Joiz TV

02. Juni 2010 17:44; Akt: 02.06.2010 17:47 Print

Die Jugend kriegt einen neuen Sender

von Thom Nagy - 2011 soll mit dem Schweizer TV-Sender Joiz «die neue Medienheimat der Jugend» auf Sendung gehen. Ein Gespräch mit CEO Alexander Mazzara.

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20 Minuten Online: In der Medienbranche herrscht zurzeit alles andere, als Goldgräberstimmung. Was hat euch an der Ungewissheit des Unternehmertums in diesem Bereich gereizt?
Alexander Mazzara: Die Mediennutzung verändert sich zurzeit vor allem bei jungen Erwachsenen radikal. Das bringt für viele Medien Probleme mit sich, bietet aber auch neue Chancen. Gerade im Fernsehbereich tut sich eine grosse Schere auf: Auf der einen Seite gibt es etablierte Sender, wie das Schweizer Fernsehen, die ein eher altes Publikum bedienen. Das Durchschnittsalter der SF-Zuschauer geht ja gegen 60. Deren Geschmack muss man als Programmmacher abdecken. Wer aber mit Schweizer Jugendlichen spricht, hört immer dasselbe: Für ein junges Publikum zwischen 15 und 29 gibt es kein Programm. Dieses Bedürfnis wollen wir als Ergänzung zu SF abdecken und sehen dies als Chance für ein neues Programm, das die neuen Medien auf sinnvolle Art und Weise einbindet.

Mit welchen Inhalten wollt ihr diese junge Zielgruppe ansprechen?
Genaue Details kommunizieren wir im Moment noch nicht.  Das Programm wird sich aber schwerpunktmässig auf die vier Themengebiete Musik, Gesellschaft, Lifestyle und Videogames konzentrieren. Dabei spielt die Swissness eine entscheidende Rolle. Wir sind ein Schweizer Sender mit Schweizer Inhalt. Die lokale Verwurzelung ist zentral für uns.

Die Verbindung zwischen Fernsehen und Internet wurde schon mehrmals versucht und ist bislang immer grandios gescheitert. Was habt ihr aus Negativ-Beispielen wie Giga TV gelernt? Was macht ihr anders?
Ich würde uns überhaupt nicht mit Giga TV vergleichen. Was sich in den letzten 10 Jahren fundamental geändert hat, sind die Verknüpfungen zwischen Computer, Fernsehen und Handy. Giga TV startete in einer Zeit, als es diese Verknüpfungen noch gar nicht gab. Viele unserer Konzepte wären noch vor fünf Jahren technisch gar nicht zu realisieren gewesen, heute ist eigentlich jeder Haushalt mit Hardware ausgerüstet, die echte Interaktivität ermöglicht. Ausserdem integrieren wir die heutigen sozialen Medien wie Facebook oder Twitter komplett in unser Programm.

Ihr nutzt also den Kulturwandel, der in den letzten Jahren durch Facebook und co. stattgefunden hat.
Klar, das ist Teil unseres Konzepts. Man kann sich entweder mit allen Mitteln gegen diesen Wandel stellen, oder man kann die neuen Bedürfnisse, die offensichtlich da sind, auf eine neue Art und Weise befriedigen und das Medium in diese Richtung gestalten.

Eure Konkurrenten heissen heute nicht mehr nur SF, RTL und co, sondern auch Google, Apple und Microsoft. Habt ihr nicht Angst davor, zwischen diesen Giganten zerrieben zu werden?
Ich war letztes Jahr drei Monate im Silicon Valley und was ich dort gesehen habe, hat mich in unseren Plänen bestärkt.  Gerade die Tatsache, dass Google eine eigene TV-Plattform lanciert zeigt doch, dass Fernsehen - in einer neuen Form - beste Zukunfts-Aussichten hat.

Ihr liegt im Streit mit der Cablecom, fordert sie auf, euch einen analogen Platz auf ihrem Netz zu geben. Welcher Sender soll dafür gestrichen werden?
Wir glauben nicht, dass die Cablecom einen Sender streichen muss. Falls sie es macht, muss sie das selber entscheiden, dazu kann ich nichts sagen. Wir haben beim Bundesamt für Kommunikation den Antrag auf eine Aufschaltverfügung eingereicht, weil wir wollen, dass möglichst viele Jugendliche das Programm empfangen können und warten auf den entsprechenden Entscheid.

Was passiert, wenn das Gesuch abgelehnt wird?
Da gibt es verschiedenste Optionen, die man im gegebenen Fall anschauen muss.