Bankgeheimnis

21. September 2011 10:24; Akt: 21.09.2011 11:44 Print

Ständerat vertagt Debatte zum US-SteuerstreitStänderat vertagt Debatte zum US-Steuerstreit

Der Ständerat will beim Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA abwarten. Man wolle dem Bundesrat nicht in den Rücken fallen, aber zuerst Resultate sehen, hiess es.

storybild

Der Ständerat will erst später über das Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA entscheiden. (Bild: Keystone)

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Der Ständerat hat den Entscheid über eine Ergänzung des Doppelbesteuerungsabkommens mit den USA verschoben. Er will erst darüber sprechen, wenn mehr Informationen vorliegen. Dies könnte eine Globallösung für Vergehen von Schweizer Banken in den USA gefährden.

Mit 29 zu 7 Stimmen nahm der Rat am Mittwoch den Antrag seiner Aussenpolitischen Kommission (APK) an, das Geschäft zu verschieben. Die Kommission hielt fest, sie begrüsse die vom Bundesrat gewählte Verhandlungsstrategie, mit den USA auf Basis des bestehenden Rechts eine Lösung im Steuerstreit zu finden.

Sie ermuntere den Bundesrat, die anvisierte Gesamtlösung mit den USA weiterzuverfolgen. Das Geschäft sollte jedoch erst im Parlament traktandiert werden, wenn in den Verhandlungen mit den USA «substanzielle Ergebnisse» vorlägen.

Tanzbären am Seil der Banken

Im Rat machten die Befürworter einer Verschiebung vor allem geltend, dem Parlament lägen nicht genügend Informationen über die Vergehen der Banken und die angestrebte Lösung vor. «Wir möchten dem Bundesrat keinesfalls in den Rücken fallen», sagte APK-Präsident Eugen David (CVP/SG).

Doch er wisse nicht, welche Regeln die beschuldigten Banken in den USA gebrochen hätten. Fest stehe allerdings, dass primär die Banken verantwortlich seien. Es sei nicht am Parlament, die Banken vor Bussen in den USA zu schützen.

«Wir wollen wissen, was Sache ist», sagte Urs Schwaller (CVP/FR). «Sonst werden wir zu Tanzbären, die von den rechtsbrechenden Banken am Seil geführt werden.» Die Banken hätten erneut Recht gebrochen. Nun riefen sie die Parlamentarier «im Stundentakt» zur Zustimmung auf. Dafür fehle ihm jedes Verständnis.

Drohende Eskalation des Streits

Die Gegner der Verschiebung warnten vergeblich davor, dass dieses Vorgehen zu grossen Problemen führen könnte. Es gelte, die Kräfteverhältnisse zu berücksichtigen, sagte Dick Marty (FDP/TI). «Wenn das Haus am Freitagabend zu brennen beginnt, ruft man die Feuerwehr nicht erst am Montagmorgen.»

Eine Verschiebung könnte dazu führen, dass die USA den Druck erhöhe und noch gegen weitere Banken Verfahren einleite, gab Marty zu bedenken. Die USA seien zu recht verärgert über die Schweizer Banken, die systematisch betrogen hätten.

Anita Fetz (SP/BS) stellte fest, das Problem werde mit der Zeit nicht kleiner werden. Immerhin seien mindestens zwei Kantonalbanken betroffen, darunter die Basler Kantonalbank. Sie könne eine Verschiebung nicht verantworten, wenn nicht ausgeschlossen sei, dass diese zum Ruin einer Bank führen könnte.

Bundesrat gegen Notrecht

Auch Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf wies auf die Risiken hin. Sie sprach von elf betroffenen Banken. Darunter seien wahrscheinlich zwei Kantonalbanken. «Ich bin nicht Anwältin der Banken», versicherte Widmer-Schlumpf. Doch das Problem müsse gelöst werden.

Laut Widmer-Schlumpf wollen die USA die Situation bis im November geklärt haben. «Sagen Sie uns dann nicht im Dezember, wenn die Situation eskaliert, jetzt müsse der Bundesrat halt Notrecht anwenden. Das werden wir nicht tun», stellte die Finanzministerin klar.

Nach ihrer Darstellung ist der Weg über die Ergänzung des Doppelbesteuerungsabkommens eine Chance: Die USA hätten bis vor wenigen Wochen noch eine Notrecht-Lösung oder einen neuen Vertrag nach dem Muster des UBS-Vertrags gefordert, sagte Widmer-Schlumpf. Nun hätten sie sich bereit gezeigt für eine Lösung auf Basis der bestehenden gesetzlichen Grundlagen.

Auch künftig Gruppenanfragen

Der Bundesrat hatte dem Parlament deshalb kurzfristig einen Zusatzbericht zum Doppelbesteuerungsabkommen vorgelegt. Darin wird explizit festgehalten, dass die USA auch auf Basis des neuen Doppelbesteuerungsabkommens Gruppenanfragen über Konten von US- Bürgern einreichen könnten.

Die USA seien stets von dieser Auslegung ausgegangen, erklärte Widmer-Schlumpf. In der Schweiz sei aber bei der Umsetzung im internen Recht eine Einschränkung vorgenommen worden, die nicht mit dem übereinstimme, was mit den USA verhandelt worden sei. Zuständig war der damalige Finanzminister Hans-Rudolf Merz.

Bereits das alte Doppelbesteuerungsabkommen sah vor, dass die Identifikation von Steuersündern auch über «Verhaltensmuster» möglich ist. Durch das Verhaltensmuster würden mehrere Personen gleichzeitig eruiert - etwa über einen bestimmten Kundenberater, der durch Beihilfe zur Steuerhinterziehung aufgefallen ist.

Bürgerliche Politiker befürchten, dass Gruppenanfragen auf Basis des neuen Abkommens zu Ermittlungen ins Blaue führen könnten, sogenannten «Fischzügen». SP und Grüne wiederum möchten, dass die Schweiz Gruppenanfragen zur allgemeinen Praxis gegenüber allen Staaten erhebt.

(sda)

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • S C am 21.09.2011 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Das was die USA mit uns machen ist die sogenannte Salami Taktik... Nicht alles auf einmal verlangen, sondern Stück für Stück.. Und wir lassen uns das gefallen.. Es wäre eine Schande wenn der BR wieder nachgiebt oder mit Notrecht daher kommt.. Es bezahlt auch niemand meine Bussen, auch wenn diese mein Vermôgen übertreffen würde!!!

Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren