«Adam sucht Eva»

14. November 2017 22:19; Akt: 14.11.2017 22:19 Print

Hier baumelt mehr als nur die Seele

RTL betreibt Bildungsfernsehen mit Bildnachweis: Im Nudisten-Camp wird die Vagina-Verkleinerung zur Anschauung gebracht. Aber eigentlich gehts ja um Liebe.

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Auf diesem Bild sehen Sie die moderne Interpretation der alttestamentarischen Berühmtheiten Adam und Eva. Heutzutage hat diese Namenskombination weniger mit der Bibel als mit einem deutschen Privatsender zu tun. Diese Menschen (teils «berühmt», teils «Normalo») möchten sich auf einer Südseeinsel paaren. Nicht sexuell. Gerne seelisch. Das sind: Michael, Christian, Martin (hinten) und Djamila, Melody, Elisa und Patricia (vorne). Jetzt raten Sie bitte, wer berühmt ist. Dieses Team hier ist schon Vergangenheit: Timur (hinten links) ist schon heimgesegelt. Nach einem Date mit Beabrice (vorne links) versichert er zwar noch, dass sie ja Freunde bleiben könnten. Beabrice ist ein bisschen enttäuscht. Doch dem Timur, dem kann niemand mehr nehmen, dass er auf der Insel sein «Grundwissen erweitert» hat. Um das Arrangement spannend zu halten, reisen immer wieder neue Nackte an. Auch der Mann hinten rechts ist Geschichte. KFZ-Mechatroniker Konrad hat die Insel verlassen. Es gebe daheim noch jemanden, dem er vielleicht zu wenig Beachtung geschenkt habe. Nun, die Dame weiss jetzt, was sie zu erwarten hat. Nach dieser Informationsflut jetzt ein paar Bilder mit Südseeflair. Hier ein Tisch mit einer halbierten Kokosnuss. Auf den Bankkissen sitzen die Nackten übrigens alle einfach drauf. Wie hygienisch das ist, müssen andere entscheiden. Die Insel ist schon recht schön. Wo genau sie liegt, war nicht in Erfahrung zu bringen. Auf jeden Fall an einem warmen Ort. Das ist die Küche. Patricia Blanco erklärt der ankommenden Djamila Rowe (sie bezeichnet sich übrigens freiwillig als «Mutter aller Luder»), dass die Kochstelle noch schwierig sauber zu halten sei. Hausfrauengespräche auf einer Nacktinsel, auf der man sich verlieben soll? Erotik und Spannung werden hier gerade neu definiert. Insel der Liebe. Voll. Eine Feuerstelle. Ist einfach der Plausch in der Südsee. Gut, jetzt klären wir noch die Anreisemodalitäten. Weil es vermutlich dem einen oder anderen Zuschauer schwer fällt, «Promi» von «Normalo» zu unterscheiden, reisen Erstere auf einer Yacht an. Das hier ist Timur (Schauspieler/Scripted-Reality-Darsteller). Nochmal von nahe, na, erkennen Sie ihn? Zusatzinformation: Während der Sendung ist das Gemächt natürlich nicht mehr versteckt. Kess baumelt es durchs Bild, das freche Ding. So laufen dann die Kennenlernmomente ab. Es fühlt sich halt auch total natürlich an, wenn da plötzlich ein Fremder blutt vor einem steht. Auch hier werden Grenzen versetzt: Ein «awkward Hug» bekommt eine völlig neue Dimension. Treffend stellen die Damen bei Konrads Ankunft auf der Insel fest, dass der Mann ganz schön muskulös ist. Das hätten sie unter einem T-Shirt natürlich übersehen. Wunderschön, wie Menschen hier gleich auf das Wesentlichste reduziert werden. Das ist Beabrice. Sie kommt aus Berlin. Voilà – die Yacht kennen Sie ja schon. So paddeln «Normalos» auf die Insel. Dieser Mann heisst Christian. Er ist der neuste Adam auf der Insel. Zauberhaft, wie die praktischen, wasserdichten Beutel hier in Szene gesetzt werden. Das wär mal eine gute Product-Placement-Gelegenheit gewesen. Wobei, es geht ja um innere Werte. Sorry, doch nicht so gut, die Werbefläche. Djamila Rowe, die «Mutter aller Luder». Sie sei etwas verklemmt. Drum geht sie auf die Nacktinsel. Das ist total naheliegend. Die Damen haben einen Stern auf ihrem Beutel. Was im Beutel drin ist, bleibt unklar. Wir hoffen auf Sonnenschutz und Anti-Mücken-Spray. Michael findet Melody gut. Sie ihn nicht so. Die Story endet hier. (Er wird noch andere gut finden.) Melody hat übrigens schon drei Schönheitsoperationen gehabt. Melody hat mal bei «DSDS» mitgemacht. Michael liess sich eine Dieter-Bohlen-Unterschrift tätowieren. Das ist witzig. «Nein, es ist nicht voll komisch, dass wir uns das erste Mal sehen und nix anhaben.» Patricia Blanco ist die gute Seele der Insel. Sie durfte auch auf die Jacht. Ist ja berühmt. Die Kopfhaare muss man sich vor der Teilnahme an dieser Show unbedingt wachsen lassen. Die anderen gehören gewachst.

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Früher hiess es ja: «Es war einmal …» – und irgendwann nach allerhand traumatisierenden Erfahrungen haben Dornröschen, Schneewittchen und Aschenputtel einen Prinzen bekommen. Heutzutage wird die Mär von der grossen Liebe auf einer Südseeinsel kolportiert.

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RTL hat wieder ein paar «liebeshungrige Singles» (wir dachten, die sind alle beim Bachelor) auf einer Insel ausgesetzt. Und weil es ja um innere Werte geht, sollen die sich da gerne ohne den Ballast einer westlich zivilisierten Wohlstandsgesellschaft präsentieren: Drum hoppeln nun ein paar Nackte über den Bildschirm. Wegen der Liebe. Klar.

Fernsehen wird unangenehm

Und um das Flirt-Experiment vom durchschnittlichen FKK-Campingplatz zu distanzieren, entblössen sich hier auch ein paar «Promis» (zur Not googeln Sie die einfach, mussten wir auch). Patricia Blanco («zieht blanco», der musste ja kommen) ist auch dabei.

Die mag man noch. Immerhin hat die Tochter von Schlagerstar Roberto Blanco (80) und ehemalige Dschungel-Camperin gerade dank Magenband und guter Ernährung 50 Kilos abgenommen. Ihr kauft man die bewusste Lockerheit, das Sich-mega-Wohlfühlen vor laufender Kamera immerhin noch zu acht Prozent ab.

Sonst ist das zutiefst unangenehm. Nicht, weil da alles baumelt, wackelt und hüpft, sondern weil man dabei zusieht, wie Menschen, die das sonst einfach nicht so gern machen, es halt trotzdem machen. Vielleicht auch, weil sie müssen. Die Miete, die zahlt sich auch 2017 nicht von selbst. Bestenfalls sind die alle auf der Insel, weil sie FKK schon immer mal ausprobieren wollten.
Die Quoten stimmen: Über 3 Millionen sahen den Staffelstart am Samstag, seither schalten regelmässig über eine Million Zuschauer ein, schreibt Quotenmeter.de.

Zu viel Information blockiert das Beschnuppern

Was da so passiert? Mit viel gutem Willen könnte man den einen oder anderen Gesprächsfetzen als Weiterbildung deklarieren: So erfährt der medizinisch interessierte Zuschauer, dass Melody (Ex-DSDS-Kandidatin) ihre Schamlippen hat verkleinern lassen. Aus ästhetischen und gesundheitlichen Gründen, wie sie mitteilt (tut unter Umständen weh beim Gehen). Ah, die Nase und der Hintern sind auch gemacht. Bisschen viel Information für so einen ersten Beschnupper-Abend.

Auch andere Konventionen werden gelebt. Schon Bridget Jones lernte von ihrer Mutter, dass man Menschen einander mit interessanten Details aus ihrem Leben vorstellen sollte: Schön, haben Melody und Beabrice auch gleich eine Gemeinsamkeit gefunden: Sie sind «Muschischwestern».

Gleich lernen wir auch, dass es sich hier um eine Verbindung handelt, die durch Geschlechtsverkehr mit demselben Mann entsteht. Motivisch passt das auch zur Sendung: Unten ist das neue Oben – gerne intimrasiert. Der Busch bleibt in Australien.

«Alte Pferde» und «Samenstau»

Merken tut das auch «Adam» Michael. Der Zimmermann muss sich schon in Folge eins zusammenreissen da «unten rum». Nur eine Folge später wird der 23-Jährige «Samenstau» beklagen. Sex mit Elisa wäre der «Wahnsinn». Er versucht sein Glück bei ihr. Sie hatte aber schon Sex am Strand. Und dann kam Djamila Rowe (50): Sie beschreibt sich als ein wenig verklemmt. Kurz möchte man sie umarmen, Kind, geh heim, es wird alles gut.

Dann legt sie los: Sie habe seit 2008 keinen Sex mehr gehabt. Michael wähnt sich im Himmel und schickt gleich einen möglichen Beitrag fürs #metoo-Tribunal ins Rennen: «Auf alten Pferden lernt man gut reiten.» Djamila brauche einfach einen Kerl wie ihn, der sie hart rannehme.

Mitleid macht keine Freude

Schon wünscht man sich zurück an den Frühstückstisch, bei dem Nichtigkeiten und Pseudophilosophien dominieren. Auch den schnarchenden Konrad (der hat dank einer Erleuchtung die Insel bereits wieder verlassen) vermisst man kurz.

Es bleibt ein ganz, ganz, ganz fader Nachgeschmack. Das hier hat nichts mehr mit Fremdschämen zu tun, dem Zauber, den Voyeurismus auf ein durchschnittlich kultiviertes Wesen ausüben mag. Mitleid ist das Kerngefühl. Und das macht keinen Spass. So gönnt man Martin (der hat mal eine Casting-Show gewonnen) umso lieber seine kleinen Freuden: Er wollte den «Wind auch mal unten rum spüren». Aber das hätte er auch einfacher haben können.

(bbe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Raquel am 15.11.2017 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    furchtbar...

    es gibt tatsächlich schlimmere sendungen als der bachelor.....oh je minee...

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  • lol am 15.11.2017 00:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    endlich mal

    glückwunsch an den autor, sehr gut und lustig geschrieben :)

  • Volker Be am 15.11.2017 04:00 Report Diesen Beitrag melden

    Niveau der Bevölkerung

    Beim Kampf um die Einschaltquoten kann man auch das Niveau der Bevölkerung messen!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mittelalterliches Girl am 15.11.2017 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz normale bis schreckliche Körper

    Also ich bin wieder echt recht zufrieden mit mir. Alles echt nix gemacht.....bei Djamila Rowe, schrecklich gemachte Brüste und schwabbel Bauch.

  • Kevin am 15.11.2017 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja

    und alle schauen heimlich adam sucht eva :) ich schaus auch aber nicht heimlich ,sondern unheimlich gern

    • Lover Boy am 15.11.2017 16:00 Report Diesen Beitrag melden

      Kevin, Sie sind zu

      ehrlich für diese Welt. Bin aber froh, dass Sie auch schauen, denn dann bin ich nicht alleine. Offenbar sind wir jetzt schon zwei.

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  • Premiereguckerin am 15.11.2017 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halb so wild...

    Also ich habe es mir gestern angeschaut, und muss sagen, dass ich sehr erschrocken bin, dass Patrizia Blanko eine sehr schlechten Menschenkenntnis hat. Schon von seiner Stimme her, wusste man doch, dass der ein Gigolo ist... haahhahahah. Was das nackt sein angeht, das vergisst man ziemlich schnell weil die Streitereien viel Intressanter sind. Geht richtungBig Brother usw. Der einzige Unterschied:hier sind alle nackt. Hast du einmal alle nackt gesehen, bist du froh, dass du selber besser aussiehst. Lach... ;)

  • Mandarine am 15.11.2017 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adam und Eva

    Wer ist bloss dermassen ausgehungert, um sich sowas reinzuziehen? Mir tut die arme Südsee Südsee leid! Die hat's nicht nötig und ich auch nicht.

  • Einfach Kurt am 15.11.2017 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur anschauen oder doch nicht?

    Eigentlich schon eigenartig die Menschen, ein Widerspruch in sich selbst da entwickelt sich ein kleiner Kameraschwenker auf Schuhe, Beine, Bauch und Busen zum heftigen Raunen durch Zeit und Raum und andererseits laufen Sie sabernd vor der ganzen Welt mit hängenden nackten Busen und schlaffen Schnäbis durch die Wüste. Ja die Menschen sind von allem was gut ist oder war verlassen.