Hilfe für Minder

04. Dezember 2012 07:12; Akt: 04.12.2012 07:13 Print

Unternehmer haben Nase voll von Abzockern

von Simon Hehli - Thomas Minder kriegt Rückendeckung: Ein Mafiajäger, ein Handykönig und ein Bankier spannen zusammen, um die Abzocker-Initiative vor den Economiesuisse-Millionen zu retten.

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Thomas Minders Gegner gehen zur Offensive über: Am Montag stellten FDP, CVP, GLP und BDP ihr Komitee gegen die Abzockerinitiative vor. Um den derzeitigen Ja-Anteil von rund 75 Prozent zu kehren, buttert der Wirtschaftsverband Economiesuisse bis zu acht Millionen Franken in die Abstimmung, die am 3. März stattfindet.

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Minder gibt sich gerne als Einzelkämpfer. Doch er hat Verbündete. Nicht nur sprachen sich SP und Grüne für seine Initiative aus. Wie 20 Minuten Online exklusiv weiss, tritt nun auch ein Verein von bürgerlich-liberalen Unternehmern in Erscheinung. Sie wollen die finanzielle Übermacht der Economiesuisse brechen.

SVP-Mann gegen Blocher

Präsident des Vereins «Volk gegen Abzocker» ist der frühere Mafiajäger und Jusprofessor Paolo Bernasconi, der wohl auch im Patronatskomitee der Abzocker-Initiative sitzen wird. Ihm zur Seite stehen Hansrudolf Schmid, Chef der von Hongkong aus operierenden Investment-Firma HSZ Group, sowie Mobilezone-Mitbegründer und Multimillionär Hans-Ulrich Lehmann.

Die Personalie Lehmann ist brisant: Der Handykönig ist Mitglied der Zürcher SVP und stellt sich nun gegen Christoph Blocher, der die Abzocker-Initiative ablehnt. Doch die Probleme zwischen Blocher und Minder interessierten ihn nicht, sagt Lehmann. «Ich hoffe, mein Engagement hilft mit, dass sich die SVP-Delegierten für eine Unterstützung der Initiative entscheiden.» Der von Blocher favorisierte Gegenvorschlag sei nicht wasserdicht und lasse etwa goldene Fallschirme zu.

«Bin kein Sozialist, aber…»

Der Verein von Lehmann und Co. will verhindern, dass der zuweilen als Polterer auftretende Minder bürgerliche Stimmbürger abschreckt. «Wir möchten auch jene vernünftigen, mittelständigen Leute ansprechen, die nicht einfach die Faust im Sack machen», sagt Hansrudolf Schmid. «Der Tisch jener, welche die Boni sprechen und selber auch noch abkassieren, ist reich besetzt – nur nicht mit jenen, welche die Zeche bezahlen: den Aktionären.»

Er sei alles andere als ein Sozialist, macht der frühere Investment-Banker Schmid klar. Und ihm gehe es auch nicht um die Höhe der Boni an sich. Aber nach dem Sieg über den Kommunismus habe der Kapitalismus angefangen, sich selber zu zersetzen. «Die Manager sehen nicht mehr das Wohl des Unternehmens, sondern nur noch die eigene Tasche.»

Minder freuts

Economiesuisse-Chef Pascal Gentinetta glaubt durch die Initiative den Wirtschaftsstandort Schweiz und damit Arbeitsplätze gefährdet. Das sei verlogen und Angstmache, hält Bankier Schmid dagegen. «Boni-Jäger sollen ruhig gehen», sagt er, «denn kein Unternehmen fährt gut damit, wenn es sich auf gierige Angestellte abstützt.»

Thomas Minder selbst sagt, er sei froh um jede Unterstützung – vor allem, wenn sie aus dem Volk komme. «Da wird es in den nächste Wochen eine starke Eigendynamik geben», hofft der Schaffhauser Ständerat. Er überlege sich noch, ein neues politisches Komitee zu gründen – und auch seine Unterstützer von Links an Bord zu holen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin Kunzi am 06.12.2012 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Pensionskassen müssen abstimmen

    Praktisch jeder ist mit 1., 2. und 3. Säule Aktionär der grossen Firmen in der Schweiz. Deshalb müssen Pensionskassen an Generalversammlungen abstimmen dies verlangt die Minder-Initiative. Der Gegenvorschlag verlangt dies nicht. Mündige Aktionäre können wir alle also nur werden, wenn die Minder-Initiative umgesetzt wird. Der Gegenvorschlag ist ein zahnloser Papiertiger.

  • Tom Hächler am 05.12.2012 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Was nun ?

    Für mich war klar dass Hr. Minder die Unterstützung vom Volk bekommen MUSS, doch nun kommt der Gegenvorschlag und den möchte ich genauestens prüfen denn es ist schwierig die Stolperfallen sofort zu erkennen. Entscheidend für mich wird die schärfere und schnellere Variante sein, denn das Fass ist schon lange voll. Die Abzockerei MUSS gebodigt werden und zwar schnell !

    • Ulrich Halter am 06.12.2012 19:12 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Genau

    einklappen einklappen
  • Andrea Meier am 05.12.2012 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    @ Herr Alex Schneider

    An Herr Schneider und alle JA-Sager, Sie müssen wissen, dass wenn die Initiative angenommen wird, der ganze Umsetzungsprozess noch VIEL VIEL länger geht, als wenn der Gegenvorschlag angenommen wird. Die Initiative müsste bei Annahme erneut im Parlament diskutiert werden und dies dauert sehr lange. Als Beispiel hier die Ausschaffunginitiative, die noch NICHTS bewirkt hat!!! Übrigens geht der Gegenvorschlag sogar weiter in der Stärkung der Aktionärsrechte als die I.!! UND: In der Initiative wird KEIN EINZIGES Mal das Wort "Boni" erwähnt. Die Initiative nützt NICHTS gegen Boni und horende Löhne!!

  • Alex Murer am 05.12.2012 07:49 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach mal sich informieren!

    Gerne wüsste ich, wieviele Ja-Sager hier den Gegenvorschlag kennen.... Ich denke nicht sehr viele, ansonsten würden Sie nicht Ja sagen, sondern dem Gegenvorschlag zustimmen. Bitte immer alle Fakten prüfen und nicht einfach emotional ja sagen!

  • Wütender Stimmbürger am 05.12.2012 06:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nachdem die politische Lobby

    der Abzocker, über Jahre eine Abstimmung erfolgreich verzögert hat und nun die Initiative Minder noch mit einem Gegenvorschlag pervertieren will, bleibt dem Stimmbürger nur eine klare Antwort: Ein klares, eindeutiges JA zur Initiative Minder.