Energie-Insider

10. November 2009 12:05; Akt: 16.11.2009 16:49 Print

Der Welt geht das Öl aus

von Peter Blunschi - Die Welt steuert auf den «Peak Oil» zu, und zwar viel schneller als bislang vermutet. Ein Insider enthüllt, dass die Internationale Energie-Agentur jahrelang die Förderzahlen geschönt hat – auch auf Druck der Amerikaner.

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Heute Dienstag erscheint der jährliche «World Energy Outlook» der Internationalen Energie-Agentur (IEA). Er ist nicht unumstritten und gilt doch als Referenzwerk in Sachen weltweite Energievorräte. Ein hochrangiger, namentlich nicht genannter IEA-Funktionär hat gegenüber dem «Guardian» nun Brisantes enthüllt: Seit Jahren würden der Niedergang der Ölförderung herunter- und die vorhanden Vorräte hochgespielt, aus Angst vor Panikkäufen und auf Druck der USA, dem weltgrössten Ölverbraucher.

So sagte die IAE noch 2005 voraus, die Ölförderung könne bis 2030 auf 120 Millionen Fass pro Tag gesteigert werden – der derzeitige Verbrauch beträgt 85 Millionen. Bis letztes Jahr wurde die Zahl auf 105 Millionen zurückgefahren, doch für den Insider ist klar: «Die Zahl 120 war immer Unsinn, doch selbst die heutige Schätzung ist unrealistisch, und die IEA weiss das.» Viele innerhalb der Organisation seien überzeugt, dass selbst eine Erhöhung auf 90 bis 95 Millionen Fass unmöglich zu erreichen ist, so der IEA-Funktionär.

Bereits in der Peak-Oil-Zone

Dies würde die Ansicht von Kritikern bestätigen, wonach der gefürchtete «Peak Oil» viel näher ist als vermutet. Gemeint ist jener Punkt, an dem die maximal mögliche Fördermenge erreicht ist und von dem aus der Weg nur noch abwärts führt. Die Folge wären explodierende Preise und möglicherweise gravierende Verteilungskämpfe. Derzeit sorgt die Wirtschaftskrise für eine Entspannung, doch die Nachfrage in den boomenden Riesenstaaten China und Indien wächst rasant. Die in den letzten Jahren teils stark gestiegenen Preise lieferten einen Vorgeschmack auf den «Peak Oil».

Der IEA-Insider nennt zwei Gründe für die Vertuschung: «Die Furcht vor einer Panik an den Finanzmärkten und die Furcht der Amerikaner, sie könnten ihre Vormachtstellung über den Zugang zu den Ölreserven verlieren.» Eine weitere Quelle, die für die IEA tätig war, bestätigt gegenüber dem «Guardian» diese Darstellung: «Es war erste Priorität, die Amerikaner nicht zu verärgern.» Doch es sei eine Tatsache, dass weniger Öl vorhanden sei, als zugegeben werde: «Wir sind bereits in die Peak-Oil-Zone eingetreten, die Lage ist wirklich übel.»

Total-Chef gibt Engpass zu

Die IEA wollte vor der Veröffentlichung des Jahresberichts nicht Stellung nehmen. Laut «Guardian» steht der für den «World Energy Outlook» zuständige Chefökonom Fatih Birol wegen der Zahlen auch intern unter Druck. Selbst innerhalb der Branche wird zunehmend eingeräumt, dass der «Peak Oil» nicht mehr fern ist. So sagte Christophe de Margerie, CEO des französischen Konzerns Total, im Februar dieses Jahres laut «Financial Times», dass es nie möglich sein werde, mehr als 89 Millionen Fass Öl pro Tag zu produzieren. Der derzeitige Verbrauch beträgt wie erwähnt 85 Millionen Fass.