«To the Bone»

04. Juli 2017 08:11; Akt: 04.07.2017 09:00 Print

Verherrlicht Netflix eine tödliche Krankheit?

von C. Steiner - Nach dem Teenager-Suizid in «13 Reasons Why» zeigt Netflix nun einen Spielfilm über Magersucht. Dahinter steckt Kalkül.

Für die Rolle einer Magersüchtigen im Netflix-Drama «To The Bone» musste Lily Collins drastisch abnehmen. (Video: Tamedia/Vizzr)
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Eines kann man Netflix nicht vorwerfen: Mutlosigkeit. Der Streaming-Dienst schreckt nicht vor heiklen Themen zurück. Und das macht sich bezahlt. Als im März die Serie «13 Reasons Why» an den Start ging, war der Hype sofort da. Das Thema: Der Selbstmord einer 16-Jährigen Schülerin.

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Zwar gibt das Unternehmen keine Zahlen heraus, aber die von Sängerin Selena Gomez produzierte Serie soll einer der bisher grössten Netflix-Hits sein. Auch dank der Kontroverse darum. In der finalen Folge der ersten Staffel zeigen die Macher den Suizid der Hauptdarstellerin in extrem verstörenden Bildern.

Auf Selbstmord folgt Essstörung

Experten warnten vor einem möglichen Nachahmungseffekt. Netflix musste daraufhin sogar selbst per Hinweis zur Vorsicht beim Konsum seines Produkts mahnen. Das schürte die Neugierde auf die Serie natürlich noch zusätzlich.

Jetzt legt Netflix mit dem nächsten Aufreger nach. Die Eigenproduktion «To the Bone» soll Essstörungen glorifizieren. Der Trailer zeigt Schauspielerin Lily Collins hervorstehende Knochen in Nahaufnahme. Zur Feelgood-Musik zählt sie auf, welches Lebensmittel wie viele Kalorien hat.

Schauspielerin litt selbst an Magersucht

Zusätzlich problematisch: Collins litt als Jugendliche selbst an Magersucht. Um glaubhaft eine Betroffene verkörpern zu können, musste sie sich auf Haut und Knochen herunterhungern. Eine gefährliche Situation für die 28-Jährige – denn die Rückfallquote bei Magersucht ist hoch.

Bereits vor der Ausstrahlung am 14. Juli ist die Debatte um «To the Bone» voll entfacht. Viele fordern in den sozialen Medien, dass Netflix wie bei «13 Reasons Why» einen Warnhinweis schaltet. Das Unternehmen äusserte sich bislang nicht zur Kontroverse. Im Hauptsitz dürfte man sich aber zufrieden die Hände reiben, denn der Film ist schon jetzt Gesprächsthema Nummer eins.

Themen kommen bei junger Zielgruppe an

Dass Netflix in seinen jüngsten Produktionen vermehrt auf brisante Themen setzt, ist natürlich kein Zufall, sondern programmtechnisches und werberisches Kalkül. Mit Themen wie Suizid, Vergewaltigung oder jetzt auch Magersucht schlage der Streaming-Dienst nämlich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe, so PR-Profi Ferris Bühler.

«Erstens garantiert die Debatte im Vorfeld Streams in Rekordhöhe und einen Zufluss an neuen Abonnenten. Zweitens diversifiziert Netflix dadurch sein Angebot, das grösstenteils aus Produktionen mit sehr ähnlichen, austauschbaren Themen besteht. Und drittens sichert sich Netflix damit das Interesse beim spannenden, jungen Publikum, da sich dieses eben genau für solche Themen interessiert», sagt Bühler zu 20 Minuten.

Und: Diskussionen über das Verbot einer Produktion oder mögliche Warnhinweise mache diese noch zusätzlich spannend und sorge gerade beim jungen Publikum für erhöhtes Interesse, so die Einschätzung des Experten.

Der Trailer zum Magersuchtsdrama «To the Bone» mit Lily Collins.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • otaku am 04.07.2017 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer ruhig

    eigenartig, früher konnten wir in der schule "wir kinder vom bahnhof zoo" schauen und etwas lernen, heute würde es heissen der film verherrliche drogen, magersucht scheint ein problem unserer Gesellschaft zu sein und wird in der netflix serie thematisiert, also bitte nicht gleich in Panik geraten

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  • Scientist am 04.07.2017 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verstehe ich nicht

    Ich verstehe es nicht das es jedesmal so ein Aufschrei gibt, es ist wichtig auch Kontroverse Themen aufzugreifen, Bei einem Actionfilm wo dutzende erschossen werden rümpft niemand die Nase.

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  • Chrigu am 04.07.2017 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Mutiges Netflix

    Hallo.. Als meine Meinung zu Netflix ist, das Angebot dürfte wesentlich grösser sein in Europa (Schweiz). Was mir aber auch aufgefallen ist, dass die Eigenproduktionen von Netflix oft sehr kontrovers sind und zum nachdenken anregen. Wie Black Mirror z.B. Ich finde es sehr gut, dass Netflix Themen behandelt, die im öffentlichen Fernsehen gemieden oder nur in langewiligen Diskussionsrunden angesprochen werden. Sicherlich besteht die Gefahr in Nachahmungen etc. aber jeder ist schlussendlich selber verantwortlich, was er sehen will und wie man mit dem Gesehenen umgeht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Shadow_fighter am 04.07.2017 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tabuthema

    endlich wird über dieses Thema mal geredet. es ist immer noch ein Tabuthema obwohl immer mehr junge Mädchen und auch Jungen daran erkranken. Es soll aufhlren das die betroffenen Familien es verschweigen weil es ihnen peinlich ist.Es kann jeden treffen.

  • lulli am 04.07.2017 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    netflix ab 18

    was soll das geheule... einen Netflix account darf man ab 18 (resp höher) eröffnen. Sache der eltern. eine normaldenkende person sollte dies nicht beeinflussen. andernfalls gibt es einen bekanntenkreis der (hoffentlich) die nötigen schritte einleitet.

  • Anonym am 04.07.2017 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Club der roten Bänder

    Immer diese Kritiker. Bei der angseagten Erfolgsserie von VOX, Club der roten Bänder, erzählt man auch die Geschichte einer Magersüchtigen. Sie beschreibt wie sie sich fühlt etc. Auch dort können Nachahmungseffekte auftreten. Aber schon alleine durch Magazin Covers, Supermodel etc. wird das Bild der schlanken Frau gepusht...

  • Rafael am 04.07.2017 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem?

    150kg Frauen, kommen ja nicht zu kurz im Showbusiness

  • Swissgirl am 04.07.2017 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein grosses Problem für Betroffene

    Ich finde es mutig, dass Netflix das Thema aufgreift. Ich kenne selber eine junge Frau, die in der Oberstufe an Essstörungen gelitten hat. Die Essstörung hat sie zwar überwunden, an deren Stelle ist jedoch eine Ersatzsucht getreten: Sport und zwar mehrere Stunden jeden Tag. Dahinter steckt ebenso die Angst zuzunehmen. Heute ist sie 25, isst viel, ist aber immer noch erschreckend mager. Neben der Rückfallgefahr gibt es also noch andere Gefahren. Die bleibenden Schäden von Mangel wegen Essstörungen und forderndem Dauersport dürften nicht zu unterschätzen sein.