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Steuerflucht
04. März 2009 08:30; Akt: 04.03.2009 09:24 Print
Geht es nicht auch ohne Bankgeheimnis?
Gibt die Schweiz das Bankgeheimnis preis, werde sich die Wertschöpfung des Finanzplatzes halbieren, orakelte der Genfer Privatbankier Ivan Pictet – und sorgte damit für Aufregung. Jetzt mehren sich aber die Stimmen, die das Gegenteil behaupten.
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Steueroasen
Für die Basler Privatbank Sarasin etwa wären die Folgen relativ bescheiden, würde künftig nicht mehr zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung unterschieden – dem Dreh- und Angelpunkt der laufenden Debatte zum Schweizer Bankgeheimnis. «Es wären Kundenvermögen im einstelligen Prozentbereich betroffen», schätzt Sarasin-CEO Joachim Strähle gegenüber der «Handelszeitung».
Sarasin-CEO Joachim Strähle(Bild: Keystone/Patrick Staub)
Rudolf Strahm, Ex-Preisüberwacher (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)
Ähnlich äussert sich die junge Privatbank EFG International, die laut eigenen Angaben nur «marginal» betroffen wäre, würde die Unterscheidung Steuerbetrug und -hinterziehung hinfällig werden.
Für Christian Camenzind, CEO der Privatbank Sal. Oppenheim Schweiz und Mitglied des Vorstandes der Schweizer Auslandbanken, ist zentral, dass sich der Schweizer Finanzplatz gegenüber dem Ausland grundsätzlich verhandlungsbereit zeigt. Camenzind: «Auf der anderen Seite muss auch klar festgehalten werden, dass das Bankgeheimnis einen automatischen Informationsaustausch ausschliesst und wir den gläsernen Kunden nicht wollen.»
Wertschöpfung geht nur 1-2 Prozent zurück
Schützenhilfe erhalten sie von Oswald Grübel, CEO der Grossbank UBS. Nach seiner Ernennung vergangene Woche liess er umgehend über die Medien verlauten, dass sich das Schweizer Bankgeheimnis «den Marktverhältnissen anpassen» werde. Zudem sei es «fraglich, ob das Bankgeheimnis auch in Zukunft Steuerhinterzieher schützen» könne.
Wird die Bedeutung des Bankgeheimnisses in seiner heutigen Form für die Wirtschaft also überschätzt? Ja, meint Rudolf Strahm, Ökonom, Ex-Preisüberwacher und von 1991 bis 2004 SP-Nationalrat. Er geht gegenüber der Handelszeitung davon aus, dass die Wertschöpfung um nur 1 bis 2 Prozent zurückgehen würde, falls der Schutz für ausländische Steuerhinterzieher aufgehoben würde. Gegenüber 20 Minuten Online sagte er bereits früher, das nur etwa die Hälfte aller Schweizer Banken überhaupt mit ausländischen Vermögen Geschäften.
«Geld braucht Diskretion»
Das Bankgeheimnis vollständig aufzugeben – also ausländischen Staaten automatischen Informationsaustausch zu gewähren –, davor warnen allerdings Steuerexperten wie Hans-Lothar Merten, Autor diverser Standardwerke zum Thema Steueroasen. «Wenn man es fallen liesse, wäre der Finanzplatz Schweiz tot», sagt er im Interview mit der Handelszeitung, «und der Staat hätte Zugriff auf Informationen, die er überhaupt nicht zu wissen braucht.» Geld brauche Diskretion und Schutz des Vertrauens.
(mlu)























