Steuervergehen

30. Dezember 2015 10:02; Akt: 01.01.2016 08:06 Print

Apple zahlt in Italien 318 Millionen Euro

Nach einer Untersuchung wegen Steuerbetrugs hat sich der italienische Ableger des US-Konzerns die Busse mehr als halbieren können.

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Apple-CEO Tim Cook bei einem Auftritt an der Universität Mailand. (10. November 2015) (Bild: Keystone)

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Der US-Technologiekonzern Apple zahlt nach Ermittlungen wegen Steuerbetrugs in Italien einen Millionenbetrag. Die Apple-Niederlassung Italien werde 318 Millionen Euro überweisen, teilte die italienische Steuerbehörde mit. Laut einem Bericht der Zeitung «La Repubblica» hatten die Behörden dem US-Konzern vorgeworfen, von 2008 bis 2013 keine Steuern auf seine Gewinne in Italien gezahlt zu haben.

Insgesamt gehe es um 880 Millionen Euro, die Apple dem italienischen Staat schulde, berichtete «La Repubblica». In monatelangen Verhandlungen habe Apple die Summe auf 318 Millionen Euro gedrückt. Ein Sprecher der Steuerbehörde bestätigte die Millionensumme, wollte aber keine Einzelheiten nennen. Apple Italia war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen.

EU-Komission reagiert

Apple und andere grosse US-Konzerne wie Amazon oder Facebook werden immer wieder beschuldigt, mit ihren legalen «Steueroptimierungen» grosse Summen an Steuern zu sparen – nicht nur in Europa, auch in den USA. Sie wählen als Hauptsitz zum Beispiel Länder, in denen die Besteuerung sehr niedrig ist. Apple, Google, Microsoft oder Facebook etwa zahlen in Europa ihre Steuern in Irland; dort werden 12,5 Prozent auf Unternehmensgewinne fällig. Italien besteuert Gewinne dagegen mit 27,5 Prozent.

Im vergangenen Jahr hatte ein internationales Recherchenetzwerk über hunderte Fälle (Luxleaks) berichtet, in denen multinationale Konzerne in Luxemburg auf Kosten anderer EU-Länder Steuerzahlungen vermeiden.

Die EU-Kommission wurde tätig. Im Oktober erklärte sie, wegen illegaler Steuerdeals müssten der italienische Autobauer Fiat und der US-Kaffeehauskonzern Starbucks jeweils bis zu 30 Millionen Euro nachzahlen. Anfang Dezember startete die Kommission dann eine Untersuchung möglicher Steuertricks in Luxemburg zugunsten des Fastfood-Giganten McDonald's – mit Untersuchungen gegen weitere Konzerne wird gerechnet.

Den Staaten entgehen Milliarden

Auch die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) verabschiedeten Mitte November einen von der OECD vorgelegten Plan zur Bekämpfung der Steuervermeidung internationaler Konzerne, an dem auch die Schweiz beteiligt ist.

Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vermeiden Unternehmen durch die optimierte Ausnutzung unterschiedlicher nationaler Steuergesetzgebungen «konservativ geschätzt» zwischen 100 und 240 Milliarden US-Dollar jährlich.

Das entspricht zwischen vier und zehn Prozent der weltweiten Körperschaftssteuereinnahmen. Mit Hilfe von 15 Einzelmassnahmen soll künftig sichergestellt werden, dass Unternehmen ihre Steuern in den Ländern entrichten, in denen sie auch ihre Einnahmen erzielen.

(rre/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabian Marc am 30.12.2015 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein US Geldesel 

    So endlich macht Europa das gleiche mit der USA wie die USA mit Europa. Geld einklagen.

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  • applefreak am 30.12.2015 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur Italien

    Der Weltweit "stärkste" Konzern und unterschlägt Steuern in Italien. Ich gehe davon aus, dass dies nicht nur in Italien der Fall ist.

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  • Bernadette am 30.12.2015 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Moral und Anstand den Multimächtigen

    Es wird wirklich Zeit, die entsprechenden CEOs in Untersuchungshaft nehmen zu können. Solche Steuersünden wurden schlussendlich von der Führungsebene (operativ UND strategisch) beauftragt/durchgewunken! Ich bin ebenfalls der Meinung, Bussengelder sollen auch teilweise von den Dividenden finanziert/abgezogen werden! Somit würde sich der Druck, endlich korrekt zu Geschäften, erhöhen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tony am 31.12.2015 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuerprivilegien

    Auch die Schweiz könnte bei den Steuern noch sehr hohe Summen reinholen, wenn alle Unternehmen gleich und nach den gleichen Masstäben besteuert würden. Die Steuer für alle könnten massiv gesenkt werden.

  • mike illusion am 31.12.2015 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unverständlich

    warum kauft jemand Produkte eines Unternehmens das nachweislich nirgens auf dieser Welt korrekt Steuern bezahlt? Sind style und gesellschaftliche Anerkennung so viel wichtiger als Geld für Schulen und öffentliche Einrichtungen?

    • realist am 31.12.2015 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @mike illusion

      Genau das selbe macht facebook auch..Geld und Macht treibt die Gier an

    • Ben am 31.12.2015 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @mike illusion

      Mmm... Da gibt's noch viel mehr unternehmen die so steuern sparen.... von dem her.

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  • stefan am 31.12.2015 04:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    es wird zur mode steuern zu hinterziehen und dann verhandlungen zu machen. versuche es auch mal

  • Kurt Oberle am 30.12.2015 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Wirtschaftsraum

    Das transatlantische Bündnis TTIP wird Europa und die USA in absehbarer Zeit zum weltweit stärksten 800-Mio.-Wirtschaftsraum zusammenführen. Durch die Angleichung der Gesetze und technischen Standards sowie die engere politische Zusammenarbeit werden gegenseitigen Strafzahlungen wegen Gesetzesbruch dann viel weniger vorkommen. Alle EU-Länder wollen das Bündnis. Vereinzelte Bürgerbewegungen werden das nicht verhindern können.

    • cycling_alex am 31.12.2015 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kurt Oberle

      Träum weiter! Mit diesem Abkommen werden die kleinen lokalen Unternehmen noch stärker unter Druck geraten und die grossen haben noch mehr Möglichkeiten ihre Macht auszuspielen

    • mike bigbang am 31.12.2015 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kurt Oberle

      das DIE LÄNDER das möchten kann ich vielleicht noch verstehen, aber nichtsdestotrotz bestehen die Länder aus Bürgern. Wenn mann vielleicht 80% dieser hilflosen Bürger während Jahren auszubeuten beginnen wird, was tatsächlich so kommen wird mit TTIP, dann wird dies wohl früher oder später zum grossen Knall führen. TTIP ist ein kriminelles Abkommen das zum Zerfall der Europäischen Kultur fphren wird. Dies wiederum steht ganz im interesse des "Erfinders". Warum unsere Staatsmänner und Frauen dem so nachhecheln lässt sich nur mit enorm hohen Geldgeschenken nachvollziehen.

    • Kurt Oberle am 31.12.2015 12:24 Report Diesen Beitrag melden

      mike bigbang

      Da nützt alles polemisieren nichts. Das transatlantische Abkommen wird kommen, weil alle EU-Länder dafür sind. Die vereinzelten Bürgerbewegungen werden das nicht verhindern können. Der Vertrag wird durch EU-Unterhändler ausgehandelt. Denen kriminelles Handeln vorzuwerfen ist recht gewagt. Die Schweiz sitzt nicht am Verhandlungstisch, muss jedoch bei Vertragsabschluss die Kröte, die ohne sie ausgehandelt wurde, ebenfalls schlucken.

    • Dagobert am 01.01.2016 01:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kurt Oberle

      ja das ist der bittere Nachgeschmack weil wir ja immer so unabhängig sein wollten.

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  • cycling_alex am 30.12.2015 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apple mit zuviel Macht

    Eine Frechheit, unglaublich wie viel Macht dieses Unternehmen hat. Wie kann sich ein Staat hier nur so erpressen lassen, geschuldete Steuern einfach drücken. Apple ist geladen mit krimineller Energie und wird von den USA geschützt.

    • Heinz Maier am 30.12.2015 21:01 Report Diesen Beitrag melden

      Angebot und Nachfrage

      Jene Apple-User sind diejenigen welche Apple die Macht geben. Würde niemand ein Apple Produkt verwenden hätte Apple gar nichts zu sagen. Also seid ein wenig vorsichitg mit den Behauptungen - Der User resp. die Kunden aller Unternehmen entscheiden wie viel Macht ein Unternehmen haben kann. Es ist niemals das Unternehmen selbst.

    • Vini am 31.12.2015 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @cycling_alex

      leider sind wir fast alle im Apple Fieber, die können Preise machen wie die wollen, wir werden immer bezahlen.

    • ... am 31.12.2015 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heinz Maier

      Du bringst es auf den Punkt! All die Kommentare sind überflüssig und denkt ihr wirklich das Apple die einzigen sind die das so praktizieren???? Wo ist eigentlich Ferrero angemeldet... Bestimmt nicht in Italien...also hört auf. Es geht nicht darum ob es ein US oder EU Unternehmen ist... Es ist einfach so weil es Menschen sind und Menschen sind gierige Wesen..

    • Tino am 31.12.2015 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Vini

      Die Preise sind gesunken in den letzten Jahren weil die Nachfrage gestiegen ist !

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