Auto-Fusion

07. Mai 2009 12:13; Akt: 07.05.2009 12:54 Print

Der Porsche-Chef hat sich verzocktDer Porsche-Chef hat sich verzockt

von Peter Blunschi - Der Sportwagenbauer Porsche wollte den 15 Mal grösseren VW-Konzern übernehmen und hat sich dabei übernommen. Nun bleibt nur die Fusion – eine Niederlage für den einst gefeierten Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

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1934 hatte Adolf Hitler den Bau eines «Volkswagens» gefordert. Ferdinand Porsche konstruierte darauf den Käfer. Heute ist das meistverkaufte Modell der VW Golf (Bild) und Volkswagen einer der grössten Autohersteller der Welt. Ferdinand Porsche gründete 1931 das nach ihm benannte Unternehmen. 1947 wurde mit dem Bau von Sportwagen begonnen. Das neuste Modell ist der viertürige Panamera. 1909 übersetzte Gründer August Horch seinen Nachnamen ins Lateinische - es entstand Audi. Nach mehreren Fusionen wurde das Unternehmen 1964 von Volkswagen übernommen. Der tschechische Hersteller Škoda wurde 1895 gegründet und ist eine der ältesten Automarken der Welt. Nach der Wende 1991 kaufte VW die Firma. Dank gutem Preis-Leistungs-Verhältnis ist sie auch im Westen erfolgreich. Die 1950 gegründete Sociedad Española de Automóviles de Turismo (Seat) war einst ein spanisches Staatsunternehmen mit Beteiligung von Fiat. Seit 1985 gehört Seat zum VW-Konzern. Walter Owen Bentley gründete 1919 die nach ihm benannte Firma. Während Jahrzehnten war sie im Besitz von Rolls-Royce, seit 1998 gehört sie zu VW. Bentley ist offizieller Hoflieferant der britischen Königin. 1909 gründete der Italiener Ettore Bugatti im Elsass das nach ihm benannte Unternehmen. 1963 wurde die Produktion eingestellt. Die Edelmarke wurde 1998 von VW wiederbelebt. Seit 1964 werden in Italien hochgezüchtete Sportwagen der Marke Lamborghini produziert. Seit 1998 gehört die Firma zu Audi und damit zu Volkswagen. Die Volkswagen Nutzfahrzeuge ist eine eigene Geschäftssparte des Konzerns. Sie hat unter anderem den legendären VW Bus produziert. Im Bild das neuste Nachfolgemodell des Bestsellers. Der neuste Zukauf ist der schwedische Nutzfahrzeug-Hersteller Scania. Er wurde 2008 von VW übernommen.

Die zehn Marken des fusionierten Unternehmens.

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«Diesmal hat David verloren» – so kommentierte «Spiegel Online» das Scheitern der geplanten Übernahme von Volkswagen durch Porsche. Seit September 2005 hatte der Zwerg versucht, den Riesen zu schlucken. Am Mittwoch haben die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche abrupt das Bremspedal durchgedrückt und vereinbart, eine Fusion anzustreben, in der Porsche nur noch eine von zehn Marken sein wird.

Der grosse Verlierer heisst Wendelin Wiedeking. Der 56-Jährige sitzt seit 1992 am Steuer von Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen. Mit einem drastischen Sparkurs und einer cleveren Modellpolitik machte der Konzernchef aus dem angeschlagenen Sportwagenhersteller ein hoch profitables Unternehmen. Wiedeking wurde als Vorzeige-Manager gefeiert, was sich auch in seinen Bezügen niederschlug. 2007 soll er 60 Millionen Euro verdient haben – daneben verblassen sogar die «Abzocker-Löhne» der Schweizer Top-Manager.

Neun Milliarden Euro Schulden

Den grossen Coup landen wollte er mit der Übernahme von Volkswagen. Die beiden Firmen haben die gleichen Wurzeln – der legendäre Ingenieur Ferdinand Porsche hatte den VW Käfer konstruiert und das nach ihm benannte Unternehmen gegründet. Gegen den Widerstand der VW-Belegschaft kauften Wiedeking und sein Finanzchef Holger Härter einen Aktienanteil von 50,2 Prozent zusammen. Wie ihnen dies gelang, hat «bis heute kaum einer so richtig verstanden», schreibt die «Süddeutsche Zeitung». Den Aktienkurs trieben sie damit jedenfalls so in die Höhe, dass VW zeitweise das wertvollste Unternehmen der Welt war.

Dafür musste das Porsche-Duo enorme Kredite aufnehmen. Mit der Finanzkrise brach das Kartenhaus zusammen. Nun sitzt die «Zockerbude von Zuffenhausen» – so die «Süddeutsche Zeitung» – auf einem Schuldenberg von neun Milliarden Euro. Um diesen zu tilgen, braucht der neue Konzern gemäss «Spiegel Online» eine Kapitalerhöhung. Die Investoren könnten aus dem arabischen Raum kommen. Unklar ist auch, ob das fusionierte Unternehmen seinen Sitz in Stuttgart oder bei VW in Wolfsburg haben wird. Experten sind jedoch überzeugt, dass sich die Macht zu Volkswagen verschieben wird.

Wendelin Wiedeking soll gemäss Medienberichten zumindest verhindert haben, dass Porsche an VW verkauft wird, womit der Schein der Gleichberechtigung erhalten bleibe. Seine Zukunft ist trotzdem offen: «Verglichen mit der geplanten VW-Übernahme ist eine Fusion unter Gleichen eben doch weniger», hielt «Spiegel Online» fest. Noch deutlicher äusserte sich «Die Welt»: «Porsche-Chef Wiedeking hat mit seinen waghalsigen Plänen die Existenz des Sportwagenbauers bedroht.» Der einstige Retter wird zum Buhmann. Am Donnerstag rückte auch der bislang mit Wiedeking verbündete Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück in einem Interview vom Konzernchef ab.

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