Trash-TV

01. Februar 2018 05:45; Akt: 01.02.2018 05:45 Print

«Schweizer sind harmoniebedürftiger»

In Deutschland laufen Realityshows in denkwürdigen Formaten mit Erfolg, etwa die Extremvariante «Get the F*ck out of my House». Schweizer TV-Macher verzichten.

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In diesem 116 Quadratmeter grossen (für 100 Kandidaten eher kleinen) Einfamilienhaus lebten die Teilnehmer der Prosieben-Show «Get the F*ck out of my House». Vier Wochen lang mussten sie es mit 99 anderen Bewohnern in dieser idyllischen Immobilie aushalten. 13 haben es bis ins Finale geschafft, bei dem es um einen Gewinn von 100'000 Euro geht. Dass es aber verdammt ekelig werden kann, verriet ... ... die früh ausgeschiedene Ex-Kandidatin Sunny Woodpecker (29) gegenüber der Zeitung «Bild». Die Düsseldorferin gehörte zu den rund 100 Teilnehmenden, ist nach der ersten Folge aber bereits wieder zu Hause. Im Interview mit der Zeitung packte sie nun über die Zustände im Haus aus. Beim TV-Experiment gibt es nämlich für die Kandidaten . Für einen Bewohner scheint das aber kein Problem zu sein, denn er wusste sich auch anders zu helfen, wie Sunny erzählt. «Das waren alles solche Ferkel. Einer hat sogar auf den Boden gekackt. Das war echt nicht normal», verriet die Düsseldorferin. Klar, dass sich manche Bewohner beim beissenden Geruch und der in den Toiletten nicht wohlfühlen: «Die Mädels waren fast schlimmer als die Männer. Es hat bei uns mehr gestunken als bei den Männern», so die 29-Jährige zu «Bild». Der Geruch dürfte aber ein generelles Problem im Haus darstellen: «Man muss sich einen Puma-Käfig mit 20 Pumas vorstellen, die drei Wochen kein Wasser gesehen haben. Unser Lichtblick war ... ... der Besuch der Moderatoren. Die haben so gut gerochen», verriet Sunny Woodpecker weiter. Moderator Thore Schölermann – hier mit seiner Kollegin Jana Julie Kilka – wäre aber eher am fehlenden Rückzugsraum im Haus gescheitert, wie er gegenüber Prosieben verriet. Ein . Woodpecker: «Viele Mädels haben sich nur geschminkt, und die Jungs haben sich Spiele gebastelt oder irgendwelche Krümel gezählt. Es wurde der Dreck auf dem Boden in eine Reihe gelegt und damit gespielt.» Doch vor allem die Raucher wurden im Haus ... ... beziehungsweise auf der kleinen, neun Quadratmeter grossen Terrasse, die ihnen zur Verfügung steht, kreativ: «Sie haben überlegt, die Pflanzen zu rauchen, weil es keine Zigaretten mehr gab.» Und wer einen kennt, weiss, dass bei einem ... ... kalten Entzug die Emotionen schnell hochkochen können. «Viele Streite wurden gar nicht gezeigt. Es war definitiv viel schlimmer. Das ist echt Big Brother extrem», sagt die Ex-Kandidatin. Die Erlebnisse bei «Get the F*ck out of my House» haben sie aber nicht wirklich abgeschreckt: «Ich würde es immer wieder machen.» Eine zweite Staffel kommt bestimmt, wagen wir mal zu sagen. «Das Format ist uns zu trashig. Wir konzentrieren uns bei 3+ auf Schweizer Adaptionen der erfolgreichsten Formate wie ‹Der Bachelor›, ‹Die Bachelorette› oder ‹Bauer, ledig, sucht ...›», erklärt 3+-Chef Dominik Kaiser. Der Grund? «Die Schweizer mögen lieber Doku-Soaps als Trash-Formate wie ‹Big Brother›. Wir sind weniger direkt und harmoniebedürftiger.» ... «Voyeurismus ist ein Urinstinkt des Menschen», so die Erklärung von Medienpsychologe Jo Gröbel.

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116 Quadratmeter Wohnfläche, zwei Toiletten und ein Handtuch – damit mussten die 100 Kandidaten der Show «Get the F*ck out of my House», die heute Abend zu Ende geht, vier Wochen lang klarkommen. Gefilmt werden die Bewohner dabei von Dutzenden Kameras. Wer am Ende noch im Haus wohnt, gewinnt 100'000 Euro. So das Kurzkonzept der neuen Reality-Trash-Show, die aktuell auf Prosieben läuft.

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Nach «Big Brother», «Promi Big Brother» oder «Newtopia» ist «Get the F*ck out of my House» die x-te Adaption einer «Wir sperren dich ein und filmen dich dabei»-Sendung. Es stellt sich die Frage: Warum funktioniert das Konzept seit Jahren immer noch? «Voyeurismus ist ein Urinstinkt des Menschen», so die simple Erklärung von Medienpsychologe Jo Gröbel.

«Gladiatorenspiele wird es nicht geben»

Dass die Shows immer extremer werden, ist für den Experten eine logische Entwicklung. «‹Big Brother› ist längst kein Aufreger mehr und lockt niemanden hinter dem Ofen hervor. Vielleicht sind wir alle schon so abgebrüht, dass wir nicht mehr merken, dass diese Sendungen schon ein ziemlicher Hammer sind.» Dass Realityshows aber noch krasser werden, glaubt Gröbel nicht: «Gladiatorenspiele wird es zum Glück nie am TV geben.» Der Schweizer Markt sei dafür juristisch zu gut geregelt.

Die Schweiz wagte im Jahr 2000 und 2001 einen Ausflug ins Big-Brother-Land und stellte einen Container nach Glattfelden. Der Privatsender TV3 stellte die Show aber nach der zweiten Staffel ein – seither wagte sich kein Schweizer Sender mehr an ein solches Reality-Format. Da stellt sich die Frage: Warum bloss?

Format für 3+ «zu trashig»

Der Schweizer Sender, der ein «Get the F*ck out of my House»-ähnliches Format am ehesten ins Programm aufnehmen könnte, ist 3+. Doch Senderchef Dominik Kaiser winkt ab. «Das Format ist uns zu trashig. Wir konzentrieren uns bei 3+ auf Schweizer Adaptionen der erfolgreichsten Formate wie ‹Der Bachelor›, ‹Die Bachelorette› oder ‹Bauer, ledig, sucht ...›», erklärt der 3+-Boss.

Das Argument für den Verzicht ist laut Kaiser in der Schweizer Mentalität zu suchen. «Die Schweizer mögen lieber Doku-Soaps als Trash-Formate wie ‹Big Brother›. Wir sind weniger direkt und harmoniebedürftiger», analysiert Dominik Kaiser. Zudem seien die Schweizer Adaptionen «herzlicher, charmanter, liebevoller und mit Humor produziert».

(lme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Innerschweizer am 01.02.2018 06:17 Report Diesen Beitrag melden

    Harmoniebedürftiger?

    Wohl eher niveauvoller und weniger erpicht darauf, Hartz-4/Assi-TV zu schauen... Ich mein, ich schau mir auch mal was Seichtes wie GZSZ für den Zeitvertrieb an, aber was da sonst alles auf deutschen Kanälen gesendet wird, ist vom Niveau her wirklich unterste Schublade. Kein Wunder, schaut fast niemand mehr Fernsehen (ausser eben die angesprochenen Hartz 4'ler und Assis).

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  • G.V. am 01.02.2018 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Privatsender

    Das sind alles Fernsehsender, die auf irgendeine Weiss eine gewisse Quote erreichen müssen, um zu überleben. Sie sind auf solche Skandalsendungen angewiesen, um nicht pleite zu gehen.

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  • nick b. am 01.02.2018 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fakt

    diese Sendungen basieren alle auf ein Drehbuch, alles einstudiert und nicht authentisch. das ist Fakt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • liop am 02.02.2018 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    ohne TV

    ICH habe keinen Fern. Und mir geht es super

  • A.J. am 01.02.2018 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    IBES vs Bachelor

    Ich halte IBES definitiv für niveauvoller als den Bachelor. Allerdings muss man dazu auch die teilweise recht subtilen Anspielungen der Moderatoren kapieren, die sich ja doch recht oft auf die deutsche Medienlandschaft beziehen.

  • Herr Max Bünzlig Live vom Ochsen am 01.02.2018 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    wenn der Koch die Teller wirft, ist es hier fertig mit Harmonie

  • Dr Besserwisser am 01.02.2018 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    RTL lässt grüssen

    Wäre doch etwas für SRF, typisches RTL-Niveau. Sendungen wie das grösste Schweizer-Talent etc. gehören nämlich genau so zum Geldverschwenden wie fast alles was auf SRF läuft!

    • mecki am 01.02.2018 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dr Besserwisser

      Sie haben aber eine Ahnung, momoll, voll den Durchblick. Falscher geht einfach nicht mehr.

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  • No-TV! am 01.02.2018 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Danke für den Lacher

    Weil "Big Brother" zu trashig ist bringen sie lieber "The Bachelor"? Aha....