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Autokrise
09. Februar 2010 11:09; Akt: 09.02.2010 16:38 Print
Enormer Jobabbau bei Opel
Der angeschlagene Autobauer Opel will in Deutschland rund 4000 Jobs streichen und fordert 1,5 Milliarden Euro (2,2 Milliarden Franken) Staatshilfe von Bund und Ländern. Europaweit sollen sogar 8300 Stellen wegfallen.
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«Wir werden ein europäisches Unternehmen formen, das profitabel ist und dauerhaft auf eigenen Füssen steht», sagte Opel-Chef Nick Reilly bei der Vorstellung des Sanierungsplans am Dienstag in Frankfurt am Main.
Konzernchef Nick Reilly.(Bild: Keystone/AP)
Rotstift angesetzt bei Opel in Europa (hier Antwerpen, Belgien).(Bild: Keystone/AP)
Opel-Standorte in Europa
General Motors will bei seiner Tochter Opel und der britische Schwestermarke Vauxhall insgesamt 8300 Jobs streichen. Nachfolgend eine Übersicht über die wichtigsten Standorte und den geplanten Stellenabbau in Europa:
Deutschland: Die deutschen Opel-Werke bilden das Rückgrat des Unternehmens. Ingesamt sind dort 24.300 Menschen beschäftigt. Grösster Standort ist das Opel-Stammwerk in Rüsselsheim mit rund 15'000 Beschäftigten, dort sollen 862 Jobs in der Produktion gestrichen werden. In Rüsselsheim wird das Opel-Mittelklassemodell Insignia gefertigt. Darüber hinaus befinden sich hier das Internationale Technische Entwicklungszentrum und die Unternehmenszentrale von Opel. Ein Teil der Getriebefertigung soll in ein anderes Werk verlagert werden.
Die Modelle Astra und Zafira baut Opel in Bochum mit rund 5000 Beschäftigten, 1799 Jobs sollen dort in der Herstellung entfallen. Der Kleinwagen Corsa wird mit 1800 Mitarbeitern in Eisenach gebaut, 300 Jobs sollen gestrichen werden. In Kaiserslautern verfügt Opel über ein grosses Motoren- und Komponentenwerk mit 3500 Beschäftigten. Der Dieselmotor verbleibt über den gesamten Lebenszyklus in dem Werk. Der L850-Motor soll wegen geringer Nachfrage 2011 eingestellt werden, 300 Arbeitsplätze sollen entfallen. Zusätzlich zu den Jobs in der Produktion werden in Deutschland in Vertrieb und Verwaltung 650 Stellen abgebaut.
Belgien: Das Werk Antwerpen mit 2377 Beschäftigten soll wie geplant geschlossen werden. Derzeit baut Opel dort den Kompaktwagen Astra sowie das Astra Cabrio. Die Produktion des Astra-Dreitürers soll bis zum Anlaufen des neuen Modells nach Bochum verlagert werden.
Grossbritannien: Die Opel-Schwester Vauxhall fertigt im britischen Ellesmere Port den Astra sowie die Kombivariante des Kompaktmodells. Die Produktion soll von Stellenabbau verschont bleiben. Im Werk Luton bauen knapp 1500 Vauxhall-Beschäftigte den Transporter Vivaro sowie den baugleichen Renault Trafic. Dort stehen 369 Jobs stehen auf der Kippe.
Österreich: Im österreichischen Aspern werden Motoren und Getriebe gebaut. Stellenabbau ist dort nicht geplant.
Polen: Im polnischen Montagewerk Gliwice baut Opel den Astra sowie den Minivan Zafira. Auch hier sind keine Veränderungen der Beschäftigtenzahlen geplant.
Spanien: Ein grosses Montagewerk befindet sich im spanischen Saragossa. Hier baut Opel den Kleinwagen Corsa, den Minivan Meriva sowie den Lieferwagen Opel Combo. Rund 900 Beschäftigte in Saragossa sollen ihre Jobs verlieren.
Ungarn: Ein grösseres Motoren- und Getriebewerk unterhält Opel im ungarischen Szentgotthard. Stellenabbau ist nicht geplant.
Wie in Deutschland sollen auch an ausländischen Standorten Jobs in Vertrieb und Verwaltung entfallen, insgesamt handelt es sich europaweit um 1300 Stellen.
In Deutschland ist das Werk Bochum mit einem Minus von 1799 Stellen am stärksten vom Personalabbau betroffen. In Rüsselsheim sollen insgesamt 1639 Jobs wegfallen, in Eisenach und Kaiserslautern jeweils 300. Das Werk im belgischen Antwerpen mit fast 2400 Mitarbeitern wird wie bereits angekündigt ganz geschlossen. Durch den Personalabbau wollen Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall ihre Gesamtkapazität um 20 Prozent kürzen, eine Reaktion auf die gesunkene Nachfrage.
Noch keine Einigung mit Betriebsrat
Reilly bezifferte die Gesamtsumme, die Opel braucht, erneut auf 3,3 Milliarden Euro. Davon sollen die europäischen Regierungen 2,7 Milliarden geben. Der Rest käme von der Opel-Mutter General Motors. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erklärte in Berlin, Opel wolle von Bund und Ländern 1,5 Milliarden Euro Staatshilfe in Form von Kreditgarantien. Weitere 1,2 Milliarden Euro sollten durch Grossbritannien, Spanien, Polen und Österreich abgesichert werden.
Die IG Metall lehnte den Sanierungsplan ab und forderte Bund und Länder auf, dem Unternehmen keine Kreditgarantien zu gewähren. Die Arbeitnehmer würden diesen Plan nicht durch Lohnverzicht unterstützen, erklärten die für die deutschen Opel-Standorte zuständigen IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild und Oliver Burkhard. Reilly räumte ein, dass er sich mit dem Betriebsrat bislang nicht einigen konnte. Opel hat die Belegschaft zu einem Lohnverzicht von 265 Millionen Euro pro Jahr aufgefordert.
Der Opel-Chef versprach für die Jahre bis 2014 Investitionen von insgesamt elf Milliarden Euro. 80 Prozent des Produktportfolios würden in den kommenden Jahren erneuert. Zudem soll Opel nach Reillys Worten in Europa führend bei alternativen Antriebsformen werden, wie beispielsweise Elektromotoren. Nach dem am Dienstag vorgestellten Sanierungsplan soll das Unternehmen bereits im kommenden Jahr wieder eine schwarze Null schreiben und ab 2012 wieder Gewinne machen.
Koch reagiert zurückhaltend
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch forderte einen höheren Beitrag von General Motors. «Nach unserer ersten Einschätzung wird es geboten sein, dass GM als Eigentümer seine Beteiligung an der Sanierung und Neuaufstellung deutlich erhöht», sagte der CDU-Politiker in Wiesbaden.
Opel-Gesamtbetrisbratschef Klaus Franz sagte der Tageszeitung «Die Welt» (Mittwochausgabe), es sei unklar, wann es zu einer Einigung über einen Beitrag der Arbeitnehmer kommen werde: «Es sind keine Gesprächstermine derzeit vereinbart.» Der Betriebsrat fordert als Gegenleistung für den Lohnverzicht eine Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen.
Der Autoexperte Stefan Bratzel sieht beim Opel-Sanierungsplan eine Erfolgschance von 50 Prozent. Entscheidend für den Erfolg sei, dass die von Opel angekündigten neuen Modelle auch Käufer fänden, sagte Bratzel im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DAPD. Hier treffe Opel in Europa auf Konkurrenten, die teils besser aufgestellt seien.
(sda/dapd)
























