Kinderbuch-Klassiker

15. August 2017 09:19; Akt: 15.08.2017 10:01 Print

«Die Kleine Hexe» wird 60 Jahre alt

Wie wird man eine gute Hexe? Geschichtenerzähler Otfried Preussler gab vor 60 Jahren mit seinem Buch eine Antwort – und eroberte seither unzählige Kinderherzen.

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Kinderbuch-Klassiker: Susanne Preussler-Bitsch, die Tochter des Schriftstellers Otfried Preussler, mit dem Werk «Die kleine Hexe». (Bild: Keystone/Armin Weigel)

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Wer partout mit den grossen Hexen auf dem Blocksberg tanzen möchte, der muss vor allem eins können: gut hexen. Gutes zu hexen hingegen kommt bei der verschworenen Gemeinschaft um die Oberhexe und die fiese Muhme Rumpumpel gar nicht gut an.

Wie es der mit zarten 127 Jahren jüngsten Hexe dennoch gelingt, am Ende alle bösen Hexen zum Schweigen zu bringen, für ewig, hat Otfried Preussler (1923-2013) vor 60 Jahren aufgeschrieben. «Die kleine Hexe» war nicht nur die erste positiv besetzte Hexe in der deutschen Kinderliteratur, das Werk gilt auch als eins der ersten antiautoritären Kinderbücher.

«Petite Sorcière» heisst sie in Frankreich, «Küçük Cadi» in der Türkei, «Kleine Heks» in den Niederlanden. Nach Angaben des Stuttgarter Thienemann-Verlags ist «Die kleine Hexe» neben dem «Räuber Hotzenplotz» die bekanntesten Kinderbuchfigur von Preussler. Fünf Millionen Mal wurden die Bücher weltweit verkauft, in 47 Sprachen wurden sie übersetzt. Es gibt etliche Theaterfassungen, Verfilmungen und natürlich Hörspiele und Hörbücher.

Zur Beruhigung der eigenen Kinder erfunden

Furchtbare Angst vor bösen Hexen sollen Preusslers Töchter eines Abends gehabt haben, antwortete der Autor einst selbst auf die Frage, wie er auf die Idee zu dem Buch gekommen sei. «Ich versuchte, ihnen klarzumachen, dass man sich heutzutage nicht mehr vor Hexen zu fürchten brauche, weil es keine mehr gebe.» Wie Kinder so sind, liessen die Mädchen ihren Vater nicht vom Haken: Postwendend folgte die Frage, warum es keine mehr gibt.

«Mein Vater hat seine Figuren immer gerne auch an uns drei Schwestern ausprobiert», erinnert sich Susanne Preussler-Bitsch. Vorgelesen habe er ihnen nie. «Er hat immer frei erzählt.» Die kleine Hexe lebte fortan quasi unter ihnen. «Wir malten uns aus, was wir selbst alles hexen könnten.»

Für sie sei die Hexe immer eine besondere Figur ihres Vaters geblieben – auch weil sie in allen Kulturen verstanden werde: «Alle Kinder kennen das: Der Wunsch schon zu den Grossen zu gehören, trotz Fehlschlägen es erneut zu versuchen; die Welt der Erwachsenen zu erkunden und sich darin zurecht zu finden.» Auch würden hierarchische Ordnungen von der kleinen Hexe nicht einfach so akzeptiert.

«Negerlein» wurde gestrichen

Preussler lasse den Kindern Zeit, Kind zu sein, betont Susanne Helene Becker, Literaturwissenschaftlerin und Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur in München. Zugleich nehme er sein junges Publikum zu jeder Zeit ernst. Was ist gut? Was ist böse? «Das sind ja sehr komplexe Fragestellungen.»

Was heisst es, eine gute Hexe zu sein? Indem sie Böses hext, wie es die Oberhexe will? Oder indem sie Gutes tut? Wie die kleine Hexe, die mit ihrem besserwisserischen Freund, dem Raben Abraxas, den Holzweibern gegen den bösen Oberförster hilft oder einem armen Marktmädchen mit plötzlich duftenden Papierblumen.

Wie ernst Otfried Preussler sein Publikum stets nahm, zeigte sich auch kurz vor seinem Tod, als bei einer Neuauflage Begriffe wie «Negerlein» aus dem Buch verschwanden. «Das hat mein Vater selbst so gewollt», erinnert sich die Tochter. Er habe eine besondere Verantwortung seinem jungen Publikum gegenüber empfunden. «Dazu zählte für ihn auch, Bezeichnungen, die mit der Zeit als beleidigend empfunden werden, durch geeignete Wörter zu ersetzen.» Allein die Ankündigung des Verlags hatte damals heftige Debatten ausgelöst.

(kf/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ottfried preussler am 15.08.2017 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    kleine hexe & co.

    So ein schönes Kinderbuch, ich liebe diese Geschichte, wie auch alle anderen von Ottfried Preussler

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  • Sven E. am 15.08.2017 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    OMG! Die kleine Hexe!

    Ich hab grad auf das Buchcover gestarrt, weil es mir irgendwie bekannt vorkam. Und ploetzlich der Geistesblitz! Das haben wir in der Primarschule gelesen. Vor fast 40 Jahren! Ich kann mich auf einmal wieder an das Klapp-Pult erinnern. Deckel auf und da lag die kleine Hexe drin. Wahnsinn!

  • Miss Swiss-Dish am 15.08.2017 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Samstagsgeschichte

    Dieses Buch war DER Hit als Samsatagsgeschichte für alle Erst- und Zweitklässler in den Siebziger- und Achtzigerjahren! Gibt es Leute aus dieser Generation, die diese Geschichte nicht kennen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • R.B am 19.08.2017 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War eine schöne zeit

    Natürlich kennt man dieses buch habe es 1976 von meinen Eltern erhalten da war ich 8jahre alt.Und heute mit 49jahren ist das buch immer noch in meinem büchergestell und ich werde es auch nie weggeben.

  • Nancy am 17.08.2017 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderschöne Geschichten!

    Die kleine Hexe, der kleine Wassermann, Räuber Hotzenplotz - alles Kultkinderbücher! Wir liebten sie, meine Kinder liebten sie - ich werde sie auf jeden Fall meinen zukünftigen Grosskinder ( so es welche gibt ;-)) vorlesen!

  • Seth Rollins am 16.08.2017 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die kleine Hexe

    Oh wie ich das Buch mag schöne Kindheitserrinerungen genauso wie auch die ???(Justus Jonas, Bob Andrews und Peter Shaw

  • Helena am 16.08.2017 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Juhuii, die kleine Hexe!

    Mit der kleinen Hexe lernte ich lesen. Unsere Lehrerin hat Arbeitsblätter, etc. gemacht. Dabei bin ich erst 24 Jahre alt.

  • jane77 am 16.08.2017 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    von Generation zu....

    ich las es als Kind und habe es so geliebt...meine Kinder haben es vorgelesen bekommen und dann auch selber gelesen..