«Love Island»

11. September 2017 16:24; Akt: 11.09.2017 16:24 Print

Willkommen im Balzhaus der Super-Singles

von Bettina Bendiner - Heute zeigt RTL 2 die erste Folge von «Love Island». Und wieder flöten Singles, dass sie die Liebe ihres Lebens finden wollen.

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Das ist die Love-Island Klasse 2017: Fröhlich zusammengephotoshoppt fürs Promo-Bild. Ob die Körpergrössen massstabgetreu wiedergegeben worden sind? Egal. Die Leute von links nach rechts: Sabrina, Mike, Stephanie, Jan, Linda, Julian, Elena, André, Chethrin, Silvain, Annika. Im Folgenden lernen Sie die «liebeshungrigen Singles» im Detail kennen. Wir hören schon die Mägen knurren. Voilà. Das ist Silvain (23), selbstständiger Finanzmanager. Ob er nur seine oder auch die Finanzen von anderen Menschen managt, bleibt unklar. Was wir sonst noch über ihn erfahren. Er ist ein «Sunnyboy»: «Ich bin immer am Lächeln und am Strahlen und schlechte Laune gibt es bei mir eigentlich nicht.» (Frage in die Runde: Wer ist schon genervt von soviel guter Laune?) Ah, seine Freunde sagen, er sei der «Liebeskasper» (Jetzt? Genervt?) Worauf er steht? Frauen wie Megan Fox. Was er blöd findet: «Ich mag es nicht, wenn Frauen reden, als wären sie Hip-Hopper.» Dabei könnte er das doch einfach weglächeln, gut gelaunt wie er ja immer ist. Begrüssen wir nun Sabrina. Sie ist 25 und Model/Kellnerin aus Mannheim. Sie sei sehr stilbewusst und mag gedeckte Farben. Ein offenes Buch, die Frau. «Ich bin bekannt, dass ich mich zurückhalte.» Sie steht nicht auf Bodybuilder (könnte drum auch schwierig werden auf Love Island). Und sie möchte nett angesprochen werden. Sie heisst Elena und kommt aus Zürich (ja, Zürich, Schweiz!). Die 25-Jährige verdreht laut RTL 2 «vielen Männern den Kopf», sei total lebenslustig und für jeden Spass zu haben. Witzig, die Elena. Nur wenn ihr was nicht passt, sieht sie Metallic-Rot: «Bei meinem Temperament und meinen spanischen Wurzeln kann da auch gerne mal ein Teller an die Wand fliegen.» Bei Silvain (Bild 2) hätte sie Chancen, solange sie nicht rappt, ist ein möglichweise charmanter (Schweizer) Akzent voll ok. Sabrina (Bild 3) muss nun tief durchatmen. Mike (25), Schichtleiter am Flughafen, hat vielleicht ein paar Muskeln mehr als der Durchschnittsmann. Dazu sagt er noch über sich: «Ich bin ehrgeizig, ein Alphatier und lustig.» Beim lustig setzen wir ein Fragezeichen. Leute, die das über sich selbst sagen, sind es ja eher selten. Witzig ist der «Bro-Codex», nach dem er lebt. Im echten Leben würde er nie einem Freund die Frau ausspannen. Auf der Insel schon. Übrigens mag er seine Haare am liebsten: «Die liegen eigentlich immer optimal.» Ghettofaust drauf. Dieser Mann mit Flamingos und Wassermelonen auf der Hose (Hauptsache pink) heisst André. Kommt Ihnen bekannt vor? Genau, der wollte schon unsere Bachelorette Zaklina von seinen Liebhaberqualitäten überzeugen. Laut RTL 2 beglückt der 29-Jährige täglich rund 100 Frauen. Als Stripper, Sie Schelm! Animateur ist er auch. Drum ist er auch «crazy, lebensfroh und einzigartig». Irgendwo ist dann aber doch nicht alles rosarot: Er ist seit fünf Jahren Single. Vielleicht liegts an seiner Ansprech-Philosophie: «Es ist nicht wichtig, das beste Aussehen zu haben, viel wichtiger ist es, dass man Eier in der Hose hat.» Danke dafür. Annika (27, Marketingmanagerin/Model, die Slash-Biografien sind wieder total im Kommen) wirke auf den ersten Blick zurückhaltend, gar bodenständig. Aber Achtung, sie könne auch anders. Sie sei total ehrlich und direkt. Deshalb sagt sie auch frei raus: «Glattrasiert ist gar nicht meins. Ich mag blaue Augen, muss aber auch nicht sein.» Kommen wir also zu Stephanie. Die 23-jährige Krankenschwester ist «eine echte Powerfrau, die weiss, was sie will». Bei ihr sitzt der Teufel im Detail. Ein Date habe sie abgebrochen, weil der Typ die falschen Schuhe anhatte. Und wer die falschen Schuhe trägt, ist generell falsch. Zum Glück hat sie auch eine helfende Seite. «Egal, was ist, die Jungs und Mädels können immer zu mir kommen, ich bin dann die Krankenschwester der Villa.» Vielleicht treibe sie den Bluthochdruck der Männer auch in die Höhe. Und gegen diese Maladie ist kein Kraut gewachsen. Chethrin ist 25 und Buchhalterin (tät noch gut zum Finanzmanager von Bild 2 passen). «Sie ist aufgedreht, lustig und blond.» Blond wird bei ihr zur Charaktereigenschaft. Sie ist mega ehrlich: «Wenn eine fragt, ob sie gerade blöd aussieht, dann würde ich sie natürlich nicht beleidigen, aber was raus muss, das sag ich dann auch.» Geizige Männer, ungepflegte Hände und ungepflegte Zähne turnen sie ab. Seine Zähne sehen wir nicht, seine Hände auch nicht. Hat Julian gar etwas zu verstecken? Der 24-jährige Lehramtsstudent (seine Schüler werden ihn nach diesem Auftritt sicher noch total ernst nehmen) achtet aber sehr auf sein Äusseres. Er ist einfach ein «bodenständiger und ehrlicher Typ». Und weil er ehrlich ist, sagt er nur die Wahrheit. Auch über sein Leben: «Ich habe bei der ‹Bachelorette› mitgemacht. Aber das war nicht wirklich meins.» Deshalb probiert ers jetzt bei «Love Island». Eine logische und gute Entscheidung. Vielleicht findet Linda ja den Julian gut. Sie ist 23 und verdient ihr Geld als Kellnerin. Sie beschreibt sich (zusammengefasst) so: Sie sei eine «Prinzessin», die bekommt, was sie will, dazu «halt auch eine kleine Zicke» und sie war Miss Düsseldorf und Vize-Miss-NRW. Ah, sie mag lieber Machos. Südländische gerne, die sie zum Lachen bringen. Hm, der Jan sieht jetzt nicht sooooo südländisch aus. Er werde häufig als «Player oder Bad Boy» eingeschätzt. Dabei sieht er sich doch selbst überhaupt nicht so! Der 28-jährige Barkeeper ist aber total tiefsinnig. Er führt gern «tiefgründige Gespräche abseits des üblichen Smalltalk-Bullshit». Sein Frauentyp ist «brünett und süss, ein bisschen sportlich und ziemlich witzig.» Wichtig: Bei ihm ist der Po wichtiger als die Brust. Gut, haben wir das gleich geklärt.

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Das mit dem sich Verlieben ist ja so eine Sache. Ein paar Leute gabeln ihren Schatz beim Arbeiten auf, andere nutzen Apps oder Online-Dienste. Und eine kleine Gruppe total «liebeshungriger Singles» heuert beim Fernsehen an.

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Dating-Shows gibt es zuhauf. Total real natürlich. Im Jahr 2017 hockt sich keiner mehr hinter eine «Herzblatt»-Wand und lässt sich von Susi die Vorzüge des potenziellen Partners auf der anderen Seite anpreisen. Rückblickend wirkt «Herzblatt» (lief von 1987 bis 2005) liebevoll naiv.

«Suche nach der grossen Liebe»

Was da aktuell so im TV herumbalzt, hat mit der zahmen Beschnüffelung von einst ähnlich viel zu tun wie Reality-TV mit wahrer Liebe. Bei «Love Island» geht es in allen möglichen Varianten tatsächlich um die Wurst. Heute Abend zeigt RTL2 die erste Folge dieses sozial- und tiefenpsychologisch anspruchsvollen Menschenexperiments.

Das wird so angepriesen: «Sexy Singles, eine luxuriöse Villa auf einer paradiesischen Insel und die Suche nach der grossen Liebe». Auch nach einer Million «Bachelorette»- und «Bachelor»-Folgen, «Naked Attraction» und allerhand anderer televisionierter Balz-Choreographien lockt diese Mär noch immer Hunderttausende aus der Reserve.

Denn nicht einmal RTL 2 würde auf den Zug aufspringen, wäre die Show im britischen Bruthaus der Trash-TV-Liebeskonzepte nicht ziemlich erfolgreich. Der Privatsender ITV hat gerade erfolgreich die dritte Staffel gesendet, Spin-offs sind in der Planung. Und weil das in England so gut gefluppt hat (wie unlängst in der Presse zu lesen war, hatte ein Paar zwölfmal Sex während der Dreharbeiten. «Sender schockiert» hiess es da), holen die Kollegen aus Übersee ihre Variante namens «Temptation Island» aus dem Kühlschrank.

Im Haus gibt es nur Doppelbetten

Der deutsche Privatsender kauft hier also nicht die Katze im Sack, sondern inszeniert ein erfolgsverwöhntes TV-Konzept. Die Mechanismen, die da wirken werden, sind so alt wie die Menschheit. Werfen wir einen Blick auf die Ausgangslage des Experiments: 11 Singles (6 Frauen, 5 Männer) checken in die «luxuriöse Villa» ein (in der englischen Version stand die auf mallorquinischem Boden. Casa Amor und so).

Nach einem ersten Eindruck müssen sie sich paaren (Neudeutsch: «couplen»). Weil 11 Menschen einfach nicht durch zwei teilbar sind, bleibt eine Frau allein. Wer zu lange allein bleibt, fliegt raus. Natürlich gibts im Haus nur Doppelbetten. Damit man sich gleich supergut kennen lernt.

Das tun Super-Singles im Schlaf. Während der Folgewochen können sich die Paare «re-couplen» (heisst: sie können sich gegenseitig die Partner ausspannen). Und schon läuft die Sause: Eifersucht, Drama, Tränen, Herzschmerz im Konzentrat. Schmalzig und süss wie Kondensmilch aus der Tube.

Der Gewinner erhält 50'000 Euro

Die Macher können jederzeit neue Verführungen auf die Insel schicken. Das geht dann eine Weile so und zum Schluss wird per Voting das beste Paar gewählt. Das gewinnt 50'000 Euro. Was solche Arrangements ja faszinierend macht: Die Kandidatinnen und Kandidaten kreieren mithilfe geschickter Fernsehmacher eine Pseudorealität, an die zumindest manche tatsächlich glauben.

Es entsteht eine Pseudogesellschaft mit eigenen Regeln, die gruppendynamische Prozesse durchs beengte Arrangement beschleunigt und durch die Auswahl traditionell eher extrovertierter Protagonisten zusätzlich verschärft. Dann Kamera draufhalten und abwarten. In so einer Versuchsanlage läuft das fast von allein.

Wer bei sowas mitmacht, lesen Sie in der Bildstrecke.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zaffke am 11.09.2017 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Oh nein

    Zum Glück gibt es die Fernbedienung zum Sender wechseln!

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  • Guguus am 11.09.2017 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WOW GEIL!!!

    Eine neue Horrorserie! Ich liiiiiiebe Horrorstreifen und das Titelbild sieht ja schon mal extrem gruselig aus... also mir jagte sogleich eine Gänsehaut über meinen Rücken... wääähh, wirklich genial!

  • Mr. Right am 11.09.2017 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewusst

    Ihr wisst schon dass bei diesen Shows IMMER bewusst Schweizer und Österreicher integriert werden, damit die Zuschauerzahl ergo Werbeeinnahmen steigen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andreas Honegger am 12.09.2017 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn ich die Bilder so sehe...

    Wie bitte, die suche die Liebe des Lebens? Wohl kaum. So wie die auftreten suchen sie eher den Sex des Abends.

  • André am 12.09.2017 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Mediengeilheit

    Eigentlich komisch, dass man sich noch nicht getraut die Sache so zu vermarkten wie es ist. Geht doch nur um Mediengeilheit und wie man in anderen Ländern sieht klappt das dort auch und hier im kleinen Rahmen auch. Die Medien sind doch voll von solchen Menschen und das würde nicht klappen wenn es niemand schaut. Schlimm ist eigentlich daran vor allem, weil junge und manch mündige Menschen denken, dass sowas die Normalität sei.

  • Viktor Winter am 12.09.2017 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    anonym balzen ist besser

    Ich balze auch gerne und viel. Aber am Fernsehen wäre mir das zu anstrengend und am Schluss landet man doch nicht da, wo man möchte. Das wäre mir zu frustrierend, deshalb lieber anonym.

  • Pasquale am 12.09.2017 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und weiter geht's mit dem Schmarren

    Ein Barkeeper als badboy?!))) was weiss nicht ob man lachen oder weinen soll.

  • c. glaset am 12.09.2017 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Alle schauens

    Schrott Bullshi.. usw. aber alle schauens!!! Im Endeffekt zeigt so was nur, wie unsere Gesellschaft aussieht: Party, Sex Drugs & Rock'n Roll und dann meinen alle, das sei das Leben. Glückwunsch

    • vane am 12.09.2017 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @c. glaset

      dass es genügend leute schauen sieht man ja, sonst würde nicht andauernd so seich im tv kommen. ich frage mich wer das schaut, vorallem frage ich mich wo sie diese leute finden die dort mitmachen. für kein geld der welt würde ich sowas tun

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