«To the Bone»

14. Juli 2017 05:48; Akt: 14.07.2017 07:18 Print

Animiert Netflix zu Magersucht?

Mit «To the Bone» und dem Thema Essstörungen wagt sich Netflix an ein kontroverses Thema. Wir haben den Film schon gesehen. Das müsst ihr wissen.

Lily Collins spielt im Netflix-Drama eine 20-Jährige, die an Magersucht erkrankt ist. Quelle: Youtube.com
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Am Freitag geht «To the Bone» an den Start. Der Netflix-Streifen sorgte bereits im Vorfeld der Ausstrahlung für heftige Diskussionen. Der Vorwurf: Das Drama animiere womöglich gefährdete Jugendliche, in die tödliche Sucht abzurutschen. Ist da was dran? Wir haben den Check gemacht.

Lily Collins ist eine Wucht!
Eins vorweg: Das Beste an «To the Bone» ist Hauptdarstellerin Lily Collins. Mit Haut und Haar gibt sie sich in die Rolle einer Magersüchtigen. Trotz ihres Star-Status ist sie absolut glaubwürdig. Und das nicht nur, weil sie früher selbst an der Krankheit litt und sich für die Rolle wieder dürr hungerte, bis sie eine Betroffene spielen konnte. Kritiker sind begeistert von ihrer Leistung. Ein echter Karriere-Höhepunkt für das ehemalige Schneewittchen.

Der Film ist realistisch!
Dass der Streifen nie in Klischees abgleitet und aufgesetzt wirkt, ist der Verdienst von Regisseurin und Autorin Marti Noxon. Die Filmemacherin litt in ihrer Jugend selbst an Magersucht. «To the Bone» fühlt sich ein bisschen wie ein Insider-Bericht an. Die Frau weiss, wovon sie spricht. Das macht den Film und die Figuren so authentisch.

Lachen ist erlaubt!
Noxon erzählt die ernste Geschichte mit einem witzig-sarkastischen Ton, der an «Juno» erinnert, in dem eine 16-Jährige ihre ungewollte Schwangerschaft mit viel Ironie meistert. Als Ellen (Lily Collins) am Anfang des Films im Detail runterrattert, wie viele Kalorien was auf ihrem Teller hat, kommentiert sie selbst trocken: «Ich habe Kalorien-Asperger!» Solche Szenen lockern das enorm schwere Thema angenehm auf.

Der Film schreckt ab!
Wie sich der Streifen auf gefährdete Jugendliche auswirkt, ist als Nicht-Betroffener schwierig zu beurteilen. Für alle anderen wirkt der Film aber mit Sicherheit abschreckend. Ellens hervorstehende Knochen, ihre Augenringe, ihr gebrochener Lebenswille – das alles ist schlimm anzusehen. In einer Schlüsselszene gegen Ende des Films blickt Ellen – und mit ihr auch das Publikum – im Traum auf ihren nackten, halbtoten und ausgemergelten Körper. Ein extrem verstörender Moment, der unter die Haut geht.

Wie eine ehemalige Betroffene den Film sieht, lesen Sie auf 20 Minuten Friday. Zum Artikel geht es hier.

«To the Bone» ist ab 14. Juli bei Netflix abrufbar.

(cat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto Houdini am 14.07.2017 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Er schreckt ab und bewirkt genau das Gegenteil von zu Magersucht animieren. Es nervt langsam, immer muss alles 100% politisch und ethisch korrekt sein.

  • DenSity am 14.07.2017 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Socialmedia

    Dieser Film animiert sicher nicht! Es sind all die möchtegern Models auf Instagram, Facebook und Co. die ihr hier immer wieder erwähnt, obwohl es nimmand lesen will. Man sieht es ja an den Bewertungen zum Bericht! Die geben ein falsches Bild ab.

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  • se am 14.07.2017 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ach hört doch auf

    schade das einen Film so kritisiert wird ob wohl der erst heut läuft. die Meinungen von möchte gerne Experten kann ich sehr wohl verzichten

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jugendlicher am 14.07.2017 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Also ich fand den Film gut

    Ob er nun abschreckt oder nicht.... Ich denke schon, ja... Die Schlüsselszene war abschreckend, auf jeden Fall für mich....

  • Ich mag mich jetzt am 14.07.2017 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Voraussetzungen

    Ich war Betroffen und kämpfe hin und wieder immer noch gegen mich. Und solche Filme sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits soll er Aufklären und ein realistisches Bild schaffen, mit allen Tricks und Strategien zur Kontrolle und dem Selbsthass und -zweifel. Andererseits können Betroffene Mechanismen aus dem Film kopieren und bei sich selber anwenden. Ich muss sagen, der Film scheint gut recherchiert zu sein und da Lily Collins selber Magersucht hatte, kann sicher Ellen gut spielen. Aber Abschreckend? In Zeiten meiner Krankheit hätte ich sie als schön empfunden und als "gutes" Vorbild.

  • Wasta am 14.07.2017 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst wenn

    Selbst wenn er dazu animieren würde, vorher sprach kaum jemand über die Magersucht. Jetzt wird es dank Netflix wieder thematisiert. Ähnlich ging es auch bei der Serie 13 Reasons Why zur Sache, vor her sprach selten jemand über Suizid. Die Serie hat auch wieder was aufgewirbelt. Das Thema wird sonst eigentlich von Filmemachern und Serienproduzenten ignoriert. Das Ziel ist erreicht, wir reden wieder über diese Themen und das ist das Wichtige.

  • Roman am 14.07.2017 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    anderes Problem

    Es ist nun mal einfacher einem Film die Schuld zu geben, anstatt sich mit dem gesellschaftlichen Problem zu befassen. (Das Schönheitsideal in der modernen Gesellschaft, dass von der Marketingstrategen befeuert wird.)

    • Timä am 14.07.2017 10:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Roman

      Auch das viel kritisierte "Schönheitsideal" ist nicht wirklich der Grund. Denn ein mental stabiler Mensch lässt sich davon nicht beirren und beeinflussen. Erst wenn psychisch schon etwas im Gange ist, tun evtl. solche Schönheitsvorbilder noch den Rest dazu. Nur der Modewelt die Schuld zu geben, ist zu einfach.

    • Stabil am 14.07.2017 14:27 Report Diesen Beitrag melden

      @Timä

      Super Kommentar in den Zeiten von Bodyshaming und Cybermobbing.

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  • romina am 14.07.2017 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    An alle Besserwisser

    Liebe Eltern, Freunde, Arbeitskollegen, usw. Der tiefgründige Ursprung einer Magersucht liegt in der Regel im Umfeld und nicht bei einem Film, einem Modelvorbild oder ähnliches. Sondern im engen Umfeld. Vielleicht seid IHR ja ein Mitgrund für eine Magersüchtige in der Familie/Umfeld. Schiebt die Verantwortung nicht auf irgendwelche Medien und Promis. Denn ihr habt viel mehr Einfluss auf eure Mitmenschen, als ihr wahrhabt.

    • Betroffene am 14.07.2017 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @romina

      Danke für diese wahren Worte! Bei mir war es unser Vater, der mit seinen gut gemeinten Ratschlägen wesentlich zu einer Essstörung bei meinem Bruder und mir beigetragen hat.

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