SRF-Krimi

08. November 2017 11:23; Akt: 08.11.2017 13:25 Print

«Wilder» mit Traumquote, aber kleinen Fehlern

Gestern Abend debütierte die neue SRF-Krimiserie «Wilder» im TV. Die Reaktionen sind positiv, doch aufmerksamen Zuschauern sind einige Schnitzer aufgefallen.

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Die neue SRF-Krimiserie «Wilder» wird auf Twitter mehrheitlich gelobt. Doch aufmerksamen Zuschauern sind fünf kleine Schnitzer aufgefallen. «Wilder» spielt im Berner Oberland und zeigt bereits schon zu Beginn eine katholische Kirche. Twitter-User Chevalier Danceny hat richtigerweise festgestellt, dass Bern ein evangelisch-reformierter Kanton ist. 52,1 Prozent der Berner gehören laut dem Bundesamt für Statistik dieser Konfession an. Römisch-katholisch sind nur 15,8 Prozent der Berner. Gedreht wurde auf dem Urnerboden und nicht im Kanton Bern. Twitter-Spürnase Marcel Erhard ist aufgefallen, dass den Wilder-Stylisten offenbar ein Detail entgangen ist: Die Berner Polizisten tragen Glarner Polizeiuniformen. Stilecht trinken die «Wilder»-Bergler Bier statt Cüpli. Doch auf Twitter wird moniert, dass sich die urchigen Figuren den falschen Gerstensaft reinschütten. Sie trinken nämlich Appenzeller statt Berner Bier. Die meisten Schauspieler reden im Krimi im breitesten Berner Dialekt. Da aber sicher nicht alle aus Bern stammen, fallen einige gern mal aus der Rolle. Besonders auffällig ist das bei Sabina Schneebeli (links im Bild), die die Bundesanwältin Barbara Rossi spielt. Rossi spricht zuerst Zürcher und dann plötzlich wieder Berner Dialekt. «Wilder» spielt im Fantasie-Bergdorf Oberwies, das im Berner Oberland liegen soll. Chevalier Danceny (der schon den Fehler mit der Religion feststellte) hat aber mit scharfem Blick erkannt: Orte, die auf -wies enden, gibt es im berndeutschen Sprachraum nicht.

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SRF hat mit der Krimiserie «Wilder» vieles richtig gemacht. Regisseur Pierre Monnard hat der Serie einen wunderbar düsteren Stempel aufgedrückt und bei den Bildern der tief verschneiten Bergwelt ist man beinahe versucht, den Skianzug vor dem TV anzuziehen.

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Ebenfalls grossartig sind die Hauptdarsteller: Sarah Spale (sie spielt die Kantonspolizistin Rosa Wilder und ist bekannt aus «Nachtzug nach Lissabon») und Marcus Signer (er spielt den Bundespolizisten Manfred Kägi und ist bekannt aus «De Goalie bin ig») überzeugen als eigenwilliges Ermittlerpaar.

Die Twitter-Community beurteilt «Wilder» (für eine Sendung im Zusammenhang mit SRF) ziemlich milde und spart auch nicht mit Lob.






Doch neben Lob sind einigen Zuschauern ein paar Schnitzer in der Produktion aufgefallen. Hier die fünf «Wilder»-Probleme.

1. Problem: Die Konfession
«Wilder» spielt im Berner Oberland und zeigt schon zu Beginn eine katholische Kirche. Twitter-User Chevalier Danceny hat richtigerweise festgestellt, dass Bern ein evangelisch-reformierter Kanton ist. 52,1 Prozent der Berner gehören laut dem Bundesamt für Statistik dieser Konfession an. Römisch-katholisch sind nur 15,8 Prozent der Berner.


Das sagt SRF-Sprecherin Nadine Gliesche
«Wir haben auf dem Urnerboden gedreht, dort steht eine katholische Kirche – was auch ersichtlich ist. Wir lassen aber keinen Pfarrer auftreten, haben keine dezidierten Hinweise auf die praktizierte Konfession gegeben.»

2. Problem: Die Polizeiuniform
Gedreht wurde auf dem Urnerboden und nicht im Kanton Bern. Twitter-Spürnase Marcel Erhard ist aufgefallen, dass den «Wilder»-Stylisten offenbar ein Detail entgangen ist – die Berner Polizisten tragen offenbar Glarner Polizeiuniformen.



Das sagt SRF-Sprecherin Nadine Gliesche
«Super, dass Herr Erhard so gut hingeschaut hat. Nein, der Ausstattung ist hier kein Detail entgangen, sondern ging pragmatisch vor. Die Glarner Polizei unterstützte uns mit Uniformen. An dieser Stelle herzlichen Dank.»

3. Problem: Das Bier
Stilecht trinken die «Wilder»-Bergler Bier statt Cüpli. Doch auf Twitter wird moniert, dass sich die urchigen Figuren den falschen Gerstensaft reinschütten. Sie trinken nämlich Appenzeller statt Berner Bier.


Das sagt SRF-Sprecherin Nadine Gliesche
«Auch hier war es eine pragmatische Entscheidung. Detailpflege ist wichtig, aber es gilt den Fokus an die richtige Stelle zu setzen: Inszenierung, Schauspielführung, Kamerapositionen. Welches Bier getrunken wird, ist weniger wichtig.»

4. Problem: Der Dialekt
Die meisten Schauspieler sprechen im Krimi im breitesten Berner Dialekt. Da aber sicher nicht alle aus Bern stammen, fallen einige gern mal aus der Rolle. Besonders auffällig ist das bei Sabina Schneebeli, die die Bundesanwältin Barbara Rossi spielt. Rossi spricht, quasi als Bilingue, Zürcher und dann plötzlich wieder Berner Dialekt.


Das sagt SRF-Sprecherin Nadine Gliesche
«Das kann schon sein. Aber insgesamt machte Sabina Schneebeli einen hervorragenden Job. Für uns war es wichtiger, die richtigen SchauspielerInnen für die einzelnen Rollen zu finden, als das der Dialekt einwandfrei ist.»

5. Problem: Der Ortsname
«‹Wilder› spielt im Fantasie-Bergdorf Oberwies, das im Berner Oberland liegen soll. Chevalier Danceny (der schon die Sache mit der Religion feststellte) hat aber mit scharfem Blick erkannt: Orte, die auf -wies enden, gibt es im berndeutschen Sprachraum nicht.»


Das sagt SRF-Sprecherin Nadine Gliesche
«Das geschah mit voller Absicht. Wir wollten nicht, dass eine Parallele mit einem tatsächlich existierenden Ort hergestellt werden kann.»

Die erste «Wilder»-Episode «Knochen» konnte übrigens eine Traumquote verzeichnen. 681'000 Zuschauer schalteten ein, das entspricht einem Marktanteil von 41,9 Prozent.

(lme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Antaios am 08.11.2017 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehler

    Wie kann man nur eine katholische Kirche im Bern zeigen, echt eine Katastrophe... im Ernst, haben wir wirklich keine anderen Sorgen, als uns darüber und weitere Fehler aufzuregen???

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  • Saaaaaletti am 08.11.2017 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Arbeit

    Wirklich ein gelungener Start zur Serie. Erinnert stark an den Bestatter. Schade dass nur 6 Folgen erscheinen. Solche qualitativ hochstehende Serien sollten das ganze Jahr laufen

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  • Alex Keller am 08.11.2017 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    besser als Hollywood

    Trotz aller Kritik, immer noch realer als eine Hollywood produzierte Serie! Bei einer H-Produktion würde man Züricher Uniformen verwenden, Calanda Bräu statt Appenzeller einschenken und das ganze irgendwo in einem deutschen Filmstudio drehen, oder dies Fantasie-mässig am Computer kreieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kein Fan am 09.11.2017 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel Lobhudelei im Vorfeld

    Skuril, düster, bemüht und etwas hausbacken...ich tue mir weitere Folgen kaum an.

  • Ueli am 09.11.2017 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nur?

    Warum will man uns das Klöntal und den Urnerboden überhaupt als Bernbiet verkaufen? Ist es für die Story denn relevannt, dass es im Bernischen spielt? Wenn ja, gabs denn im Berner Oberland kein verschneites Dörfli in dem man hätte drehen konnen? Und Wenn nein, warum die Schauspieler dann nicht gleich Glarner oder Urner Dialekt sprechen lassen? (Die meisten sprechen ja in RealLife auch kein Bärndutsch) Irgendwie ein unrealistisches Mischmasch das Ganze.

  • gezi am 09.11.2017 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal sehen, was die 2. Folge bringt

    Die erste Folge fand ich sehr langatmig, wenn nicht schon langweilig. Aber da mussten ja erst alle Charktere vorgestellt werden. Bin gespannt, wie es weitergeht.

  • bunsuwan am 09.11.2017 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    The Shining

    The shining laesst gruessen,aber ist ok der Krimi,gefaellt mir!

  • Biergate am 09.11.2017 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Bier

    Wenn schon pragmatisch, dann sollte doch wenigstens Adler Bier getrunken werden... ;)