Schlechtes Jahr

27. März 2012 11:21; Akt: 27.03.2012 18:54 Print

Beim SF schalten immer weniger ein

Die drei Fernsehkanäle des Schweizer Radio und Fernsehen sind erstmals unter 30 Prozent Marktanteil gerutscht. Hoffnung gibt SF1: Der erste SF-Sender konnte am Hauptabend sogar zulegen.

storybild

Der Marktanteil des Schweizer Fernsehens fiel 2011 erstmals unter 30 Prozent. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Langjährige Formate wie «Benissimo» sind beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) Auslaufmodelle. Stattdessen versucht SRF, mit Experimenten und Einzelsendungen neue Zuschauer zu gewinnen - so etwa mit einer Kleinkunst-Show und einer Backsendung.

«Wenn die Sendungen gut ankommen, werden sie weitergeführt. Wenn nicht, war es eine gute Erfahrung», fasst SRF-Unterhaltungschef Christoph Gebel das neue Konzept zusammen. Man habe nicht den Auftrag, Sendungen dreissig Jahre lang laufen zu lassen.

Intern hat SRF diese neue Haltung bereits umgesetzt: In der Unterhaltungsabteilung gibt es heute keinen Mitarbeiter und keine Mitarbeiterin mehr, die ausschliesslich für eine Sendung tätig ist. Alle arbeiten immer wieder an anderen Produktionen.

Was in den Büros des Leutschenbachs schon Realität ist, soll in diesem Jahr nun auch auf dem Bildschirm sichtbar werden: Das SRF will ausprobieren, was das Publikum wirklich will. Geplant sind Einzelsendungen und Staffeln mit nur wenigen Folgen.

«Guetzle» in der Weihnachtszeit

Ein Beispiel ist die achtteilige Kleinkunst-Sendung «Comedy aus dem Labor», die vom Magier und Kabarettisten Michel Gammenthaler moderiert wird. Sie versteht sich als Sprungbrett-Format für den Schweizer Humor-Nachwuchs.

Auch die Zuschauer können mitmachen, selbst wenn sie sich nicht auf die Bühne trauen. Gemäss Gebel können sie ihre Gags selber mit einer Kamera aufnehmen und auf die «Labor»-Website hochladen. In der Sendung werden die Filmchen dann ausgestrahlt.

Ein zweites Experiment ist die geplante Backsendung in der Weihnachtszeit. Während das SRF seit Jahren auf Kochsendungen setzt, künftig mit «Schwiizer Chuchi mit Ivo Adam», ist das «Guetzle» und Kuchenbacken als Hauptsendeinhalt neu.

Das noch namenlose Back-Format kann - wie auch das Comedy-Labor - günstig produziert werden und bleibt nur dann länger auf Sendung, wenn die Zuschauerzahlen stimmen.

Fernsehen findet nicht mehr nur am TV statt

Ein Versuchsballon, der bereits ausgestrahlt wird, ist die Sendereihe «wild@7» auf SFzwei, mit der das SRF neue Moderatoren finden und jüngere Zuschauer gewinnen will. Das Problem mit den Jungen: Für sie findet TV längst nicht mehr nur am TV statt.

An gewissen Tagen laufe die Sendung im Internet viel besser als am Fernseher, sagte Programmchef Hansruedi Schoch. Am klassischen TV- Gerät würden dann nur noch etwa 20 000 Personen einschalten.

Jene, die entweder die zeitverzögerte Nutzung beim Digital- Fernsehen nutzen oder die Sendung im Internet sehen, werden dabei nicht als Zuschauer erfasst - und werden damit auch nicht bei den Marktanteilen abgebildet.

Unter 30-Prozent-Marke gerutscht

Ab kommenden Jahr stellt die mit der Messung der Schweizer TV- Einschaltquoten beauftragte Mediapulse AG das Messsystem um. Von 2013 an werden auch die Internet-Zuschauer und die Nutzer der zeitverzögerten Sendungen erfasst. SRF hofft, dass die neue Messmethode einen positiven Einfluss auf den Marktanteil hat. Dieser ist im vergangenen Jahr unter die 30-Prozent-Marke gerutscht.

Im 2011 erreichten die SRF-Programme noch einen Ganztagesschnitt von 29,8 Prozent. Das sind 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr, wie aus der Programmbilanz des SRF hervorgeht, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Teilweise erklärt werden kann der Verlust damit, dass 2010 die Fussball-WM in Südafrika stattfand, was dem Fernsehen höhere Quoten beschwert hatte.

Positiver sieht die Bilanz des ersten SF-Senders aus. SF1 konnte die Marktanteile am Hauptabend um 0,5 Prozentpunkte steigern und erreichte 31 Prozent, das bedeutet, dass 31 Prozent aller Zuschauer, die gerade vor dem Fernseher sassen, SF1 eingeschaltet hatten.


Einen Teil des Verlustes begründet SRF damit, dass das Vorjahr mit der Fussball-WM in Südafrika ein Sportjahr war. Diese bescheren den SRF-Sendern für gewöhnlich gute Marktanteile.

(sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • alice.gurini am 29.03.2012 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Krimi

    Ja es fehlen halt so schöne Filme wie Sissi I:Ty ,Bergromane oder ein Engel auf Erden oder auch neue Fime !aber Nein !KRIMI KRIMI KRIMI schrecklich Alice

  • j.Grter am 29.03.2012 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    what?

    Wo sind die Simpsons geblieben...so was darf man doch nicht rauswerfen..

  • Meise Kohl am 28.03.2012 21:49 Report Diesen Beitrag melden

    Anfangszeit= erst noch 7 Min Werbung

    Programminhalte sind Geschmacksache. Wenn es aber hier Leute gibt, die sich Zustände wie bei den deutschen Privaten herbeiwünschen... Schlimm! Extrem nervend sind beim SRF die Werbezeiten: Keine Sendung, die zur Zeit anfängt, bis spät in die Nacht Werbung, Filme werden unterbrochen für Werbung, obwohl das TV zusätzlich zwangsfinanziert wird! Das verstehe ich nicht.

  • Fritz am 28.03.2012 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Chance für einen neuen Wirtschaftszweig

    Würde man die Zwangsgebühren für den Televisions-Empfang in der Schweiz abschaffen und den Markt liberalisieren hätte man sicherlich gute Chancen hier einen neuen Wirtschaftszweig zum boomen zu bringen. Aber so wie es zur Zeit läuft werden wohl eher die Kosten je länger je mehr aus dem Ruder laufen.

  • Adolf Leemann am 28.03.2012 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Schwermütigkeit im TV

    Kein Wunder bei dem Programm , welches geboten wird ! Nur belastende Beiträge , Schwermütigkeit wird in der sonst schon psychisch belastenen Bevölkerung emsig geschürt . Rezept dagegen : Mehr leichte Unterhaltung , weniger Billag Gebühren , politisch neutral werden und die politisch neutral informieren !