«Kurzes Röckli holt Quote»

31. Mai 2017 17:25; Akt: 31.05.2017 18:13 Print

Hat das SRF ein Sexismus-Problem?

Bald steht Christa Rigozzi als SRF-Politmoderatorin im Einsatz. Das passt nicht allen – interne Mitarbeiter greifen die Ex-Miss scharf an. SRF-Direktor Ruedi Matter wehrt sich.

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«Arena/Reporter»: So heisst die neue Sendung, die «Arena»-Moderator Jonas Projer und Ex-Miss Schweiz Christa Rigozzi gemeinsam leiten werden. Das Konzept der Sendung sieht vor, dass zuerst ein Dok-Film der Sendung «Reporter» gezeigt und das Thema dann mit Gästen sowie Protagonisten des Films diskutiert wird. Bei Politikern sorgt der prominente Neuzugang bei SRF für positive Reaktionen. «Christa Rigozzi hat bereits als ‹Arena›-Gast eine gute Figur gemacht und kommt beim Publikum sehr gut an», sagt SVP-Nationalrätin Natalie Rickli. BDP-Präsident Martin Landolt, der sich in der Vergangenheit schon als «Arena»-Kritiker zu Wort gemeldet hat, will dem neuen Format eine Chance geben. «Christa Rigozzi hat bei ihren ‹Arena›-Auftritten viel politisches Talent an den Tag gelegt und sich bei komplexen politischen Themen dossierfest gezeigt.» Auch SP-Nationalrätin Jacqueline Badran sieht in der neuen Sendung ein «tolles Format, das Fakten liefern und Hintergründe aufzeigen kann». Sie begrüsse jede Politsendung, die möglichst viele Zuschauer erreiche und Zusammenhänge beleuchte. Doch es werden auch Zweifel an der neuen Politsendung und deren Besetzung laut. Während SP-Nationalrat Cédric Wermuth den letzten «Arena»-Auftritt von Rigozzi als «lächerlich» bezeichnet hatte («Vorschlag: In der nächsten Sendung moderiert Vujo Gavric»), zielt etwa die Kritik von Rickli nicht auf Rigozzi, sondern auf die Strategie des SRF. Zwar sei SRF durch das Engagement von Rigozzi sicher ein Coup gelungen, so Rickli. Genau dieser «Coup» ist es aber auch, der die SVP-Nationalrätin daran zweifeln lässt, ob es SRF um die Quote oder um den Service public geht. Für Rickli ist klar: «Für den Service public braucht es keine teuren Moderatorinnen.»

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Bis jetzt stand sie hauptsächlich für Unterhaltungssendungen vor der Kamera. So moderiert Christa Rigozzi zusammen mit Marco Fritsche die 3+-Kuppelshow «Bauer, ledigt, sucht ...», ausserdem sass sie in der Jury von «Die grössten Schweizer Talente».

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Nun wird die Ex-Miss Schweiz am 11. Juni zusammen mit Jonas Projer die neue Politsendung «Arena/Reporter» moderieren. «Christa Rigozzi hat bereits als ‹Arena›-Gast eine gute Figur gemacht und kommt beim Publikum sehr gut an», lobt etwa die SRF-kritische SVP-Nationalrätin Natalie Rickli. Rickli sprach von einem Coup, der dem SRF gelungen sei.

Billiger Zuschauerfang?

Innerhalb des Schweizer Fernsehens tönt es weniger positiv. «Man hätte auch auf eine der jungen, begabten News-Frauen zurückgreifen können, die für Kompetenz stehen», zitiert der «Blick» einen Insider. Eine TV-Frau äussert sich in der Zeitung anonym sogar noch deutlicher: «Für mich ist es billiger Zuschauerfang: Kurzes Röckli holt mit lustigem Tessiner Akzent Quote.»

Selbstverständlich darf man das Engagement Rigozzis beim öffentlich-rechtlichen Sender kritisch sehen. Dass ausgerechnet eigene Mitarbeiter die Tessinerin aber derart heftig angreifen, erstaunt dann doch. Sexistische Verbalattacken im Leutschenbach?

«Nichts anderes als verlogen»

SRF-Direktor Ruedi Matter stellt klar: «Niemand in diesem Haus muss mit allem einverstanden sein, was entschieden oder umgesetzt wird. Wir lassen verschiedene Meinungen zu, nicht nur in unseren Programmen, auch intern», sagte er heute zu Mitarbeitenden seines Betriebs, wie 20 Minuten weiss.

Matter stört sich aber vor allem daran, dass sich SRF-Angestellte in den Medien anonym zu einem bestimmten Thema äussern: «Eine eigene Meinung zu haben und dafür einzustehen [...] erfordert allerdings zuweilen etwas Mut. [...] Im aktuellen Fall ist es nichts anderes als verlogen, die Sorge um das Ansehen und die Glaubwürdigkeit von SRF vorzugeben – und genau dieses Ansehen, diese Glaubwürdigkeit sehr bewusst und aktiv zu beschädigen. Ich bedaure und verurteile solche Aktionen.»

(ysc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Baron1291 am 31.05.2017 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Z Promis..

    Erst doofe billig Werbungen machen und sich dann wundern wenn einem niemand mehr ernst nimmt.....

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  • MArtin am 31.05.2017 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Der Producer will nur ...

    Es geht nur um die Quote !

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  • Thoom am 31.05.2017 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehen wir mal

    Naja... sooo verkehrt ist das nun auch nicht. Frau Rigozzi kann man durchaus ernst nehmen. Das Problem ist nur, dass sie halt überall und auf allen Hochzeiten tanzt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zarick B am 01.06.2017 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die SF wird langsam zur RTL 

    Die Arena ist die letzte ernstzunehmende Sendung der SF, jetzt wollen sie das auch noch in leichte Unterhaltung verwandeln. Das Deutscheizer Fernsehen sollte sich eine Scheibe bei den Romands abschneiden und endlich wieder mal auf seriösen Journalismus setzen. Wir brauchen keine staatlich unterstützte RTL.

  • Kari am 01.06.2017 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts besonderes

    Schaut mal die Wetterfee in Mexico an. Ihr verklemmten Leute.

  • Ernesto am 01.06.2017 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    falsche Infos

    Nein, denn der grösste Wiederstand gegen Rigozzi kommt von Projer, denn Rigozzi wird gewinnen. machen wir ne Wette ?

  • Paul Stocker am 01.06.2017 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Stutenbissig

    Siehe da, was für sexistische Töne aus der Moralstube der politischen Korrektheit am Leutschenbach dringen wenn mal eine Ex-Miss ernst genommen werden soll. Einfach nur Stutenbissigkeit oder gar verdrängter Sexismus?

  • C. E. am 01.06.2017 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    ausprobieren

    Wenn's funktioniert, warum denn nicht? Lasst doch den Zuschauer entscheiden, was er kauft und was nicht.