Zero Waste Movement

07. April 2015 06:17; Akt: 07.04.2015 12:13 Print

Der Abfall aus einem Jahr passt in ein einziges Glas

von Neil Werndli - In Amerika mausert sich die Zero-Waste-Philosophie langsam zu einem Trend. Die Anhänger produzieren so gut wie keinen Abfall mehr.

Bea Johnson lebt mit ihrer Familie seit Jahren nach der Zero-Waste-Philosophie. (Quelle: Youtube / Mercurious40)
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Die Johnsons sind Pioniere des Zero-Waste-Movements: Die Familie aus Kalifornien hat mittlerweile keinen Abfalleimer mehr im Haus – sie produziert praktisch keinen Müll.

Umfrage
Könnten Sie sich vorstellen, nach der Zero-Waste-Philosophie zu leben?
19 %
35 %
38 %
8 %
Insgesamt 7575 Teilnehmer

Vor mittlerweile sechs Jahren hat Bea Johnson die Zero-Waste-Philosophie entdeckt. Seither hat sie ein Buch veröffentlicht, tourt damit durch die Welt und steckt immer mehr Menschen mit ihrer nachhaltigen Einstellung an.

Kompostierbare Zahnbürsten und Fleisch in Glasbehältern

So etwa die Schweizerin Sara Wolf, die in Berlin den Supermarkt OU (Original Unverpackt) eröffnet hat, der auf Einweg-Verpackungen verzichtet. Zero-Waste-Anhänger kaufen keine abgepackten Produkte: Sie bringen selbst Behälter mit und füllen im Laden alles ab – von Mehl über Zahnpasta bis zum Fleisch.


Sara Wolf stellt ihr Zero-Waste-Geschäft in Berlin vor. (Quelle: Youtube / Olga Martinez)

Auch im hippen Brooklyn in New York ist Zero Waste ein Hype. Blogger beschäftigen sich mit der Philosophie, kleine Zero-Waste-Shops schiessen wie Pilze aus dem Boden und die Stadt investiert in Projekte, um Abfall in Energie umzuwandeln.


Eine 23-jährige Bloggerin aus Brooklyn entdeckt Zero Waste. (Quelle: Youtube / Zoomin.TV World News)

Mit Zero Waste zu leben, sei gar nicht so schwierig, sagen Anhänger immer wieder. Sie befolgen fünf Grundregeln mit R: «refuse, reduce, reuse, recycle and rot.» (Dt.: ablehnen, reduzieren, wiederverwenden, rezyklieren, verrotten) Am wichtigsten ist es demnach, auf verpackungsintensive Produkte von Anfang an zu verzichten. Alles andere wird wiederverwertet oder kompostiert. Wer die Philosophie so konsequent wie Bea Johnson durchzieht, stellt etwa Putzmittel selber her, benutzt kompostierbare Zahnbürsten und – dies mag etwas absurd anmuten – sogenannte Menstruationsbecher statt Tampons.

Keine eigenen Behälter bei Migros und Coop

Wie gross der Abfallberg ist, hängt selbstverständlich aber nicht nur vom Konsumenten ab, sondern auch von den Anbietern. Schweizer Detailhändler geben sich Mühe, die Verpackungsmenge systematisch zu reduzieren. «Getreu der Maxime «vermeiden, vermindern, verwerten» setzt die Migros auf vielfältige Lösungen, um die Verpackungen umweltfreundlicher zu gestalten», sagt Migros auf Anfrage von 20 Minuten. «Was viele jedoch nicht wissen: Eine Verpackung trägt in den meisten Fällen nur zu einem verschwindend kleinen Teil zur Umweltbelastung eines Produktes bei.»

Ob man denn in der Migros mit dem eigenen Behälter Fleisch kaufen könnte? «Wir beobachten stets die laufenden Entwicklungen und optimieren konsequent unsere Verpackungen», so der Sprecher. «Zurzeit ist es aber bei der Migros nicht vorgesehen, Fleisch im eigenen Glas- oder Tupperware-Behälter zu kaufen.» Ähnlich klingt es bei der Konkurrenz: «Coop beurteilt dies aus strengen hygienischen Gründen als kritisch. Glasgefässe stellen darüber hinaus wegen Bruchgefahr ein zu hohes Risiko dar», schreibt Coop.

Wer nach Zero-Waste-Prinzipien leben will, ist also auf kleinere Anbieter angewiesen. Sara Wolf will ihr OU-Konzept aus Berlin dieses Jahr auch in die Schweiz bringen. Mit «Bulk» gibt es zudem eine App, die Zero-Waste-Läden in der Nähe vorschlägt.

Was halten Sie von Zero Waste? Könnten Sie sich vorstellen, so zu leben? Machen Sie mit bei unserer Umfrage.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mima Mötzli am 07.04.2015 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Musste eben schmunzeln: "nachhaltig & tourt um die Welt" in einem Satz!

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  • Maria Hug am 07.04.2015 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertreiben hilft nichts

    MC Donald und die Chinawegwerfprodukte sind grobfahrlässige Umweltkatastrophen. Das Zero Waste grobfahrlässig übertrieben. Warum nicht einfach das Mittelmaß, bewusst Leben und die Umwelt respektieren.

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  • LiBu am 07.04.2015 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verpackung ist ungesund

    Es geht ja nicht nur um die Verminderung der meist überflüssigen Verpackung (Salat, Gurken, z.B.), sondern auch darum, dass diese Verpackungen Weichmacher beinhalten, die nachweislich der Gesundheit schaden. Ich bevorzuge den Offenverkauf und den Markt und natürlich eigene Produkte aus dem Garten. Ich würde einen Laden ohne Verpackung begrüssen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anna am 08.04.2015 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Offene Milch

    Schon mal probiert, Milch wie früher in einem Milchkessel zu kaufen? Eine "Chäsi" wir früher gibt's nicht mehr. Ich kenne jedenfalls keine mehr, die offene Milch verkauft. Das wäre mal was, wenn COOP oder Migros einen solchen Automat aufstellen würde. Geld rein, Milch kommt raus. Wirklich schade, war die offene Milch doch viel besser, als die "künstlich" zusammengesetzte in der Packung, damit die ja immer 3.5% Fett hat.

  • Markus Zimmermann am 08.04.2015 00:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nachhaltig denken

    Man kann wirklich Müll vermeiden, wenn man nur will. Tatsächlich habe ich meinen 35 Liter Sack letzmals Anfang Dezember gewechselt. Man muss vorausschauend denken: Kaufe nur das Notwendigste, Müll trennen, schonender Umgang mit der Ware und Reparaturen nicht hinauszögern. Mein Auto ist 20 Jahre alt + ab MFK, der Video 25 Jahre und mein Velo 40 Jahre und alles funktioniert. Nachhaltigkeit ist eine Philosophie, welche über das Thema Müll hinausgeht. Entsprechend drehte sich mir nach der Ecopop-Abstimmung der Magen um.

  • Klärli am 08.04.2015 00:03 Report Diesen Beitrag melden

    1 Sack pro Monat

    Würde ich schon hinkriegen. Das ist immerhin Faktor 4 eingespart. Aber 1 Büchse in einem Jahr? Ne, ich hab noch Familie und andere Hobbys als Abfallverminderung. Trotzdem:Hut ab.

  • Annie am 07.04.2015 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yes zum Mensbecher

    Nie wieder ohne meine Ladycup! Der "Mensbecher" ist der totale hit für die moderne Frau von heute. Das hat nicht nur mit Abfallverminderung zu tun,sondern mit purer Lebensqualität für und Frauen!!!

  • wild.u. am 07.04.2015 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdig

    Wers Glaubt wo entsorgt sie das sonst auf der Strasse in der Wiese das geht ja gar nicht wenn sie was einkauft ist es ja verpackt oder?