Heilsarmee am ESC

16. Dezember 2012 01:10; Akt: 16.12.2012 21:37 Print

«Wir wollen Frieden versprühen»

von Eva Papastergios - Die Heilsarmee wird die Schweiz am Eurovision Song Contest 2013 vertreten. Doch bereits kommen Gerüchte auf, dass die religiöse Organisation gar nicht am ESC auftreten darf.

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Neues Outfit, neues Glück: Mit weissem Hemd und schwarzer Hose will Takasa, wie sich die Heilsarmee neu nennt, in Malmö punkten. Reichlich langweilig – haben Sie einen besseren Vorschlag? Die Überraschung ist perfekt: Die Schweiz wird am Eurovision Song Contest 2013 von der Heilsarmee vertreten. Das Fernsehpublikum wählte die sechsköpfige Heilsarmee-Band aus den neun Finalisten aus und kürte die christliche Freikirche zum grossen Sieger des Abends. Der 94-jährige (!!!) Bassist Emil Ramsauer freut sich zusammen mit Sängerin Sarah Breiter. Sie machten sich erfolglos zum Affen: Anthony Bighead hatten mit ihrem Song «Do The Monkey» keine Chance gegen die Heilsarmee. Und das obwohl Anthony mit Jurorin Hella von Sinnen auf Kuschelkurs ging. Durch den Abend führte, na wer wohl, Sven Epiney. Die deutsche Komikerin Hella von Sinnen war das prominenteste Jury-Mitglied. Die bekennende Lesbe machte keinen Hehl daraus, dass sie mit der Wahl der Heilsarmee nicht zufrieden ist. «Ich war eindeutig für Jesse. Wenn nicht er, wer dann? Dass die Schweiz nun mehr Erfolg damit haben wird, alte Leute und die Heilsarmee zu schicken, weiss ich nicht», so der Comedy-Star. Melissa performte «The Point Of No Return», ging aber trotzdem leer aus. Obwohl sie mit ihrem Auftritt optisch ein Highlight setzte und Sven Epiney ihn als Feuerwerk beschrieb. Ally aus dem Tessin durfte ihr Können als Erste unter Beweis stellen - Höschenblitzer inklusive. Chiara mit der Startnummer zwei hoffte am Samstagabend, den 15. Dezember, auf ihren ersten Kuss. Vielleicht bekam sie ja ein Trostbussi, denn zum Sieg hat es nicht gereicht. Carrousel sangen auf der ESC-Bühne von einem Rendez-vous. Nicolas Fraussunet aus Tolochenaz VD mit «Lève-toi» - auch er hatte kein Glück. Bereits bei «DSDS» bewies Jesse Ritch, dass er Talent hat. Er zückte alle Register und holte sich mit Schlangenfrau Nina Burri akrobatische Unterstützung auf die Bühne. Gereicht hat es dennoch nicht. Anthony der Monkey mit Bananen-Mikro und Backgroundsängerinnen. Die Heilsarmee sammelt für einmal keine Spenden, sondern Stimmen. Nill Klemm folgte auf die Affen und die Heilsarmee - der Waadtländer und seine Ladies blieben aber chancenlos. Bewusst setzte das Schweizer Fernsehen nur internationale Gäste in die Jury. Sie sollten die Kandidaten auf ihr europäisches Talent prüfen. Schweizer mit ausländischen Wurzeln sollten frischen Wind in die Sendung bringen - wie die Diplomatentochter aus Schweden (2.v.r.). Gaststar des ESC-Vorentscheidungsabend 2012 war Hella von Sinnen. Die neun Finalisten für den Schweizer Vorentscheid des Eurovision Song Contest im Portrait: Neben der Heilsarmee mit «You and Me» kommen heute Abend auch noch folgende Künstler zum Zug: Der Zürcher Anthony Bighead mit seinem Spass-Track «Do The Monkey» ... ... Ex-«DSDS»-Kandidat Jesse Ritch mit «Forever & A Day» ... ... Melissa aus Neyruz VD mit «The Point Of No Return» ... ... das jurassische Duo Carrousel mit «J'avais rendez-vous» ... ... Chiara Dubey aus Ronco sopra Ascona TI mit «Bella sera» ... ... die Tessinerin Ally mit «Catch Me» ... ... Nicolas Fraussunet aus Tolochenaz VD mit «Lève-toi» ... ... und Nill Klemm aus Pully VD mit «On My Way».

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Die Zuschauer des Schweizer Fernsehens haben entschieden: Die Heilsarmee tritt mit ihrem Song «You and Me» für die Schweiz am Eurovision Song Contest in Malmö an. «Wir wollten mutig auf der Bühne sein und Frieden versprühen», so die Sängerin Sarah Breiter zu 20 Minuten Online.

«Es war auch viel Goodwill dabei»

Auch der Heilsarmee-Sänger Christoph Jakob zeigte sich berauscht über den Sieg. Der 31-Jährige hat auch eine Vermutung, weshalb sie sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt haben: «Wir haben gewonnen, weil wir das Gefühl von Freude rüberbringen wollten und es offensichtlich auch geschafft haben. Natürlich war auch viel Goodwill der Menschen ein Grund für den Sieg.»

Der Gewinner-Song stammt aus der Feder von Georg Schlunegger, einem Mitarbeiter von Hit-Produzent Roman Camenzind und dessen Produktionsfirma Hitmill. Camenzind liess es sich nicht nehmen, live mit dabei zu sein und die Show im Publikum mitzuverfolgen: «Ich freue mich extrem. Was kommt weiss ich nicht, es bleibt spannend», so Camenzind.

Hella von Sinnen ist enttäuscht

Doch die Begeisterung teilten längst nicht alle. Hella von Sinnen, die in einer internationalen Jury die Auftritte kommentierte, machte keinen Hehl daraus, dass sie gar nicht glücklich über die Entscheidung des Schweizer Publikums ist: «Ich war eindeutig für Jesse. Wenn nicht er, wer dann? Dass die Schweiz nun mehr Erfolg damit haben wird, alte Leute und die Heilsarmee zu schicken, weiss ich nicht», so der Comedy-Star.

Als bekennende Homosexuelle sieht sie auch die christlich-konservative Einstellung der Freikirche als Problemfaktor: «Sie werden keine Punkte von den Homosexuellen Europas erhalten. Wer uns nicht unterstützt, den unterstützen wir auch nicht.»

Darf die Heilsarmee gar nicht nach Malmö?

Mit dieser Meinung dürfte von Sinnen nicht alleine dastehen. Denn nicht nur die religiöse Einstellung der Heilsarmee dürften den Siegern Schwierigkeiten bereiten. Nach der Entscheidung in Kreuzlingen machte in der Bodensee Arena das Gerücht die Runde, dass die Heilsarmee in Schweden gar nicht antreten darf. Der Grund: Am ESC dürften offenbar keine politischen und religiösen Organisationen teilnehmen. Es bleibt also spannend.

Alle Details der Entscheidungsshow, können Sie hier im Live-Ticker noch einmal nachlesen.

Heilsarmee mit «You and Me»:

(Quelle: Youtube)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Mein Gott man kann auch alles negativ sehen! Ich finde der Song gut und die Gruppe sehe symphatisch. Nur weil die Schweiz die letzten Jahre schlecht war heisst dies nicht das sie es immer bleiben wird! Think positiv! – Ronny A.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • john am 16.12.2012 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Toleranz auch bei Andersdenkenden!

    Homosexuelle sprechen immer von Toleranz. Sie können aber nicht tolerant sein gegenüber anderer Ansichten?

  • Heinz Fröhlich am 16.12.2012 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ich schmunzle

    Eine Heilsarmee für den ESC ist das einzig richtige! Die Schweiz ist mit ihr bestens vertreten, ob sie nun (wieder einmal) Punkte holt oder nicht ist Nebensache, aber dem ESC tuts sehr gut.

  • Luca Moser am 16.12.2012 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Schlimm das ist keine Musik !!! Und dann fragt ihr euch wider warum wir keine Chance am ESC haben. Waren so viele gute Titel dabei aber wir Schweizer nehmen den mit abstand schlechtesten !

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ulrich Tanner am 19.12.2012 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Neuer Name

    Bravo für die Heilsarmee, mit ihrem guten Song. Neuer Name: Adam und Eva. Als Uniform Ersatz können sie ja von der besten Armee der Welt, eine Swissarmy ausleihen!

  • Adrian Spörri am 17.12.2012 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Warum es beim ESC wirklich geht...

    Beim ESC geht es um alles andere als Musik! Die Aussage von Hella von Sinnen zeigt das doch eindeutig: «Wer uns nicht unterstützt, den unterstützen wir auch nicht.» Da könnte der beste Song der Welt kommen, wenn der Hintergrund nicht passt, wird nicht gewählt! Dies auch wenn der Song eigentlich - objektiv gesehen - der Beste ist.

  • Steff am See am 17.12.2012 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    jetzt wird es drammatisch

    Und seit ihr sicher?Geht es da um Musik?

  • i. mels am 17.12.2012 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    no religion

    Jetzt wird Religion sogar hier ein Thema! Wann hört das auf, resp. wohin wird uns das noch führen? Schlimm!

  • hattrick am 17.12.2012 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Heilsarmee

    Heilsarme hin oder her,sie haben es verdient an den ESC zu gehen.Die anderen songs waren zu dem Lied nur schlecht.