Releases der Woche

10. Juli 2018 21:21; Akt: 10.07.2018 21:21 Print

Sie träumen von einer Welt ohne Geschlechter

von Neil Werndli - Auf dem zweiten Years-&-Years-Album übernehmen Roboter die Welt, Nicki Minaj hat einen Soft-Porno gedreht und Ziggy Marley kommt nach Zürich – die Musik-News der Woche.

In der Welt, die sich Years & Years auf ihrem neuen Album vorstellen, dienen Menschen der Unterhaltung von Androiden. (Quelle: Youtube / Years & Years)
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Album der Woche: Years & Years, «Palo Santo»

Der Zweitling der UK-Band spielt in einer Zukunft, in der Androiden uns Menschen bewundern. Olly Alexander, Frontmann von Years & Years, mauserte sich in den vergangenen Jahren zu einer der Speerspitzen der LGBTQ-Bewegung. Auf dem neuen Album «Palo Santo» träumen die Briten nun von einer Zukunft, in der Gender keine Rolle mehr spielt.

Um das Konzept von «Palo Santo» zu erklären, veröffentlichten Years & Years einen Kurzfilm. Darin begibt sich ein Androide auf die Suche nach Menschen. Die kühlen Roboter, die mittlerweile die Welt übernommen haben, beneiden uns um Emotionen und so wird Olly Alexander auserwählt, um die neuen, leidenschaftslosen Herrscher zu unterhalten.

«Stehst du auf Männer oder Frauen?», möchte Alexander schliesslich von seinem Boss wissen. Die Antwort: «Für mich ist das alles das Gleiche.»


Der futuristische Kurzfilm zum neuen Years-&-Years-Album. (Quelle: Youtube / Years & Years)

Ironischerweise klingt die Musik auf «Palo Santo» nicht wirklich futuristisch. Der Electro-Pop-Sound erinnert eher an die Achtziger- und Neunzigerjahre. «Hallelujah» weckt Erinnerungen an Michael Jackson, und die Single «Sanctify» wurde von Britneys «I’m a Slave 4 You» inspiriert, wie Alexander selbst zugibt.

Auch wenn die Musik das Album-Narrativ nicht vollständig widerspiegelt, die Lyrics richten sich laut dem Sänger hauptsächlich an einen Ex-Freund – «Palo Santo» ist ein starkes Statement zur heutigen Zeit, in der sexuelle Vorlieben verschmelzen, kein Mensch genau weiss, wo uns der technologische Fortschritt hinbringt, und wir uns ab und zu in Erinnerung rufen sollten, wie wichtig Menschlichkeit eigentlich ist.

Video der Woche: Nicki Minaj – «Bed» (feat. Ariana Grande)

Nicki Minaj weiss ihre Reize einzusetzen, und auch das Video zu «Bed» bräuchte fast schon eine Ab-18-Freigabe. Im Refrain mischt ausserdem Ariana Grande mit, die sich ähnlich freizügig präsentiert.

All die nackte Haut lenkt zwar leicht davon ab, dass es sich eigentlich um einen hitverdächtigen Song handelt – wer die beiden dazu auffordern würde, sich etwas anzuziehen, wäre aber nicht nur ein Spielverderber, sondern hätte Nickis Rolle schlichtweg nicht ganz verstanden.


Fast schon ein Softporno: Nicki Minajs «Bed». (Quelle: Youtube / Nicki Minaj)

Konzerttipp: einen echten Marley live erleben
Ziggy Marley; Montag, 23. Juli; Kaufleuten, Zürich.

Bob Marley ist eine Legende, und jeder, der auch nur einmal in seinem Leben einen Joint geraucht hat, kann seine Songs mitsingen. Sohn Ziggy übernahm mittlerweile das Zepter des Reggae-Gotts und hält das Erbe in Ehren. Dafür wurde er bereits mit acht Grammys geehrt, zuletzt für sein selbstbetiteltes Album aus dem Jahr 2016.

Im Mai erschien der neueste Langspieler «Rebellion Rises». Ziggy erforscht zwar kein neues Genre – es wäre auch unpassend, wenn er plötzlich Electro machen würde –, führt aber seine persönliche Reise fort, unter anderem mit einem Feature seines Sohnes. Die Reggae-Dynastie lebt, und Ziggy beweist das im Zürcher Kaufleuten.

Wir verlosen 2 x 2 Tickets für die Show!
Schicke zur Teilnahme ein Mail an konzerte@20minuten.ch – ausgelost wird am Mittwochabend um 18 Uhr.


Die Marleys werden wohl auch in hundert Jahren noch Reggae machen. (Quelle: Youtube / Ziggy Marley)