Royal-Blood-Showcase

11. September 2014 07:57; Akt: 11.09.2014 15:51 Print

Die Gitarrenhelden ohne Gitarren

von Neil Werndli - Das Showcase von 20 Minuten, Sony und Postfinance war wohl die letzte Gelegenheit, Royal Blood im kleinen Rahmen zu sehen.

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«Die letzten sechs Monate waren ein einziges verrücktes Abenteuer», sagte Sänger Mike Kerr im Interview mit 20 Minuten. Von aussen mag der Aufstieg von Royal Blood kometenhaft erscheinen. Hinter den Kulissen knisterte es allerdings schon lange, sobald der Name des Duos fiel.

Dass der Schlagzeuger der Arctic Monkeys beim Glastonbury-Festival ein Royal-Blood-Shirt trug, noch bevor die Band ihre erste Single veröffentlicht hatte, dürfte auch kein Zufall gewesen sein. Hype generieren nennen das Anzugträger. Im August eroberte das selbstbetitelte Debütalbum folgerichtig Platz 1 der UK-Charts. Das Showcase von 20 Minuten, Sony und Postfinance war also eine exklusive Chance: So nahe wie im Zürcher Exil wird man Royal Blood in Zukunft nicht mehr so leicht kommen.


«Das hier ist wohl eine der schönsten Landschaften, die wir je gesehen haben», sagten Royal Blood nach ihrem ersten Auftritt in der Schweiz. (Video: 20 Minuten/Brigitte Büchel)

Ein umgekehrter Jack White ... und ein bisschen Bastian Baker

Die Band wird momentan als grosse Hoffnung für das lange heraufbeschworene Gitarren-Revival verkauft. Dies wirkt etwas absurd, wenn man bemerkt, dass Mike Kerr seine manchmal kreischenden, dann wieder tief knurrenden Riffs ausschliesslich aus einem E-Bass rausprügelt. Er ist quasi ein umgekehrter Jack White: Während dieser bei den White Stripes mit seiner Gitarre den Bass ersetzte, bringt Mike Kerr seinen Viersaiter mit einem ganzen Arsenal an Effektgeräten dazu, wie eine Gitarre zu klingen.

Er sehe aus wie Bastian Baker mit einigen Extra-Kilos, sagte eine Redaktionskollegin über den Royal-Blood-Sänger. Trotz rundem Gesicht hat er aber mehr Kanten als Schwiegermuttertraum Baker: Auf der Exil-Bühne schwitzte er wie am Spiess, heulte manchmal auch schräge Töne und wenn sein Bass nicht tut, was Mike will, rutscht ihm schon mal ein F-Wort raus, während er die Augen verdreht.

Zu Rock'n'Roll für Rockstar-Gesten

Allgemein klingen Royal Blood eigentlich zu hart für ihren Mainstream-Erfolg. Das Publikum im Exil liess sich aber trotz all der Energie nicht wirklich aus den Socken reissen: Getanzt wurde mit der einen Hand in der Hosentasche und der anderen am Bierbecher. Erst beim Abschluss-Song «Out of the Black» liessen sich einige Hartgesottene zu etwas Pogo-Geschubse hinreissen. Der Rest starrte gebannt auf die Bühne.

Dabei gab es da gar nicht allzu viel zu sehen: Keiner der beiden Herren ist eine Rampensau. Royal Blood boten eine minimalistische, dafür authentische Show. Mehr braucht es auch nicht: Es ist die Art Musik, die betrunkene Typen dazu bringt, sich die Shirts vom Leib zu reissen. Es geht bei Royal Blood weder um Spektakel, noch um eine Aufreisser-Performance, sondern einzig um die musikalische Energie, die das schüchterne Duo ausstrahlt.

Der Hype um Royal Blood mag künstlich generiert worden sein – beim Showcase bewiesen sie, dass er trotzdem gerechtfertigt ist.

Hatten Sie das Glück, beim Royal-Blood-Showcase dabei zu sein? Erzählen Sie im Talkback von Ihrem Abend im Exil.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Walle am 11.09.2014 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gitarre...

    Ein Bass ist auch eine Gitarre!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walle am 11.09.2014 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gitarre...

    Ein Bass ist auch eine Gitarre!