Autokrise

09. Februar 2010 11:09; Akt: 09.02.2010 16:38 Print

Enormer Jobabbau bei OpelEnormer Jobabbau bei Opel

Der angeschlagene Autobauer Opel will in Deutschland rund 4000 Jobs streichen und fordert 1,5 Milliarden Euro (2,2 Milliarden Franken) Staatshilfe von Bund und Ländern. Europaweit sollen sogar 8300 Stellen wegfallen.

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«Wir werden ein europäisches Unternehmen formen, das profitabel ist und dauerhaft auf eigenen Füssen steht», sagte Opel-Chef Nick Reilly bei der Vorstellung des Sanierungsplans am Dienstag in Frankfurt am Main.

In Deutschland ist das Werk Bochum mit einem Minus von 1799 Stellen am stärksten vom Personalabbau betroffen. In Rüsselsheim sollen insgesamt 1639 Jobs wegfallen, in Eisenach und Kaiserslautern jeweils 300. Das Werk im belgischen Antwerpen mit fast 2400 Mitarbeitern wird wie bereits angekündigt ganz geschlossen. Durch den Personalabbau wollen Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall ihre Gesamtkapazität um 20 Prozent kürzen, eine Reaktion auf die gesunkene Nachfrage.

Noch keine Einigung mit Betriebsrat

Reilly bezifferte die Gesamtsumme, die Opel braucht, erneut auf 3,3 Milliarden Euro. Davon sollen die europäischen Regierungen 2,7 Milliarden geben. Der Rest käme von der Opel-Mutter General Motors. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erklärte in Berlin, Opel wolle von Bund und Ländern 1,5 Milliarden Euro Staatshilfe in Form von Kreditgarantien. Weitere 1,2 Milliarden Euro sollten durch Grossbritannien, Spanien, Polen und Österreich abgesichert werden.

Die IG Metall lehnte den Sanierungsplan ab und forderte Bund und Länder auf, dem Unternehmen keine Kreditgarantien zu gewähren. Die Arbeitnehmer würden diesen Plan nicht durch Lohnverzicht unterstützen, erklärten die für die deutschen Opel-Standorte zuständigen IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild und Oliver Burkhard. Reilly räumte ein, dass er sich mit dem Betriebsrat bislang nicht einigen konnte. Opel hat die Belegschaft zu einem Lohnverzicht von 265 Millionen Euro pro Jahr aufgefordert.

Der Opel-Chef versprach für die Jahre bis 2014 Investitionen von insgesamt elf Milliarden Euro. 80 Prozent des Produktportfolios würden in den kommenden Jahren erneuert. Zudem soll Opel nach Reillys Worten in Europa führend bei alternativen Antriebsformen werden, wie beispielsweise Elektromotoren. Nach dem am Dienstag vorgestellten Sanierungsplan soll das Unternehmen bereits im kommenden Jahr wieder eine schwarze Null schreiben und ab 2012 wieder Gewinne machen.

Koch reagiert zurückhaltend

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch forderte einen höheren Beitrag von General Motors. «Nach unserer ersten Einschätzung wird es geboten sein, dass GM als Eigentümer seine Beteiligung an der Sanierung und Neuaufstellung deutlich erhöht», sagte der CDU-Politiker in Wiesbaden.

Opel-Gesamtbetrisbratschef Klaus Franz sagte der Tageszeitung «Die Welt» (Mittwochausgabe), es sei unklar, wann es zu einer Einigung über einen Beitrag der Arbeitnehmer kommen werde: «Es sind keine Gesprächstermine derzeit vereinbart.» Der Betriebsrat fordert als Gegenleistung für den Lohnverzicht eine Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen.

Der Autoexperte Stefan Bratzel sieht beim Opel-Sanierungsplan eine Erfolgschance von 50 Prozent. Entscheidend für den Erfolg sei, dass die von Opel angekündigten neuen Modelle auch Käufer fänden, sagte Bratzel im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DAPD. Hier treffe Opel in Europa auf Konkurrenten, die teils besser aufgestellt seien.

(sda/dapd)

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