Postauto-Affäre

13. Februar 2018 07:21; Akt: 13.02.2018 07:42 Print

Ruoff heuert Experten für Kommunikation in Krise an

von S. Spaeth - Wegen der Postauto-Affäre steht Post-Chefin Susanne Ruoff mit dem Rücken zur Wand. Nun wird bekannt: Die Post hat externe Fachleute für Krisenkommunikation geholt.

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Post-Chefin Sussanne Ruoff hat sich im Fall Postauto externe Hilfe geholt: Es handelt sich um namhafte Kommunikations- und Strategieexperten aus der Branche, die mitunter die grossen Akteure der Schweizer Wirtschaft und Politik beraten. Wie fest sitzt Susanne Ruoff noch im Sattel? Diese Woche tragt der Post-Verwaltungsrat. Die Post musste das Fehlverhalten ihrer Tochtergesellschaft Postauto nach einer Untersuchung des Bundesamts für Verkehr eingestehen. Im Bild: Konzernleiterin Ruoff an der Medienkonferenz vom 6. Februar 2018. Die Post wird mindestens 78 Millionen Franken zurückerstatten müssen: ein Postauto im Goms. (22. Januar 2018) «Die mit der Untersuchung beauftragten externen Experten werden direkt an mich rapportieren», so Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller. «Ich bin enttäuscht über die Vorgänge bei Postauto AG», heisst es in einer Stellungnahme von Bundesrätin Doris Leuthard. Post-Chefin Ruoff habe sich anlässlich der Revision vorbildlich verhalten, sagt BAV-Direktor Peter Füglistaler. Die Postauto AG nahm jahrelang gesetzeswidrige Umbuchungen vor: ein Doppelstockbus in Engelburg. (19. Mai 2017) Musste nach einer langen Karriere unrühmlich abtreten: Postauto-Chef Daniel Landolf. (22. Mai 2012) Die Post musste einräumen, dass ihre Tochtergesellschaft zwischen 2007 und 2015 zu hohe Gewinne im abgeltungsberechtigten Busverkehr erzielt und in andere Geschäftsfelder umgebucht hat: Ruoff mit Finanzchef Alex Glanzmann (links) und Kommunikationschef Marco Imboden (6. Feburar 2016)

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Wenn Chefs und ihre hausinternen Kommunikationsabteilungen Rat brauchen – oder sich absichern wollen –, kommen sie an Bord: externe Experten für Kommunikation oder Reputationsmanagement. Sie entwerfen Strategien, um Firmen, deren Produkte und deren Exponenten wieder ins rechte Licht zu rücken. Einer der Hauptjobs: die Aussensicht einnehmen, die direkt Betroffene nicht haben können.

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Die Post-Chefin soll ...

Dies ist nun auch bei der Post der Fall. Sie hat sich in der Postauto-Affäre Experten für Krisenkommunikation engagiert: «Dies entspricht der üblichen Vorgehensweise, wenn ein Geschäft – beispielsweise auch im rechtlichen Bereich – eine unabhängige und spezielle Aussensicht von Spezialisten benötigt», bestätigt Post-Sprecher Oliver Flüeler die Informationen von 20 Minuten. Zu Namen will sich die Post nicht äussern. 20 Minuten weiss: Es handelt sich um namhafte Kommunikations- und Strategieexperten aus der Branche, die mitunter die grossen Akteure der Schweizer Wirtschaft und Politik beraten.

Auf die Vorbereitung kommt es an

«Krisenkommunikation muss man minutiös vor der Krise vorbereiten. Das gilt auch für Fälle, in denen es um Fehlverhalten der Chefs geht», sagt Krisenkommunikationsexperte Sacha Wigdorovits zu 20 Minuten: Ansonsten mache man genau jene Fehler, die Frau Ruoff seit Beginn der Krise um die Postauto AG gemacht habe. Dazu zählt Wigdorovits, dass Ruoff, statt sich Asche aufs Haupt zu streuen, jegliche Schuld von sich gewiesen hat. Öffentlich verantwortlich gemacht hat Ruoff den Postauto-Chef, der zurücktreten musste.

Den zweiten Fehler sieht Wigdorovits darin, dass Susanne Ruoff nicht von sich aus zurückgetreten ist, so wie das etwa 2011 der damalige UBS-Chef Oswald Grübel im Fall des Fehlverhaltens des Investmentbankers Kweku Adoboli getan hat. Oder der frühere Sonova-Verwaltungsratspräsident Andy Rihs, als in seinem Unternehmen Insidervorwürfe gegen das Topmanagement laut wurden, die sich später in Luft auflösten.«Damit hätte Ruoff mindestens für die Zukunft ihr Gesicht gewahrt», so Wigdorovits.

Dank Trick 78 Millionen Franken eingestrichen

Post-Chefin Susanne Ruoff ist unter Druck geraten, seit letzte Woche bekannt wurde, dass die Post-Tochter Postauto zwischen 2007 und 2015 dank buchhalterischen Schummeleien ungerechtfertigte Subventionen einstrich. Es geht um mindestens 78 Millionen Franken, die die Post zurückzahlen muss.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Waterpolo1s am 13.02.2018 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..... jetzt wird Geld verbraten! :-((

    Da wimmelt es von mega teuren Experten!!! .... jetzt wird so richtig Geld ausgegeben :-(((

    einklappen einklappen
  • Ro sche am 13.02.2018 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    noch mehr Geld

    Und wer bezahlt?

    einklappen einklappen
  • Lorry am 13.02.2018 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja - das ging eohl in die Hose!

    Super Job! 1. Regel: Solche Experten arbeiten im Hintergrund!!! Ich empfehle den Auftrag zu stornieren...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Keller am 14.02.2018 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beratungen für Rouff + Co

    Ich hoffe nur dass diese externen Leute von den ungerecht hohen Salären der Betroffenen beraubt werden. Nicht dass hier der Steuerzahler schon wieder das Nachsehen hat.

  • Andrea am 14.02.2018 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Provokation

    nach der inkompetenz noch geld ausgeben? Dieses jahr zahle ich die steuern Wenn wir alles tun würden, dann würden sie springen... leider nutzen wir unsere macht nicht

  • Martial2 am 14.02.2018 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seine Fehler zugeben...

    Primarlehrerin dann in die Wirtschaft, IBM Chefin, war auch nicht das Gelbe vom Ei und jetzt ein solcher Skandal bei der Post. Diese Dame ist wirklich fehl am Platz. Wenn die Situation geklärt ist, dann sofort zurücktreten. Das ist für die Post ein sehr schlechtes Image!

  • Maik am 14.02.2018 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Expertentip

    hier die Kommunikation- umsonst: "ich werde dazu beitragen, den Sachverhalt rückhaltlos aufzuklären und Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen - auch ich bin mir meiner Verantwortung bewusst"

  • I.St am 14.02.2018 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuerzahler sind die Geschädigten

    Und wer ist der Geschädigte? Der Steuerzahler. Denn von seinen Steuern werden die Subventionen an Postauto bezahlt.