Noch nichts verloren

14. Januar 2013 21:03; Akt: 15.01.2013 09:08 Print

Minder & Co. geraten zu früh in Panik

von S. Hehli - Die jüngste Umfrage prophezeit der Abzocker-Initiative einen Ja-Anteil von nur noch 54 Prozent. Minder-Mitarbeiter Claudio Kuster spricht von einer Katastrophe – und baut damit die Gegner auf.

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Claudio Kuster (ganz rechts, neben Thomas Minder) bezeichnet die jüngste Umfrage zur Abzocker-Initiative als Katastrophe. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

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Der «SonntagsBlick» verkaufte die von ihm in Auftrag gegebene Sondierung zur Abzocker-Initiative als «Umfrageschock für Blocher, Bosse und Bundesrat». Was dank der Alliteration schön tönt, zielt an der Realität vorbei: Denn geschockt waren nicht etwa die Gegner der Abzocker-Initiative – sondern Minder und Co. Claudio Kuster vom Initiativkomitee twitterte: «Ohje, nur 54% Ja, bereits 30% Nein, innert kürzester Zeit. Katastrophen-Umfrage im SoBli heute. Tja, 8 Mio. wirken :-(»

Umfrage
Glauben Sie, dass die Unterstützung für die Abzocker-Initiative auf nur noch 54 Prozent zusammengeschmolzen ist?
32 %
63 %
5 %
Insgesamt 2375 Teilnehmer

Was die Initianten betrübt: Sie büssten im Vergleich zu einer Umfrage im Mai deutlich an Zustimmung ein – von damals 77 Prozent sackten sie 23 Prozentpunkte ab. Die acht Millionen, von denen im Tweet die Rede ist, beziehen sich auf das Kampagnenbudget von Economiesuisse. Der Abstimmungskampf des Wirtschaftsdachverbands läuft auf Hochtouren: Die Plakate mit der Aufforderung, das Kleingedruckte der Initiative zu lesen, sind omnipräsent.

Eine nennenswerte Ja-Kampagne findet hingegen nicht statt. Das bürgerliche Unterstützungskomitee «Volk gegen Abzocker» hat bisher gerade mal 20'000 Franken gesammelt. Aus dieser Diskrepanz entspringt die Angst der Initianten, dass ihnen die Felle trotz der einst enormen Popularität ihres Anliegens davonschwimmen.

«So nehmen sie Dynamik aus der Kampagne»

Politexperte Michael Hermann hält es dennoch für verfehlt, jetzt pessimistisch, ja gar defätistisch zu kommunizieren. Schliesslich sei für die Initianten noch nichts verloren: «Es handelt sich nur um eine Umfrage, und die kann auch falsch sein» – Isopublic habe nicht dieselbe Erfahrung bei politischen Umfragen wie etwa das gfs von Claude Longchamp.

Hermann betont, Minder und seine Mitstreiter müssten jetzt Zuversicht ausstrahlen, zumal sie ja noch eine deutliche Mehrheit hätten. «Sonst nehmen sie Dynamik aus der Kampagne und bauen damit die Gegner der Initiative weiter auf.» Und das in einer heissen Phase: Laut Hermann wäre es für die Ja-Kampagne wichtig, nun prominente bürgerliche Überläufer präsentieren zu können. Doch diese werden kaum das Risiko auf sich nehmen, sich gegen die eigene Partei zu stellen, wenn selbst die Initianten öffentlich an ihren Erfolgschancen zweifeln.

Befürworter sprechen von Weckruf

Claudio Kuster sagt, er sei halt ehrlich und in seinem ersten Abstimmungskampf vielleicht auch ungeschickt. «Aber für mich ist es wirklich schlimm, wenn die Ja-Anteile derart massiv zusammenschmelzen.» Der Co-Initiant hält Hermann entgegen, es schade nichts, die Sympathisanten der Vorlage aufzurütteln. «Viele lehnten sich bisher zurück und glaubten, die Initiative sei ein Selbstläufer.» Immerhin kann Kuster den ersten CVP-Nationalrat im Pro-Komitee willkommen heissen: den altgedienten Waadtländer Jacques Neirynck.

SP-Nationalrätin und Minder-Verbündete Susanne Leutenegger Oberholzer versteht die Isopublic-Umfrage ebenfalls als Weckruf zur richtigen Zeit: «Jetzt müssen wir uns sputen, um den Vorsprung zu halten.» Die Baselbieterin möchte vor allem die Frauen wecken, bei denen die Zustimmungsrate zur Initiative laut Umfrage bei nur 46 Prozent liegt (Männer: 59 Prozent). Ob diese Zahlen überhaupt stimmen, bezweifelt Claudio Kuster – und damit die Aussagekraft der gesamten Umfrage: «Die Frauen hatten schon immer grosse Sympathien für unsere Initiative.»

Weniger Köpfe, mehr Inhalte

Die SP verschickt nächste Woche eine Abstimmungszeitung mit einer Auflage von mehr als einer Million in die Schweizer Haushalte. Aufgrund der Pannen, die Economiesuisse bisher unterliefen, sei der Abstimmungskampf für die Pro-Seite zu gewinnen, glaubt SP-Kampagnenexpertin Min Li Marti. «Doch dafür müssen wir den stark personalisierten Abstimmungskampf auf eine inhaltliche Ebene bringen.» Einen Anhaltspunkt, ob das gelingt, wird in etwa zwei Wochen die gfs-Umfrage im Auftrag von SRF liefern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D.B. am 15.01.2013 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SVP soll sich besinnen..

    Sosehr ich Blocher auch schätze..hier hat er irgendwie den Faden verloren.

  • Dürr am 14.01.2013 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NEIN

    Jeder Schweizerbürger der dem Wirtschaftsstandort Schweiz keinen Schaden zufügen möchte wird mit einem klaren NEIN abstimmen. Gottseidank wachen allmählich auch die ewigen Nörgler und Neider auf!

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  • Fritz am 15.01.2013 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Annehmen, sonst wird sich nichts ändern

    Schweizer volk, wollt ihr etwas verbessern im system? Dann kann man NUR ja stimmen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Werner Bundi Chur am 15.01.2013 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte keine Panik für die Befürworter

    Nach jahrelangem Ärgernis mit den sog. Topmanager unserer Wirtschaft mussten wir (normale Bürger) immer wieder zur Kenntnis nehmen, dass die exorbitanten Saläre, Antrittsprämien, Abgangsentschädigungen und Boni nur Marktgerecht seien und bezahlt werden müssen. Nun hat der Stimmbürger mit der Minder Initiative endlich ein Instrument wo er dem treiben Einhalt gebieten kann. Warum wohl setzen die Gegner Millionen ein zum ein Ja zu verhindern. Die Antwort ist einfach: Abstimmen und ein kräftiges Ja in die Urne legen. Basta

  • Franziska B. am 15.01.2013 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schaffhauser

    Thomas Minder, wir stehen hinter Ihnen. Auf uns können Sie zählen.

  • Fritz am 15.01.2013 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Annehmen, sonst wird sich nichts ändern

    Schweizer volk, wollt ihr etwas verbessern im system? Dann kann man NUR ja stimmen.

  • SVPler am 15.01.2013 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    @Christoph Blocher

    Ich glaube ich bin in der falschen Partei. Machen Sie's gut. Ich bin dann mal weg.

    • Werner Bundi Chur am 15.01.2013 17:15 Report Diesen Beitrag melden

      Christoph Blocher

      Ich bin auch weg. Aber für längere Zeit. Schade für die SVP die ansonsten weitsichtiger Denkt. Hoffen, dass es in dieser Partei auch noch Menschen mit klarem Kopf hat und ein ja in die Urne werfen wenn auch ungern. Aber 10 mal besser als der Indirekte Gegenvorschlag wo sich i.d.S. gar nichts bewegen wird.

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  • Sonusfaber am 15.01.2013 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung! Achtung!

    Fast all jene, die hier für eine ABLEHNUNG der Minder-Initiative plädieren, kommen zwar wortgewandt daher, ja beinahe zu wortgewandt für diese Plattform, ihre Argumente sind aber derart unglaubwürdig, derart an der Haaren herbeigezogen, dass man sich fragen muss: WER STECKT DAHINTER? Einiges deutet darauf hin, dass es sich um gut ausgebildete Leute, z. B. um Studenten, handelt, die (vielleicht von Economiesuisse) bezahlt werden, um Überzeugungsarbeit zu leisten!

    • Florian Forster am 15.01.2013 12:17 Report Diesen Beitrag melden

      Ja klar...

      Studenten und "gut ausgebildete Leute" sind 2 Paar Schuhe. Studis sind Theoretiker, haben aber meist keinen Plan von Praxis ;-)

    • Pit Rorschach am 15.01.2013 12:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Florian Forster

      Sie können aber wortgewandt schreiben!

    • Realist am 15.01.2013 13:17 Report Diesen Beitrag melden

      Kann Florian nur zustimmen

      Zu 200%!

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