Schuldenkrise

17. Oktober 2012 02:55; Akt: 17.10.2012 03:17 Print

Moody's bestätigt Spaniens Kreditwürdigkeit

Aufatmen in Spanien: Moody's verschont Spanien mit einer weiteren Herabstufung und bestätigt die Note «Baa3». Das Land laufe nicht mehr Gefahr, vom Kapitalmarkt abgeschnitten zu werden.

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Es steht schlecht um Spaniens Wirtschaft. Die nachfolgenden Bilder zeigen die Gründen für Madrids Misere. In Spanien stehen derzeit rund 1,5 Millionen Immobilien zum Verkauf. Und die Preise fallen weiter. Viele Spanier hatten sich in den Boomjahren des neuen Jahrtausends Zweit- und Drittwohnungen zugelegt, weil die Zinsen tief waren und die Preise rasant stiegen. Als die Blase platzte, sind viele kräftig auf die Nase gefallen. Davon zeugen heute dutzende Geisterstädte. Auch Spaniens Banken haben sich beim Immobilien-Poker verzockt. Sandard & Poor's befürchtet, dass Spanien dem maroden Bankensektor erneut unter die Arme greifen muss. Schliesslich schulden Immobilienbesitzer den Banken geschätzte 325 Milliarden Euro und diese Sicherheiten verlieren rasant an Wert. In Spanien sind derzeit 5,7 Millionen Menschen arbeitslos und zahlen somit keine Steuern. Die Arbeitslosenquote ist mit fast 25 Prozent die höchste in ganz Europa. Die Regierung hat im Februar eine drastische Arbeitsmarktreform verabschiedet, die Entlassungen erleichtert. Madrid hofft, dass durch die Reformen langfristig neue Jobs geschaffen werden. Denn Unternehmen stellen Mitarbeiter nur zögerlich an, wenn diesen nicht rasch wieder gekündet werden kann. Die Gewerkschaften sind davon überzeugt, dass infolge der Reform noch mehr Arbeitsplätze vernichtet werden. Standard & Poor's glaubt ebenfalls nicht, dass die Massnahmen unter dem Strich in absehbarer Zeit Jobs schaffen werden. In einem Versuch, die Wirtschaft anzukurbeln, hat Spaniens Regierung Milliarden ausgegeben. Das Haushaltsdefizit explodierte. Das aber schadet wiederum der Wirtschaft. Das Land ist gerade erst erneut in die Rezession abgerutscht. Nobelpreisträger Joseph Stiglitz glaubt, dass sich Europa mit dem Sparkurs «auf seinen Selbstmord hinbewegt». Die sozialistische Vorgänger-Regierung Spaniens versprachen sich durch die knallharte Einschränkung der CO2-Emissionen eine Flut grüner Arbeitsplätze. Eine interne Einschätzung der heutigen Regierung zeigt das Gegenteil: Spaniens Energiepreise explodierten und durch die Regulierung gingen pro geschaffenen Arbeitsplatz zwei verloren. Spanien hat mit dem Eintritt ins Euroland auch dessen tiefes Zinsniveau geerbt. Das Wirtschaftswunder war auch Folge der expansiv wirkenden Geldpolitik, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW berichtet. Das dadurch steigende Lohnniveau in Kombination mit der tiefen Produktivität hatte zur Folge, dass die Konkurrenzfähigkeit der spanischen Produkte im Ausland stark gesunken ist. Die spanischen Aktienmärkte haben wegen der schwachen Wirtschaftslage seit Beginn des Jahres um mehr als 19 Prozent an Wert verloren und stehen damit in Europa am schlechtesten da.

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Die Rating-Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit des krisengeschüttelten Euro-Schwergewichts bestätigt. Die Bonitätsnote liegt weiterhin bei «Baa3» und damit eine Stufe über dem gefürchteten Ramsch-Niveau.

Die seit mehr als zwei Wochen mit Spannung erwartete Entscheidung teilte Moody's am späten Dienstagabend in London mit. Die Rating-Agentur begründete ihr Urteil damit, dass sich die Lage gebessert habe: Spanien laufe nicht mehr Gefahr, vom Kapitalmarkt abgeschnitten zu werden.

Umbau im Bankensektor

Zudem habe die Regierung ihre Reformbereitschaft gezeigt. Auch schreite der Umbau des kriselnden Bankensektors voran. Allerdings bleibt der Ausblick «negativ», das heisst, dass Moody's das Land weiterhin genau beäugt und es künftig zu einer Abstufung kommen könnte.

Die andere grosse Rating-Agentur Standard & Poor's hatte die Bonität des schuldengeplagten Euro-Landes erst in der vergangenen Woche auf «BBB-« gesenkt - was der jetzt bestätigten Moody's-Note «Baa3» entspricht.

Auch bei der dritten grossen Rating-Agentur Fitch steht Spanien auf «BBB-«. Ein Abrutschen um eine Stufe auf Ramsch-Niveau könnte die Kreditaufnahme erheblich erschweren und verteuern.

Hilfe von der Eurozone

Moody's hatte im Juni zu einem Rundumschlag gegen die viertgrösste Euro-Volkswirtschaft ausgeholt. Damals senkte die Agentur Spaniens Bonität gleich um drei Stufen herunter und stellte weitere Abstufungen in Aussicht.

Zwischenzeitlich hat die Regierung des südeuropäischen Landes für 2013 aber eines der strengsten Sparprogramme seiner Geschichte verabschiedet, um das Haushaltsdefizit abzubauen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte angekündigt, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen. Spanien hat zudem Hilfe für seine Banken von der Eurozone zugesagt bekommen.

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Supermario am 17.10.2012 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Negativ bleibt negativ

    Ausblick negativ! Damit ist wohl klar, dass kein vernünftig denkender Investor einen neuen Euro Kredit an Spanien verschwendet. Ne weitere Herabstufung kann jederzeit eintreten.

  • Beobachter am 17.10.2012 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Unterträglich!

    Es ist unerträglich, wenn europäische Länder von irgendwelchen amerikanischen Ratingagenturen bewertet werden!

  • simon 08/15 am 17.10.2012 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    nur noch dumm

    werden die raitingagenturen bei einer fehleinschätzung wie letztes mal nicht angefasst? oder werden sie dann endlich zur rechenschaft gezogen? ich finde, bei einem irrtum dürften sie für den entstandenen schaden einstehen müssen. würde bedeuten, die firma ginge dann bankrott. wozu lässt man sich von unfähigen dilletanten bewerten, die letztes mal die kriese verursacht haben? oder wer hat ramsch mit AAA bewertet? waren doch diese raitingagenturen*sfg

    • Martina am 17.10.2012 09:11 Report Diesen Beitrag melden

      häää?

      Das sind nur Meinungen. Diese sind für Niemanden verbindlich. Und ich würde niemals Geld in Spanien anlegen. Nach meinem Rating ist Spanien und die ganze EU bankrott.

    • Pierre am 17.10.2012 11:16 Report Diesen Beitrag melden

      naaaja...

      @Martina...Schweizer Staatsschulden in Höhe von 250 Milliarden sind aber auch kein Zeichen für ein gutes Budget.

    • Supermario am 17.10.2012 14:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Pierre

      Zahl an den Haaren herbeigezogen!

    einklappen einklappen
  • CellJ am 17.10.2012 06:36 Report Diesen Beitrag melden

    Halbpleite ist auch pleite

    Da hilft so eine Meldung nichts.