Blues.

Untergang im Drogensumpf

Als die beiden dann im Frühsommer 1962 auf den Multi-Instumentalisten Brian Jones stiessen, begann die Geschichte einer Band, die sich später «World's Greatest Rock and Roll Band» nennen durfte und die 50 Jahre lang unverwüstlich durch die Arenen dieser Welt tourte. Zu Beginn spielten die Rollin' Stones – wie sie sich bis 1963 nannten, als sie die Schreibweise zu Rolling änderten – Coverversionen aus dem reichhaltigen Fundus der schwarzen amerikanischen Musik. Doch schon bald begann das Songwriter-Duo Jagger/Richards zunehmend selbstbewusst Eigenkompositionen einzusetzen.

Jones hingegen, anfänglich der Bandleader und der eigentliche Frauenschwarm der Stones, versank allmählich im Drogensumpf. Im Juni 1969 musste er die Band verlassen; einen Monat später ertrank er unter mysteriösen Umständen in seinem Swimming Pool. Ihn ersetzte der Gitarrist Mick Taylor, der bis 1974 blieb. In der heutigen Besetzung sind nur noch Jagger und Richards Gründungsmitglieder der Stones; Schlagzeuger Charlie Watts war allerdings schon im Januar 1963 zur Band gestossen. Gitarrist Ron Wood ist seit 1975 dabei.

Rock-Legenden im Pensionsalter

Mittlerweile sind aus den Stones alte Herren geworden. Doch die Rock-Dinosaurier, allesamt im Pensionsalter angekommen, denken offenbar nicht ans Aufhören. Immer noch werfen sie regelmässig ihre gut geölte Tournee- und Marketingmaschine an und beglücken Millionen Fans rund um den Globus, die mit ihren Idolen gealtert sind. Die innovative Kraft ihrer frühen Jahre, als sie als der «böse» Gegenpol zu den «braven» Beatles galten, ist freilich längst geschwunden. Heute verwalten die Stones nur noch ihr eigenes musikalisches Erbe. Dies aber tun sie mit routinierter und hartnäckiger Eleganz.

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(dhr)