Fabian Untereggers neue Show

09. Juli 2018 06:50; Akt: 09.07.2018 06:50 Print

«Die meisten mit Kopfweh haben keinen Hirntumor»

Auf SRF moderiert Komiker und Arzt Fabian Unteregger ab Montag die Show «Ärzte vs. Internet». Wir haben mit ihm über das Googeln der eigenen Symptome gesprochen.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Ausbildung zum Arzt hat Dr. med. Fabian Unteregger zwar abgeschlossen, praktizierend ist er momentan allerdings nicht. Stattdessen steht er als Komiker mit seinem Programm «Doktorspiele» auf der Bühne – und moderiert neu die SRF-Show «Ärzte vs. Internet». In der Sendung treten zwei Dreierteams gegeneinander an: Auf der blauen Seite stehen die Ärzte, auf der pinken die Laien. Die Aufgabe, die es im Team zu lösen gilt, ist alles andere als einfach. Pro Folge werden sechs Patienten vorgestellt, ... ... die im Studio oder via Video die Symptome ihrer Krankheit schildern. Während die Ärzte durch ihr Fachwissen versuchen, eine Diagnose zu stellen, suchen die Laien mit Hilfe von Google nach der Lösung. Die Laien-Teams wechseln während der sechsteiligen Staffel konstant. Die Ärzte sind hingegen bei jeder Folge dabei. Das Team besteht aus Dr. med. Peter Vonmoos, Prof. Dr. med. Stephan Vavricka und Dr. med. Anja Evangelisti (v.l.). Dr. med. Peter Vonmoos ist Facharzt für Allgemeinmedizin, leistete während seiner Karriere Einsätze für die Rega und war Vertrauensarzt für eine Krankenkasse. Der 69-Jährige leitete bis Ende April diesen Jahres eine eigene Hausarztpraxis in Egg bei Zürich. Prof. Dr. med. Stephan Vavricka ist Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie (Erkrankungen der Leber und der Gallenwege). Der 48-Jährige betreibt eine eigene Arztpraxis in Zürich. Dr. med. Anja Evangelisti vervollständigt das Ärzte-Team: Sie ist Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Oberärztin am Sonnenhofspital in Bern. Ab August arbeitet die 32-Jährige als Hausärztin in Kirchberg. Auch für die Ärzte war die Show eine Ausnahmesituation. «Die Ärzte können nicht wie in ihrer Praxis arbeiten», so Fabian Unteregger, «dort gäbe es erst das Gespräch, dann eine Untersuchung und bei Bedarf würden weitere Analysen folgen. In der Sendung stehen ihnen einzig Informationsfragmente zur Verfügung. Das ist anspruchsvoll.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Ziehen im Rücken, ein ungewohnter Schmerz im Kopf oder andere Beschwerden, die man nicht einordnen kann. In der Ungewissheit recherchiert man als erstes auf Google, was die Ursache sein könnte – bevor man überhaupt einen Arzt-Termin vereinbart hat.

Umfrage
Googeln Sie Ihre Symptome, wenn Sie krank sind?

Damit setzt sich die neue SRF-Show «Ärzte vs. Internet» auseinander und stellt Google auf die Probe: Schaffen es Laien mit Hilfe der Suchmaschine eher als Ärzte, die richtige Diagnose zu finden? Zwei Dreierteams treten gegeneinander an, um dies herauszufinden. Moderiert wird «Ärzte vs. Internet» vom Komiker und ausgebildeten Arzt Fabian Unteregger (41).

Fabian, ist es falsch, seine Symptome zu googeln, bevor man zum Arzt geht?
Nein. Es ist super, dass heute durch das Internet so viele Informationen zur Verfügung stehen. Man muss sich nur bewusst sein: Die Dinge, die man liest, richtig einzuordnen, ist schwierig. Hier braucht es dann Fachleute.

Zum Beispiel?
Die allermeisten, die Kopfweh haben, haben keinen Hirntumor. Genau dieser Google-Diagnose schenken allerdings viele Glauben und sind dann natürlich hochgradig beunruhigt.

Wieso glauben wir denn immer direkt dem Worst-Case-Szenario?
Der Mensch hat im Laufe der Evolution gelernt, Vorkehrungen zu treffen, wenn etwas Schlimmes passiert – damit es nicht noch einmal geschieht. Diesen Instinkt haben wir heute noch, obwohl wir ein sicheres Leben führen.


Der Trailer zur Sendung. (Quelle: SRF)

Worauf sollte man beim Symptome-Googeln noch achten?
Erstens: Wer ist die Quelle der Information? Wollen die uns irgendwie beeinflussen – zum Beispiel zu einem Kauf von etwas verleiten? Zweitens fehlt Laien das Fachwissen, das Gelesene einzuordnen. Hier braucht es Ärztinnen und Ärzte.

Googelst du selbst auch Symptome?
Ja – nur schon deshalb, weil ich ein grosser Informations-Junkie bin. Aber als Mediziner greift man durchaus auch auf das Internet zurück, weil man schlicht nicht alles auswendig wissen kann.

Du bist ausgebildeter Arzt. Konsultieren dich Leute aus deinem Umfeld oft, wenn sie Beschwerden haben?
Das kommt vor. Fehlt jemandem etwas, dann denke ich automatisch darüber nach. Ich bin auch sehr eindringlich, wenn ich glaube, es könnte etwas Ernstes sein und die Person sollte zum Arzt.

Wie haben sich die Laien-Teams in «Ärzte vs. Internet» geschlagen?
Es war sehr durchmischt. In einem Team hat zum Beispiel die Gruppenarbeit nicht so gut funktioniert. Ein anderes Team hat hingegen sogar im Vorfeld trainiert, das hat mich sehr beeindruckt. Die waren dann auf gut Deutsch auch saugut.

Und die Ärzte?
Das Ärzteteam ist sehr stark. Und das, obwohl sie nicht wie in ihrer Praxis arbeiten können: Dort gäbe es erst das Gespräch, dann eine Untersuchung und bei Bedarf weitere Analysen. In der Sendung stehen ihnen einzig Informationsfragmente zur Verfügung. Kommen dann sehr seltene Krankheiten vor, ist es doppelt schwierig für sie.

Was möchtest du persönlich mit der Sendung erreichen?
Wir können die Zuschauer pro Sendung für sechs Krankheiten sensibilisieren. Und das in einer sehr unterhaltsamen Umgebung. Ich bin überzeugt, dass Wissen sich besser verankert, wenn es unterhaltsam verpackt wird. Letztlich soll es Spass machen, die Sendung zu schauen. Den Patienten gefiel es auch, wie ihre Rückmeldungen zeigen – das freut mich sehr.

Wer neben Fabian Unteregger für die Show vor der Kamera steht, sehen Sie oben in der Bildstrecke.

«Ärzte vs. Internet» läuft während sechs Wochen montags um 20.05 Uhr auf SRF 1.

(anh)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MPA am 09.07.2018 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ENDLICH!

    SEHR GUT! Höchste Zeit die Leute etwas zu sensibilisieren damit sie nicht wegen jeder Lapalie in die Praxis rennen. Nicht umsonst besteht der Alltag der Ärzte immer mehr daraus den Leuten ihre Google Diagnose auszureden. Ich - Med. Parxisassistentin einer Notfallpraxis in ZH - rede aus Erfahrung.

  • Martin am 09.07.2018 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    In der Umfrage fehlt: Ja, und konnte Diagnose korrekt stellen Ärzte lernen auch, viele können das auch. In Zukunft werden uns sowieso künstliche Intelligenzen / virtuelle Assistenten helfen eine Erstdiagnose zu stellen. Und zudem: wir sind nicht mehr im Mittelalter, als nur Gelehrte lesen/schreiben konnten.

    einklappen einklappen
  • Dr. Schäfer am 09.07.2018 07:34 Report Diesen Beitrag melden

    Numerus clausus

    Wenn man sich bedenkt, dass wir zu wenig Ärzte haben und die Ausbildungsplätze durch den Numerus clausus stark beschränkt sind, sollte es eine Pflicht für jeden Arzt sein, seinen Beruf auszuüben. Ansonsten soll er sein Studium zurückzahlen und so einem anderen die Möglichkeit geben, Arzt zu werden.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 09.07.2018 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Fernsehärzte

    Fernsehärzte gibts genug. Schon Hirschhausen arbeitet nur fürs Fernsehen. Wir brauchen keinen Fernseharzt sondern Hausärzte, dort herrscht grosser Mangel.

  • Patient am 09.07.2018 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Tumor

    Tjaaaaa, ich habe einen Hirntumor, hatte nie Kopfschmerzen dafür aber andere Symptome. Eine fachärztliche Untersuchung brachte dann die Gewissheit. Gegoogelt habe ich erst, als der Befund feststand um was es sich genau handelt. Zu meinem Glück aber kein Krebs.

  • Dave74 am 09.07.2018 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, man kann auch lernen

    Dank den Suchmaschinen und natürlich auch dank einer gewissen Sensibilisierung den Resultaten gegenüber, war ich schon seit Jahren nicht mehr bei einem Arzt. Der Gang in eine Apotheke reichte und bei den Dialogen wurde dort genau das gefragt, was ich schon vorher ausschliessen, resp. feststellen konnte. Ich kann in gewissen Bereichen mittlerweile auch für Bekannte schon genaue Diagnosen stellen, was dann aber leider oft noch ein Arzt bestätigen muss, obwohl sie diesen eigentlich meiden wollten. Bin gespannt auf die Sendung.

  • rudolf stutz am 09.07.2018 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu teuer

    ich schaue kein srf...sowieso abgekupfert und viel zu teuer produziert

    • Heftiger am 09.07.2018 13:35 Report Diesen Beitrag melden

      Kann nicht sein

      Das Buffet war sehr dürftig am Set. Ich weiss es, bin nämlich als Patient dabei...

    einklappen einklappen
  • arwhite am 09.07.2018 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wissenstand & ganzheitlichkeit komplett ignoriert

    Genau und es gibt viele die haben beschwerden für die es (noch) keine erklärungen gibt und es wird eingeredet dass sich nichts haben. Aber das vielleicht ein diagnose-verfahren dass es noch nicht gibt bzw in naher zukunft feststellbar wäre wird schnell lächerlich dargestellt. Obwohl es in der vergangenheit eigentlich immer so wahr und die medizin nun einfach noch nicht auf diesem wissensstand ist wird komplett ignoriert. Die werden dann auf die psychische schiene abgestempelt.