Plädoyer der Anklage

08. November 2012 18:48; Akt: 09.11.2012 11:24 Print

«Adobolis Verteidigung ist lächerlich»

Im Prozess des Ex-UBS-Bankers Kweku Adoboli hielt die Anklage ihr Schlussplädoyer. Adoboli habe «rücksichtslos und betrügerisch» gehandelt, seine Rechtfertigungen seien geradezu «absurd».

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Am sagte Kweku Adoboli sagt zum ersten Mal aus. Dabei betonte der frühere Makler der UBS, er habe nicht wie ein Verbrecher gehandelt, als er bei seinen Aktivitäten 2,3 Milliarden Dollar verloren habe. Die Verluste seien erst entstanden, nachdem ihm seine Vorgesetzten und Arbeitskollegen angedeutet hätten, im Juli 2011 statt auf eine pessimistische auf eine optimistische Sichtweise zu setzen. Der UBS-Wertpapierhändler Kweku Adoboli steht seit dem in London vor Gericht. In den ersten sechs Wochen des Prozesses waren ehemalige Kollegen und solche UBS-Mitarbeitern als Zeugen gehört worden, die für die interne Überwachung und Kontrolle zuständig waren. Die Verteidigung ist bestrebt nachzuweisen, dass Adoboli mit der stillschweigenden Duldung seiner Vorgesetzten handelte. Zudem seien die internen Kontrollen zu lax gewesen und die Systeme hätten nicht immer richtig funktioniert. Die Staatsanwälte hingegen wollen die Geschworenen davon überzeugen, dass Adoboli ein Zocker war, der aus Ehrgeiz und weil er auf hohe Erfolgsprämien scharf war, unerlaubt Risiken einging und eine «Betrugspyramide» aufbaute. Fertig lustig: Der UBS-Händler Kweku Adoboli wurde am einem Londoner Gericht vorgeführt. Der Ernst der Lage scheint Adoboli ins Gesicht geschrieben. Bei seinem ersten Gang zum Richter am zeigte er sich noch erstaunlich gut gelaunt. Er scheint noch nicht richtig begriffen zu haben, was auf ihn zukommt. Bei der Einvernahme durch den Richter am ist er ernst. Der 31-Jährige werde mindestens bis zu seiner nächsten Anhörung am im Gefängnis bleiben, teilte die zuständige Richterin in London mit. Den bisherigen Anklagepunkten sei ein weiterer hinzugefügt worden. Es gehe um Betrug im Zeitraum zwischen Oktober 2008 und Dezember 2010. Der aus Ghana stammende Händler war in der vergangenen Woche festgenommen worden. Ihm werden Betrug durch den Missbrauch seiner Stellung und die Fälschung von Bilanzen vorgeworfen. Der Händler war im Londoner Büro der UBS für den Bereich der Exchange Traded Funds zuständig, also für Börsenprodukte, die Aktienindizes wie den SMI abbilden.

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Im Betrugsprozess gegen den früheren UBS-Händler Kweku Adoboli hat die Anklage in ihrem Schlussplädoyer keine mildernden Umstände gelten lassen. Der Händler habe durch sein rücksichtsloses und betrügerisches Vorgehen den grössten Verlust in der britischen Bankengeschichte verursacht, sagte die Anklagevertreterin Shasa Wass am Donnerstag.

Als geradezu absurd bezeichnete Wass die Aussage Adobolis, er sei von seinen Vorgesetzten bei der UBS zu den Geschäften ermutigt wurden, die bei der Bank zu einem Verlust von 2,3 Mrd. Dollar führten.

Adoboli, dem Betrug und Urkundenfälschung vorgeworfen werden, steht seit Mitte September vor einem Geschworenengericht im Londoner Southwark Crown Court. Nach Ansicht der Anklage war er ein waghalsiger Zocker, der aus Ehrgeiz - und weil er auf hohe Erfolgsprämien scharf war - unerlaubt Risiken einging und seine verbotenen Geschäfte mit geheimen Konten tarnte.

Adoboli gab vor Gericht zu, dass er mit geheimen Konten arbeitete und gegenüber Mitarbeitern in den Abwicklungsabteilungen der Bank nicht die Wahrheit sagte. Den Vorwurf, in betrügerischer Absicht gehandelt zu haben, wies er zurück. Doch genau von dieser Betrugsabsicht müssen die Geschworenen überzeugt sein, wenn sie ihn schuldig sprechen.

«Fantasie-Gebilde»

Er habe, so argumentierte der ehemalige Händler für börsennotierte Indexfonds (ETF), immer nur das Beste für die Bank im Auge gehabt. Die Bank habe Gewinne sehen wollen. Wie sie zustande kamen, habe niemanden gekümmert. Seine Kollegen hätten von seiner Arbeitsweise gewusst und manchmal selbst so gearbeitet.

Das liess die Anklägerin nicht gelten. Es sei ein Fantasie-Gebilde, dass die Bank gewusst oder gar gebilligt habe, was Adoboli tat. «Seine Verteidigung ist lächerlich», sagte Wass. Adoboli habe gleich gehandelt wie der französische Händler Jérôme Kerviel, der bei der Grossbank Société Générale durch missglückte Spekulationen einen Schaden von 4,9 Mrd. Euro verursachte.

Die UBS habe ihre Investmentbanker 2008 und 2010 in Rundschreiben vor Kerviel gewarnt und darauf hingewiesen, dass so etwas nicht geduldet werde und strafbar sei. Der Franzose wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und scheiterte letzten Monat in der Berufung.

Mit dem Schlussplädoyer der Anklage geht das neunwöchige Verfahren gegen Adoboli in die Schlussphase. Am Freitag soll die Verteidigung plädieren. Anfang der kommenden Woche wird der Richter den Fall für die Geschworenen zusammenfassen, die sich dann zur Urteilsberatung zurückziehen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anti Investmentbanking am 08.11.2012 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer dasselbe

    Er hat nur seinen job gemacht, bestraft werden sollten die eigentlichen drahtzieher!!!

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  • Hans B. am 08.11.2012 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut aber nur halb.

    Volle Bestrafung aber so was von da hätten wir das Geld besser investieren können. Aber was bringts uns den in die Kiste zu sperren wo er auf unsere Steuern noch schön Fernseh schauen kann auf unsere Steuerkosten? Er ist kein Gewalttäter. Der sollte eher den Schaden wieder gut machen nur wie arbeitet man in einem Leben 2 Mrd. Franken ab? Da müsste man was besseres finden.

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  • Ganz einfach am 09.11.2012 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schuld

    sind immer die Anderen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lars am 09.11.2012 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Locker Zocker

    Adobolis mag ein Zocker gewesen sein, aber solche Beträge kann man nicht versteckt handeln. Ich finde wenn jemand bestraft wird, vielmer die Leute die in eingestellt haben!

  • Ganz einfach am 09.11.2012 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schuld

    sind immer die Anderen.

  • der, der da war am 08.11.2012 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Ei gleicht dem anderen

    Es kann doch keiner glauben dass er allein gehandelt hat. Sowas kann man nicht einfach so unterm deckel halten. Ich glaube er war/ist ein Zocker aber seine chef's und mitarbeiter sind nicht besser. wenn überhaupt, haben sie einfach mehr glück gehabt dass es sie nicht erwischt hat.

    • manu am 09.11.2012 10:23 Report Diesen Beitrag melden

      wie recht sie

      mit grosser wahrscheinlichkeit haben. und trotzdem dürfen sie das nicht öffentlich äussern ohne angst vor einer anzeige wegen verleumnung etc. haben. so ist sie unsere welt, meine ist es immer weniger.

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  • Anti Investmentbanking am 08.11.2012 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer dasselbe

    Er hat nur seinen job gemacht, bestraft werden sollten die eigentlichen drahtzieher!!!

    • Urs Fischer am 09.11.2012 11:54 Report Diesen Beitrag melden

      Nur seinen Job

      Es war seine Entscheidung diesen Job zu machen und diese Entscheidungen zu treffen. Natürlich sollte er für seine unermässliche Gier auf Kosten anderen bestraft werden. Genau so allerdings die eigentlichen Drahtzieher. Aber das ganze Treiben wird ja insgeheim von der Politik unterstützt. Lobbyismus überall!

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  • Hans B. am 08.11.2012 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut aber nur halb.

    Volle Bestrafung aber so was von da hätten wir das Geld besser investieren können. Aber was bringts uns den in die Kiste zu sperren wo er auf unsere Steuern noch schön Fernseh schauen kann auf unsere Steuerkosten? Er ist kein Gewalttäter. Der sollte eher den Schaden wieder gut machen nur wie arbeitet man in einem Leben 2 Mrd. Franken ab? Da müsste man was besseres finden.

    • einfach labern am 09.11.2012 07:33 Report Diesen Beitrag melden

      keine ahnung

      1. ist er wenn schon straftäter aber sicher KEIN gewalttäter 2. sitz er die strafe wohl kaum in der schweiz ab wenn er in england vor gericht steht

    • Tom Grassu am 09.11.2012 11:25 Report Diesen Beitrag melden

      Vorgeschobene Marionette

      1. Der wird sicher nicht uns auf dem Portemonnaie liegen, wenn er seine Strafe absitzt, die Gerichtsverhandlung ist nämlich in London. 2. Natürlich hat er Geld verzockt und ein Scheingebilde aufgebaut, aber davon haben sicher einige Leute gewusst und er wurde erwischt. 3. Natürlich muss der bestarft werden

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