Wikileaks

09. Februar 2011 14:51; Akt: 09.02.2011 15:19 Print

Saudis beschönigen ihre Ölvorräte

von Peter Blunschi - Das Königreich Saudi-Arabien hat laut Wikileaks viel weniger Öl als offiziell behauptet. Der gefürchtete Peak Oil könnte schon in naher Zukunft erreicht werden.

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Haben die Scheichs der Welt etwas vergegaukelt? Laut Wikilieks hat Saudi-Arabien viel weniger Ölreserven als offiziell behauptet. (Bild: Keystone)

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Der arabische Wüstenstaat gilt als Land mit den weltgrössten Erdölreserven und als Garant für eine gesicherte Versorgung der Weltwirtschaft. Doch dies könnte eine Illusion sein. Darauf deuten Depeschen von US-Diplomaten hin, die von Wikileaks veröffentlicht und vom «Guardian» ausgewertet wurden. Demnach sollen die Ölreserven von Saudi-Arabien um bis zu 40 Prozent oder 300 Milliarden Fass geringer sein als offiziell angegeben.

Die Angaben stammen offenbar von einer Quelle, die es wissen müsste: Sadad al Husseini, Geologe und ehemaliger Forschungsleiter des saudischen Ölmonopolisten Aramco, warnte den amerikanischen Generalkonsul in Riad bei einem Treffen im November 2007, dass Aramco die Förderkapazität von 12,5 Millionen Fass pro Tag, die für stabile Preise benötigt würden, nicht erreichen könne. Mehr noch: Bereits 2012 könne der berüchtigte «Peak Oil» erreicht werden, bei dem die Nachfrage nach Öl höher ist als die geförderte Menge.

Kein Weltuntergangs-Prophet

Dies würde zu einem massiven Preisanstieg führen, den Saudi-Arabien nicht aufhalten könne, sagte Husseini laut den Wikileaks-Dokumenten. Die saudische Ölindustrie habe die verfügbaren Ölreserven übertrieben dargestellt, um ausländische Investoren anzulocken. Gleichzeitig habe Armaco den Zeitbedarf massiv unterschätzt, der zur Erschliessung neuer Ölquellen benötigt werde. Nach offiziellen Angaben verfügt Aramco in 20 Jahren über Reserven von 900 Milliarden Fass. Laut Husseini sind es rund 300 Milliarden weniger.

Experten verdächtigen Saudi-Arabien schon lange, seine Ölreserven übertrieben darzustellen. Unabhängige Kontrollen lässt das Königreich nicht zu. Der US-Konsul betont in seinem Schreiben nach Washington, Sadad al Husseini sei «kein Weltuntergangs-Prophet». Seine Prognosen müssten sorgfältig erwogen werden. Eine weitere Depesche vom Oktober 2009 verweist auf grössere Projektverzögerungen und Unfälle. Diese seien ein Indiz dafür, «dass Saudi Aramco Probleme hat, die Fördermenge zu halten».

Durch die Unruhen im Nahen Osten ist der Ölpreis in den letzten Tagen auf über 100 Dollar pro Fass gestiegen. Der steigende Bedarf von aufstrebenden Ländern wie China und Indien heizt die Nachfrage zusätzlich an. Analysten warnen schon länger, dass der Peak Oil nicht mehr fern ist. Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur, sagte im letzten Jahr, das weltweite Fördermaximum könnte 2020 erreicht sein. Dies seien «keine guten Nachrichten» für eine Welt, die immer noch massiv vom Erdöl abhängig ist.