Adoboli vor Gericht

29. Oktober 2012 21:11; Akt: 29.10.2012 21:11 Print

«Ich liess mich von Kollegen beeinflussen»

Der Ex-UBS-Händler Kweku Adoboli stand erneut im Zeugenstand. Er gab Kollegen die Schuld am 2,3-Milliarden-Verlust: Es wäre nie dazu gekommen, hätten sich die nicht über ihn lustig gemacht.

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Am sagte Kweku Adoboli sagt zum ersten Mal aus. Dabei betonte der frühere Makler der UBS, er habe nicht wie ein Verbrecher gehandelt, als er bei seinen Aktivitäten 2,3 Milliarden Dollar verloren habe. Die Verluste seien erst entstanden, nachdem ihm seine Vorgesetzten und Arbeitskollegen angedeutet hätten, im Juli 2011 statt auf eine pessimistische auf eine optimistische Sichtweise zu setzen. Der UBS-Wertpapierhändler Kweku Adoboli steht seit dem in London vor Gericht. In den ersten sechs Wochen des Prozesses waren ehemalige Kollegen und solche UBS-Mitarbeitern als Zeugen gehört worden, die für die interne Überwachung und Kontrolle zuständig waren. Die Verteidigung ist bestrebt nachzuweisen, dass Adoboli mit der stillschweigenden Duldung seiner Vorgesetzten handelte. Zudem seien die internen Kontrollen zu lax gewesen und die Systeme hätten nicht immer richtig funktioniert. Die Staatsanwälte hingegen wollen die Geschworenen davon überzeugen, dass Adoboli ein Zocker war, der aus Ehrgeiz und weil er auf hohe Erfolgsprämien scharf war, unerlaubt Risiken einging und eine «Betrugspyramide» aufbaute. Fertig lustig: Der UBS-Händler Kweku Adoboli wurde am einem Londoner Gericht vorgeführt. Der Ernst der Lage scheint Adoboli ins Gesicht geschrieben. Bei seinem ersten Gang zum Richter am zeigte er sich noch erstaunlich gut gelaunt. Er scheint noch nicht richtig begriffen zu haben, was auf ihn zukommt. Bei der Einvernahme durch den Richter am ist er ernst. Der 31-Jährige werde mindestens bis zu seiner nächsten Anhörung am im Gefängnis bleiben, teilte die zuständige Richterin in London mit. Den bisherigen Anklagepunkten sei ein weiterer hinzugefügt worden. Es gehe um Betrug im Zeitraum zwischen Oktober 2008 und Dezember 2010. Der aus Ghana stammende Händler war in der vergangenen Woche festgenommen worden. Ihm werden Betrug durch den Missbrauch seiner Stellung und die Fälschung von Bilanzen vorgeworfen. Der Händler war im Londoner Büro der UBS für den Bereich der Exchange Traded Funds zuständig, also für Börsenprodukte, die Aktienindizes wie den SMI abbilden.

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Der im Zusammenhang mit einem Milliardenverlust der Grossbank UBS angeklagte frühere Wertpapierhändler Kweku Adoboli hat sich nach seinen Worten bei der Wahl seiner am Ende verlustreichen Handelsstrategie von Kollegen und auch vom Chef des UBS-Investmentbanking beeinflussen lassen.

Im Mai und Juni des letzten Jahres habe er im Handel mit börsennotierten Indexfonds (ETF) auf fallende Kurse gesetzt, erklärte der 32 Jahre alte Händler am Montag vor Gericht. Kollegen hätten ihn wegen seiner Vorsicht verspottet, und er habe dann am 1. Juli die Strategie umgestellt und auf steigende Märkte spekuliert. Als die Märkte später einbrachen, sei es zu dem Mitte September zutage getretenen Handelsverlust von 2,3 Mrd. Dollar gekommen.

Wenn er bei seinen ursprünglichen Handelspositionen geblieben wäre, hätte er anstelle der Verluste einen Gewinn für die Bank eingefahren, erklärte er vor den Geschworenen des Londoner Southwark Crown Court.

Auch Kengeter setzte auf steigende Märkte

Unter den Personen, die bei ihm einen Sinneswandel ausgelöst hätten, war nach seinen Worten auch der Chef des UBS- Investmentbanking, Carsten Kengeter. Der habe die ETF- Handelsabteilung am 12. Juli besucht und bei dieser Gelegenheit erklärt, er rechne mit steigenden Märkten. Als einfacher Händler habe er die Worte seines obersten Chefs nicht ignorieren können, sagte Adoboli.

Adoboli wird Betrug in zwei Fällen und Urkundenfälschung in vier Fällen vorgeworfen. Er plädiert auf nicht schuldig. Nach Ansicht der Anklage war er ein waghalsiger Zocker, der aus Ehrgeiz - und weil er auf hohe Erfolgsprämien scharf war - unerlaubt Risiken einging. Mittels fiktiver Buchungen und Konten habe er eine «Betrugspyramide» aufgebaut.

Nach Ansicht seiner Verteidiger konnte Adoboli mit der stillschweigenden Duldung seiner Vorgesetzten rechnen, solange er Gewinne machte. Die internen Kontrollen seien zu lax gewesen und die Computersysteme hätten nicht immer richtig funktioniert.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Plumber Joe am 30.10.2012 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Bänkerlatein

    Und wenn ich die richtigen Zahlen angekreuzt hätte, wäre der Jackpot in meinem Sack gelandet!

  • Ein Skeptiker am 30.10.2012 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Niemals...

    wird er "eingebuchtet". Er kommt garantiert mit einer Bewährungsstrafe davon, weil er ja nur das Opfer ist. Wenn ich in die BKB Filiale renne und 50tsd Franken klaue bekomme ich 5 bis 8 Jahre, bei mehreren Mia. und einem cleveren Vorgehen passiert nichts. Und das Argument er hätte sich selbst nicht bereichert zählt nicht - wenn er es geschafft hätte der UBS mehrere Mia. Gewinn zu bringen, wären die Boni für ihn ins unermessliche gestiegen! Das nennt man dann wohl "Karriere um jeden Preis"

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  • MAD am 29.10.2012 23:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verteidiger entlassen, die zu sowas raten

    klar ka ist der sündenbock und das tut mir leid für ihn. aber was ist das für eine verteidigung: die anderen haben gesagt... (kindergarten/gruppenzwang). keine kontrollen und pc's gehen nicht... ich klaue auch kein kaufhaus leer, wenn der security 500kg schwer ist und die videokamera nicht immer aufzeichnet. das ist kinderstube. da hätte er besser gar nichts gesagt. positiv daran ist, dass wir durch ihn 10'000 seiner risikofreudigen ex-kollegen nicht mehr in einer ch-bank haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli Nasser am 30.10.2012 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ausrede

    So kann's gehen, wenn der Porsche als Penisersatz gebraucht wird.

  • Anonymous am 30.10.2012 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Das war genau das Problem

    Solange alles gut geht, wird ein System immer lascher. Sei es aus persönlichen oder geschäftlichen Gründen versucht es jeder immer mehr auszunutzen - bis es irgendwann scheppert

    • Supermario am 01.11.2012 13:23 Report Diesen Beitrag melden

      Genau, wo denn?

      Klar, jeder Trend wird einmal gebrochen und erst dieser Bruch setzt Erkenntnisse (hoffentlich) frei, welche zum Nachdenken anregen sollte.

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  • Ein Skeptiker am 30.10.2012 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Niemals...

    wird er "eingebuchtet". Er kommt garantiert mit einer Bewährungsstrafe davon, weil er ja nur das Opfer ist. Wenn ich in die BKB Filiale renne und 50tsd Franken klaue bekomme ich 5 bis 8 Jahre, bei mehreren Mia. und einem cleveren Vorgehen passiert nichts. Und das Argument er hätte sich selbst nicht bereichert zählt nicht - wenn er es geschafft hätte der UBS mehrere Mia. Gewinn zu bringen, wären die Boni für ihn ins unermessliche gestiegen! Das nennt man dann wohl "Karriere um jeden Preis"

    • Supermario am 01.11.2012 13:20 Report Diesen Beitrag melden

      Schon ein Unterschied.

      Im Unterschied zu Raub, wo direkt fremdes Eigentum unrechtmässig angeeignet wird - meistens auch unter Mordzwang - hat ein Händler den AUFTRAG, mit bankeigenem Geld zu arbeiten. Inwieweit damit dann Schindluder getrieben wird ist eine andere Sache; eine gewisse Differenz besteht hingegen schon!

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  • Plumber Joe am 30.10.2012 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Bänkerlatein

    Und wenn ich die richtigen Zahlen angekreuzt hätte, wäre der Jackpot in meinem Sack gelandet!

  • Bruno Meier am 30.10.2012 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch und nicht lernfähig

    Der hat aber schnell gelernt von seinem Management. Bei denen sind auch immer die anderen Schuld und sind nicht in der Lage selbstverantwortung zu übernehmen

    • trkfrk am 30.10.2012 11:11 Report Diesen Beitrag melden

      True Story

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