Deepwater-Horizon-Unglück

29. November 2012 05:06; Akt: 29.11.2012 11:42 Print

US-Regierung stoppt Aufträge an Ölkonzern BP

Die USA wollen wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010 vorläufig keine neuen Verträge mit dem britischen Konzern BP mehr abschliessen. Der Grund dafür sei ein «Mangel an Integrität».

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Ölkatastrophe im Golf von Mexiko: Elf Menschen starben, tausende von Vögeln und Fischen sind verendet, über 700 Millionen Liter Öl sind ins Meer geflossen. 20. April 2010: Die Ölplattform Deepwater im Golf von Mexiko explodiert. Elf von 126 Arbeitern sterben, die andern werden evakuiert, drei von ihnen schwer verletzt. 21. April 2010: Die Bohrinsel steht in Flammen. Löschversuche verlaufen erfolglos. 22. April 2010: Deepwater sinkt. Die Ölplattform gehört der Schweizer Transocean mit Sitz im schweizerischen Zug, der britische Konzern BP hat sie von Transocean geleast. 28. April 2010: Ölarbeiter versuchen, eine Sperre um das auslaufende Öl zu errichten. Erfolglos. 30. April 2010: Das Öl erreicht die Küste. Die Pelikane «verölen». 3. Mai 2010: US-Präsident Barack Obama erklärt die Katastrophe zum Ereignis von nationaler Bedeutung. 3. Mai 2010: BP kündigt an, alle Kosten der Katastrophe zu übernehmen. 7. Mai 2010: Eine Stahlbetonglocke wird über das Leck gestülpt. Ohne Erfolg. Mai 2010: Das Sterben geht weiter. Mai 2010: Ölschwaden auf dem Wasser. Mai 2010: Die US-Navy versucht, das Öl kontrolliert abzubrennen. Erfolglos. Mai 2010: Pelikan im mexikanischen Golf. 11. Mai 2010: Protest im US-Senat während eines BP-Hearings. 12. Mai 2010: BP versucht, eine kleinere Glocke über das Loch zu stülpen. Ohne Erfolg. 15. Mai 2010: Protest am Firmensitz der Plattformbesitzerin Transocean in Zug. 26. Mai 2010: Die Aktion «Top Kill» soll das Leck mit Schlamm versiegeln. Erfolglos. 2. Juni 2010: Die US-Behörden leiten strafrechtliche Schritte gegen BP ein. 3. Juni 2010: Das Öl erreicht die Traumstrände Floridas. 17. Juni 2010: BP-Chef Tony Hayward redet von einer «beispiellosen Serie von Fehlern». 29. Juni 2010: BP gibt zu, dass die Schäden eventuell unbezahlbar sind. 2. Juli 2010: Serie von Fehlern geht weiter: Augenzeugen berichten, BP schütte an gewissen Stränden einfach Sand über das Öl. 3. Juli 2010: Der Supertanker «A Whale» wird als Öl-Sauger eingesetzt. Erfolglos. 10. Juli 2010: Ein am 4. Juni installierter Trichter wird entfernt. Das Öl fliesst wieder völlig ungehindert ins Meer. 12. Juli 2010: Eine neue Glocke wird über das Leck gestülpt. 18. Juli 2010: Serie von Fehlern geht weiter: BP veröffentlicht auf ihrer Website ein manipuliertes Foto, das Geschäftigkeit im BP-Katastrophenzentrum vortäuscht. Im Original war der Bildschirm im unteren Bild weiss. Ab 15. Juli 2010: Die neu installierte Absaugglocke schliesst das Leck. Erstmals seit Beginn der Katastrophe fliesst kein Öl mehr ins Meer. Die Verseuchung ist aber nach wie vor omnipräsent. 19.9.2010: Die defekte Ölquelle im Golf von Mexiko ist endgültig versiegelt. Fünf Monate nach Beginn der Ölpest gelang es BP-Experten, die Quelle mehrere Tausend Meter unter dem Meeresboden mit Zement zu verschliessen.

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Die US-Regierung vergibt wegen «mangelndem honorigen Geschäftsgebahren» vorläufig keine Aufträge mehr an BP. Zudem dürfen dem britischen Ölkonzern auf unbestimmte Zeit keine neue Lizenzen für Öl- und Gasbohrungen auf Land in öffentlichem Besitz erteilt werden, wie die US-Umweltschutzbehörde EPA am Mittwoch mitteilte. Grund für den Boykott von BP sei die lange Liste an strafrechtlichen Vorwürfen gegen das Unternehmen im Zusammenhang mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko.

Elf Arbeiter waren durch eine Explosion auf der Plattform Deepwater Horizon 2010 ums Leben gekommen. Das ausfliessende Öl führte zur grössten Ölkatastrophe in der US-Geschichte und zu strafrechtlichen Vorwürfen und zivilrechtlichen Schadensersatzforderungen gegen BP. Die Entscheidung vom Mittwoch wurde von Beobachtern als weiteres Hindernis für die Bemühungen von BP gewertet, sein Image in den USA und anderswo aufzupolieren.

BP verweist auf Verbesserungen

In einer Stellungnahme erklärte der Konzern mit Sitz in London, er arbeite gemeinsam mit der US-Regierung daran, deren Bedenken auszuräumen. Eine Vereinbarung, die zu einer Aufhebung des vorläufigen Auftragsvergabestopps führen solle, sei bereits in Arbeit, hiess es von BP. «Das Unternehmen hat seit dem Unglück bedeutende Verbesserungen umgesetzt», teilte BP mit und verwies auf neue Bohrrichtlinien und grosse Investitionen in den USA.

Beim Verkauf von Offshore-Lizenzen im Golf von Mexiko im Wert von mehr als 20 Millionen Dollar stand BP am Mittwoch schon nicht mehr auf der Liste zugelassener Käufer, wie ein Sprecher des US-Innenministeriums mitteilte. Besonders der Ausschluss bei der Vergabe von einer Reihe von Lizenzen für Bohrungen, die in den nächsten Monaten anstehen und Millionen Hektar Land betreffen, könnte nach Angaben von Analysten ein schwerer Schlag für BP sein.

BP-Mitarbeiter angeklagt

Die Entscheidung der EPA wurde am selben Tag verkündet, an dem sich drei BP-Mitarbeiter einer Anklage wegen der tödlichen Explosion auf der Ölbohrinsel Deepwater Horizon stellten. Zwei von ihnen bekannten sich der fahrlässigen Tötung nicht schuldig, ein dritter plädierte auf den Vorwurf der Behinderung des US-Kongresses ebenfalls auf nicht schuldig. Der Konzern selbst hatte angekündigt, sich zu den beiden Vorwürfen schuldig zu bekennen und die Rekordstrafe von 4,5 Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) zu zahlen.

(sda/dapd)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus M. am 29.11.2012 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    zwei die sich verstehen sollten :-)

    die andern oelgesellschaften sind nicht besser, aber bp hat schon ein spezielles doppelgesicht was eigentlich zu usa passen würde.

    • Hans Schmidt am 29.11.2012 15:09 Report Diesen Beitrag melden

      Urteil ohne Gericht?

      @Marcus bp ist halt keine US Firma, Exxon freuts!

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