Stimmen zum «Tatort»

17. September 2017 22:14; Akt: 18.09.2017 09:08 Print

«Schweizer sind halt eher konservativ»

Der neuste Luzerner «Tatort» thematisierte ein Tabu-Thema: Den sogenannten Schienensuizid. Zuschauer und Kritiker sind nach der Ausstrahlung geteilter Meinung.

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Der zwölfte Einsatz der Luzerner «Tatort»-Kommissare Reto Flückiger und Liz Ritschard gab schon im Vorfeld zu reden. Im Zentrum der Geschichte von «Zwei Leben» stand am Sonntagabend ein Buschauffeur und Ex-Lokführer, der als Fahrer bereits mehrere Suizidfälle erleben musste, im Zugverkehr Schienensuizide genannt.

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Bei den SBB, auf deren Streckennetz sich pro Jahr im Schnitt deutlich über 100 solcher Fälle ereignen, zeigte man sich von der Themenwahl vorab wenig erfreut. «Für die SBB sind Suizidprävention und äusserste Zurückhaltung zum Thema ein wichtiges Anliegen», so ein Sprecher der Bundesbahnen im «Blick». Wie der Fall rund um die posttraumatische Belastunggstörung des Chauffeurs nun aufgearbeitet wurde, kommt sehr unterschiedlich an.

«Nicht immer ganz plausibel»

Welt.de findet, dass der Berner Michael Neuenschwander (55) den traumatisierten Chauffeur mit «introvertierter Explosivität» spielt. Aus dieser Performance und der Anlage der Geschichte hätte sogar «ein ziemlich grossartiges Ding» werden können, doch das Potenzial sei nicht mutig genug ausgeschöpft worden: «Schweizer sind halt – will es das Klischee und die Erfahrung der bisherigen Luzerner Ermittlungen – eher konservativ.»

Spiegel.de gibt dem neusten Schweizer «Tatort» 7 von 10 möglichen Punkten. Zwar sei die Folge «streckenweise klobig konstruiert, jeder ist hier mit jedem verbandelt» und daher «nicht immer ganz plausibel». Aber: «Als Krimidrama darüber, wie die Toten die Lebenden im Griff haben, entwickelt dieser ‹Tatort› einen zombiesken Sog.»

Die «Süddeutsche Zeitung» geht zwar hart, aber durchaus wohlwollend ins Gericht: «Ein unspektakulärer, gemessen am sonstigen Œuvre aus Luzern aber sehr solider Krimi», lautet dort die Schlussfolgerung.

Die Zuschauer sind geteilter Meinung

Noch deutlicher wird der «Tages-Anzeiger». Dort ist von einem «Sprung ins Verderben» die Rede. Und: «Der Schweizer ‹Tatort› erreicht mit der Folge einen Tiefpunkt.» Ein positives Fazit zieht hingegen die «Neue Zürcher Zeitung». Diese Schweizer «Tatort»-Folge sei «bemerkenswert». «Keine Spur also von der Behäbigkeit so mancher Fälle aus der Schweiz», heisst es da unter dem Titel «Unwahrscheinlich, aber gut».

Die «Tatort»-Zuschauer äussern sich in ihren Einschätzungen in den Sozialen Medien sehr unterschiedlich. Einige loben die Wahl des Themas.


Andere werden mit der Story aber nicht warm. #Langeweile.



In Deutschland machen viele «Tatort»-Fans vor allem ihrem Ärger über die schlechte Synchronisierung Luft.



CVP-Präsident Gerhard Pfister stellt schliesslich die Qualitätsdiskussion um den Schweizer «Tatort» kurzerhand in einen politischen Kontext.


(fim)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • K.B. am 18.09.2017 05:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus dem Leben

    Sehr spannender Tatort. Ich kann die negativen Stimmen nicht verstehen.

  • William am 18.09.2017 05:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Note 5,8

    Ich sage zu diesem Tatort: Der beste Tatort, den die SRG jemals ausgestrahlt hatte. Die Handlung war in sich schlüssig, wenn auch ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Aber auch das reale Leben ist oder erscheint manchmal an den Haaren beigezogen. Absolut denkbar und damit realistisch. Und gut aufgearbeitet von Schauspielern, Team und Regie, Kompliment.

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  • Michi am 18.09.2017 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Ich fand ihn gut. Auf jeden Fall viel besser als die meisten deutschen Tatort!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fraz am 18.09.2017 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Ordnung

    Wenigstens waren die Polizisten nicht problembehaftet, steckten nicht in Beziehungskrisen oder familiären Problemen, waren nicht besoffen oder psychisch angeschlagen wie es in so vielen Deutschen Krimis der Fall ist. Oft unerträglich. Mir hat der Schweizer Tatort recht gut gefallen, er reiht sich unspektakulär ins Mittelmass ein. Immerhin.

  • louise am 18.09.2017 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    ..nicht sexy..

    ..weshalb müssen ein Kommissar und Kommissarin so ungepflegt aussehen. War mit Götz George schon so. Ungepflegt, mürrisch und eher langweilig. So kommt es auf mich rüber.

  • joggelibume am 18.09.2017 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    ..reine subjektive Sichtweise...

    ..irgendwie, ich weiss auch nicht weshalb, finde ich die Schauspieler langweilig. Obwohl das Thema durchaus spannend ist. Vielleicht liegt's am Dialekt oder Gestik, Mimik, kann es mir nicht erklären. Und beim Chef der beiden, denke mal er ist schon lange pensioniert und hat es vermutlich noch nicht bemerkt, bin ich mir nicht sicher, ob er weiss um was es geht.

  • Flipperzh am 18.09.2017 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfolg in Deutschland

    In Deutschland sahen 8,46 Millionen den CH Tatort. Marktanteil 25 % Gratuliere!

  • barbara am 18.09.2017 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele Klischees

    War es nötig, jedes Klischee zu bedienen (Tsunami-Verschollener, lesbische Kommissarin, asia-Food mit Stäbchen etc)? Das Thema Schienensuizid, das bei den SBB-Durchsagen jeweils "Personenunfall" heisst, hätte auch ohne solch unnötiges Beigemüse genügend Brisanz. Aber vermutlich wollen Menschen, die sich im Feierabendverkehr vor den Zug werfen, wenigstens einmal im Leben von ihren Mitmenschen bemerkt werden.

    • Dummchen am 18.09.2017 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @barbara

      seit wann sind Tsunami-Verschollene, Asia-Food mit Stäbchen essen, lesbische Kommissarinnen Klischees? Ich denke, Du hast keine Ahnung was ein Klischee ist, oder?

    • Dauerthema am 18.09.2017 17:32 Report Diesen Beitrag melden

      @barbara

      Die Kommissarin war vorher schon lesbisch. Das ändert sich ja nicht je nach Thema. Und ich esse chinesisches Essen auch mit Stäbchen...

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