Miss-Schweiz-Wahl

16. August 2017 13:39; Akt: 16.08.2017 13:43 Print

«Man will Haut und literweise Tränen sehen»

von Yves Schott - 2018 wird endlich eine neue Miss Schweiz gewählt. Doch funktionieren solche Sendungen heute überhaupt noch? Ja, sagen Experten – unter Bedingungen.

Braucht es die Miss Schweiz noch? PR-Profi Ferris Bühler analysiert.
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Bald ist Lauriane Sallin ihre Krone los. Anfang 2018 wird sie nach zweieinhalb Jahren als Schönheitskönigin abgelöst, der Privatsender 3+ überträgt die Show live. Zuletzt fungierte die Miss Schweiz als karitative Botschafterin mit Herz. Aber mit mässigem Erfolg.

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Damit soll nun Schluss sein. «Weder Drama noch Glamour und Sexiness werden fehlen», sagt 3+-Chef Dominik Kaiser. Klingt gut. Aber reicht das auch, um die angestaubte Marke Miss Schweiz wieder auf Vordermann zu bringen?

«Die Marke Miss Schweiz hat gelitten»

PR-Profi Ferris Bühler steht dem Format grundsätzlich positiv gegenüber: «Die Existenzberechtigung für eine Miss Schweiz ist gegeben, da einerseits das Publikums- und Medieninteresse an Casting-Formaten nach wie vor ungebrochen ist und andererseits die Schweizer Öffentlichkeit nach neuen, spannenden und polarisierenden Persönlichkeiten schreit.»

Etwas zurückhaltender gibt sich Medienexperte Christian Wild: «Die Marke Miss Schweiz hat gelitten», wendet er ein. Doch 3+ habe «Erfahrungen mit grösseren Reality-Produktionen» wie etwa «Der Bachelor» oder «Bauer, ledig, sucht ...». Das sei Voraussetzung für eine erfolgreiche Sendung.

«Die Wahl muss in erster Linie unterhalten»

Insbesondere die drei geplanten Casting-Folgen im Vorfeld der Wahl bewertet Wild positiv. So habe der Zuschauer die Möglichkeit, sich mit den Kandidatinnen auseinanderzusetzen. «Bisher war die Wahlnacht eine zu kurze Zeit, um die Kandidatinnen besser kennen zu lernen.»

Der Weg zur schönsten Schweizerin, präsentiert als eine Art Reality-Soap? Eine gute Idee, findet Bühler: «Die Miss-Schweiz-Wahl muss in erster Linie unterhalten und sich vom bisherigen Gutmensch- und Charity-Image wegbewegen.» Die Ansprüche des TV-Publikums seien schliesslich klar. «Man will wenig bedeckte Haut sehen, auf 25 Zentimeter hohen High Heels stolpernde Girls und dazu literweise Tränen.»

TV-Gewohnheiten haben sich geändert

Nur so könne die Sendung funktionieren, stimmt Medienexperte Wild zu. Schliesslich hätten sich die Fernsehgewohnheiten der Zuschauer in den letzten Jahren stark verändert. «Die Schweizer Bevölkerung setzt mehr auf Online-Kanäle und die Replay-Funktion.»

Die 20-Minuten-Leser stehen dem Konzept indes sehr skeptisch gegenüber: Über 80 Prozent sind in einer Umfrage der Meinung, dass die Schönheitswahl in die Mottenkiste gehört. Ein Leser kritisiert: «Die Missen aus früheren Jahren kannte man noch. Die aus den letzten 5 bis 8 Jahren sind mir völlig unbekannt.»

Trans-Kandidatinnen nur ein PR-Gag?

Auch die Tatsache, dass sich Trans-Frauen bewerben durften, stösst auf Kritik: «Es kommt mir vor, als ob man krampfhaft versucht, Formate wie ‹Germany's Next Topmodel› zu kopieren. Kaum machen da Transgender-Personen mit, muss die Schweiz mitziehen. Ich habe nichts gegen Transgender, aber eine Miss Schweiz soll keine Miss-Unisex-Wahl werden. Wieso stellen die LGBT-Organisationen nicht selber eine Wahl auf die Beine?», schreibt eine Leserin namens Frau Meier.

Ferris Bühler hingegen gefällt die Idee einer möglichen Trans-Miss: «Bereits in anderen Castingshows wie beispielsweise ‹GNTM› hat sich gezeigt, dass solche Kandidaten viel Gesprächsstoff und spannende Geschichten hergeben.»

Dass es dabei primär um PR gehen könnte, schliesst Bühler nicht aus. Er sagt aber: «Ob es die Organisation wirklich ernst meint, kann sie dann im Finale beweisen, wenn sie einer Transgender-Kandidatin auch effektiv die Krone der Miss Schweiz aufsetzen würde.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Coske1986 am 16.08.2017 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Augen zu und durch..

    Also wenn ich ganz ehrlich bin, ich will DAS GANZE gar nicht sehen.

  • Amadies am 16.08.2017 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so ein Unsinn

    Ich brauch das nicht und die Schweiz hat andere Probleme...

  • Spectre121 am 16.08.2017 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Man will es gar nicht sehen. Danke

Die neusten Leser-Kommentare

  • Spectre121 am 16.08.2017 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Man will es gar nicht sehen. Danke

  • Strawberry am 16.08.2017 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!

    Die Schweiz sollte sich mal in solchen Themen wie "innere Schönheit", "Intelligenz der Frau", "Laufsteg" etc. weiterentwickeln! Im Schönheitswettbewerb "Miss Universe" ist die Schweiz noch nie weit gekommen. Die Organisation "Miss Schweiz" sollte den jungen Frauen die Chance geben in die Welt der Models einsteigen zu können und ihren Traum zu verwirklichen. Auch die Personen, die in der Organisation (Miss Schweiz) arbeiten, haben die Möglichkeit sich zu verbessern.

  • Blubberblubb am 16.08.2017 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Idee!

    Nackte Haut! Darauf ist vorher noch nie jemand gekommen! Wie innovativ! Dann könnte es ja Punkte geben für den schönsten Busenblitzer. Und wer am billigsten aussieht, gewinnt die Krone! Intelligenz wird schliesslich generell überbewertet. Naiv und billig, so sollen wir Frauen sein. Das hilft der Menschheit weiter!

  • Persusson am 16.08.2017 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Interesse.

    Kein Wunder schaue ich kein TV. Solche Sendungen würden mich viel eher interessieren, wenn genau das Gegenteil der Fall wäre (bezüglich Aussage Tränen und Haut). Meines Erachtens dürfte es geschmackvoller und humaner sein.

  • Ricola am 16.08.2017 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Eben nicht

    Nein man will eben weder Haut noch literweise Tränen sehen bei einer Miss Schweiz Wahl. Nur die Gewinnerin hat bei der Verkündung zu weinen. Der Rest hat trocken zu bleiben. In Casting Shows hingegen sind Tränen und Haut genau das angesagte Thema. Und deshalb ist die Miss Schweiz Wahl inzwischen auch keine Miss Schweiz Wahl mehr.