Heikler Deal

31. Januar 2012 06:28; Akt: 31.01.2012 11:53 Print

Bundesrat bietet USA Millionen BankdatenBundesrat bietet USA Millionen Bankdaten

Um einen zweiten Fall Wegelin zu verhindern, will der Bundesrat den US-Behörden offenbar Millionen verschlüsselter Daten liefern. Den Schlüssel dazu gibts erst nach einem Abkommen. Das Finanzdepartement widerspricht.

storybild

Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf will dem Steuerstreit mit den USA ein Ende setzen. (Bild: Keystone)

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf habe die Wirtschaftskommission des Nationalrats darüber informiert, dass mehrere Schweizer Banken den USA weiter entgegenkommen wollen. So sollen den US-Steuerbehörden vier bis sechseinhalb Millionen bankinterne Daten, darunter auch Kunden-Mails, übergeben worden sein oder noch übergeben werden, berichtet das Schweizer Radio DRS und beruft sich dabei auf eigene Recherchen.

Die Mails seien allerdings allesamt verschlüsselt. Die Schweiz wolle damit den Druck auf die USA erhöhen. Der Entschlüsselungsmechanismus solle erst nachgeliefert werden, wenn das Steuerabkommen mit Washington stehe.

Ordentliches Verfahren

Das Finanzdepartement (EFD) stellt einen Zusammenhang der jüngten Ankündigung von Eveline Widmer-Schlumpf mit dem Fall Wegelin in Abrede: Man will nicht auf Druck der USA nachgegeben haben. «Die Daten sollen im Rahmen von ordentlichen Aufsichtsamtshilfe- oder Rechtshilfeverfahren übermittelt werden», so Roland Meier, Sprecher des Eidgenössischen Finanzdepartement gegenüber 20 Minuten Online. Es seien keine Bankkundendaten ausgeliefert worden. Es gehe um Daten zum US-Geschäft der Schweizer Banken.

Das EFD hält zudem fest, dass Seitens der Schweizer Behörden bisher keine uncodierten Mitarbeiterdaten an die USA geliefert worden sind. Der Bundesrat habe letzte Woche beschlossen und am Montag der WAK mitgeteilt, dass grundsätzlich weiterhin nur codierte Mitarbeiterdaten geliefert werden sollen. Eine generelle Decodierung der Mitarbeiternamen sei aber im Rahmen einer Gesamtlösung mit den US-Justizbehörden vorgesehen.

Zudem widerspricht das Finanzdepartement dem von Radio DRS verbreiteten Umstand, dass für die Übermittlung Millionen von Daten vorgesehen seien. «Bei einer Bank steht eine Lieferung von rund 20 000 Seiten codierter Daten an», schreibt das EFD. Die Datenlieferung sei wichtig im Rahmen der Gesamtverhandlungen mit den USA.

Die Banken unterliegen nach US-Recht einer Auskunftspflicht. Es sei daher auch aus Schweizer Sicht verständlich, dass die US-Behörden Kenntnis haben wollen, über die Organisation des grenzüberschreitenden Geschäft mit Personen in den USA.

Unverschlüsselte Lieferung?

Der Druck auf Schweizer Banken ist offenbar massiv. Laut Schweizer Radio DRS seien die Banken bereit gewesen, die Daten unverschlüsselt den USA zu übergeben. Hier hatte der Bundesrat interveniert.

Seit geraumer Zeit fordern die USA umfangreiche Informationen über US-Gelder auf Schweizer Banken. Diesen Druck hatte bereits die UBS zu spüren bekommen, als sie zahlreiche Bankkundeninformationen an die US-Behörden übermitteln musste. Zuletzt zerbrach die Privatbank Wegelin an faulen US-Geschäften.

(mbu/aeg/sas)

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
  • Zeljko am 31.01.2012 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Imperialismus

    Und als ich den Schweizern (als Serbe während dem Jugoslawienkrieg) sagte, die Amerikaner würden weiterhin versuchen, der Welt ihren Willen aufzuzwingen, lachte man ... Seid froh, dass es wenigstens eine einigermassen starke EU gibt, all die kleinen Länder in Europa (auch CH) hätten gegen die USA und China noch weniger eine Chance!

  • Hansruedi Pfister am 31.01.2012 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ade Bankgeheimnis

    Bravo! Der Motor des Kapitalismus, die USA, bringen das Schweizer Bankgeheimnis zu Fall. Betrüger brauchen in schwierigen Zeiten, das Geld von anderen Betrügern. - Ironie des Schicksals.

  • Tom seiler am 31.01.2012 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kriminelle Banker

    Richtig so! Kann nicht sein, dass die kriminellen CH Bänker einfach weitermachen können in den USA

Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren