Immobilienkrise

17. September 2012 07:31; Akt: 17.09.2012 08:26 Print

Wieso nicht ein Haus in Spanien kaufen?

Verscherbeln oder abreissen: Mit Kampfpreisen versuchen die spanischen Banken, toxische Immobilien, sprich Luxuswohnungen, loszuwerden. Es winken bis zu 70 Prozent Rabatt.

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Grosszügige Rabatte auf bereits tiefe Preise. (Bild: pk-spanien-immobilien.com)

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Die Häuserpreise in Spanien sind im zweiten Quartal so stark gefallen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Sie sanken um 14,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, teilte das Statistikamt am Freitag in Madrid mit.

Im ersten Vierteljahr hatte das Minus noch 12,6 Prozent betragen. In allen Kommunen ging es mit den Preisen bergab, besonders kräftig in der Hauptstadt Madrid mit 16 Prozent und im wirtschaftlich starken Katalonien mit 16,5 Prozent.

Nach einem jahrelangen Bauboom mit steigenden Immobilienpreisen platzte die Blase während der Finanzkrise. Die Banken kämpfen mit zahlreichen faulen Krediten, weil viele Spanier sich finanziell übernommen haben und die Immobilien nicht mehr oder nur mit enormen Einbussen losgeschlagen werden können.

Halbpreis

400 000 Euro kostete ein Zwei-Zimmer-Apartment in der Anlage Mirador de Benalmádena nahe Málaga einst - mit Meerblick und Zugang zu einem riesigen, zwischen Gärten gelegenen Pool.

Dasselbe gibt es heute schon für 250 000 Euro und oben drauf bis zu 30 Prozent Rabatt, wie Immobilienmakler Joaquín Luque erzählt. «Wenn Interessenten ein Angebot vorlegen, prüfen wir es», sagt Luque. Trotzdem stehe die Hälfte der Wohnungen leer.

Wie eine Bleikugel hängen vielen spanischen Banken die Immobilien am Hals, die schon für ihre Schuldner die Pleite bedeutet haben. Viele Bauunternehmer konnten ihre Kredite nicht mehr bedienen, als die Immobilienblase auch in Spanien platzte.

Ihre Apartmentkomplexe und Feriensiedlungen fielen an die Banken. Um sich zu retten, versuchen die Kreditinstitute nun selbst, möglichst schnell zu verkaufen - zu Spottpreisen.

Riesige Rabatte

Mit bis zu 70 Prozent Rabatt sollen Käufer angelockt werden. Und die Preise fallen weiter. Das wird zum Problem für die spanischen Banken, die bereits mit 100 Milliarden Euro von der EU gestützt werden müssen.

Spaniens grösste Bank Santander hat angekündigt, bis 2013 alle toxischen Immobilien abzustossen - also alle, die schwer oder sehr schwer zu verkaufen sind. Die BBVA, die zweitgrösste Bank des Landes, gibt sich dafür 18 bis 21 Monate.

Aber die Spanier selbst können auch zu Billigpreisen kaum noch kaufen. Bei einer Arbeitslosenquote von 24,6 Prozent vergeben die Banken immer weniger Kredite. Zielgruppe sind also vor allem Ausländer, besonders in den Tourismusregionen. Dort steht auch ein Drittel der 676 000 neuen Immobilien, die derzeit angeboten werden.

Ausländer im Visier

«Wir schauen auf die europäischen Länder, aber auch auf Schwellenländer wie Russland und China», sagt der Präsident des spanischen Verbands der Bauträger, José Manuel Galindo.

Sein Verband kooperiert mit der spanischen Regierung, um die Immobilien des Landes auch anderswo anzupreisen. Besonders mit dem Aussenministerium arbeite der Verband zusammen, erläutert er. «Um die Verwaltungsvorgänge zu vereinfachen.»

Auch der Zugang zu Visa soll erleichtert und der Kapitaltransfer gesichert werden. «Natürlich ist alles nachvollziehbar, um Geldwäscherei auszuschliessen», verspricht Galindo.

Weitere Bauprojekte

Paradoxerweise gehört zur Strategie der Banken auch, weitere Apartments zu bauen. Fernando Encinar vom Internet-Immobilienportal Idealista, begründet das so: «Es gibt Banken, die Bauland besitzen, auf dem derzeit niemand investiert. Und wenn dieses Land in reichen Städten liegt oder sie wissen, dass sie billige Apartments verkaufen könnten, fangen sie an zu bauen.»

Trotzdem entstehen in Spanien bei Weitem nicht so viele neue Gebäude wie noch 2006. Damals stampften Bauunternehmer 737 186 Wohnungen aus dem Boden. 2011 waren es nur 76 005.

Neue Häuser werden abgerissen

Und wenn alles nichts mehr hilft, dann werden inzwischen auch neue Häuser wieder abgerissen. Denn es gibt Objekte, zum Beispiel in Málaga, die nicht mal zu Ende gebaut wurden. Die werde nie jemand kaufen, weiss Immobilien-Experte Encinar.

«Vielleicht werden kurz- und mittelfristig viele Gebäude, die nicht fertig gebaut wurden, abgerissen, um das Gelände wieder der Natur zu überlassen», sagt er und befürchtet, dass in manchen Regionen Spaniens für lange Zeit keine neuen Gebäude mehr entstehen werden.

(whr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S. Frei am 17.09.2012 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wann bei uns?

    Ich warte bis es in der Schweiz endlich dazu kommt!

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  • R. Somer am 17.09.2012 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Trau schau wem ?!

    Bis zu 70% Rabatt ? Auf was ? Auf Bauruinen ? Habe seit einigen Jahren Berichte von persönlich Betroffenen gesammelt, welche im Mittelmeerraum Häuser gekauft haben, oder kaufen wollten. Ist schon eine sehr abenteuerliche Art, sein Vermögen und seine Nerven zu verlieren. Sicher gibt es auch viele, die Glück gehabt haben. Es kommt auf die Korruption vor Ort an. Und die kann sehr unterschiedlich sein. Und es kommt auch auf den Käufer/Investor (das potenzielle Opfer) an. Wer nicht viel oder wenig Erfahrungen mit Geschäftsbeziehungen im Aualand hat, sollte die Finger davon lassen.

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  • dave am 17.09.2012 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    spanien

    Meine Familie besitzt eine Ferienwohnung in Spanien... und dieses Jahr hab ich ein starke Veränderung miterleben müssen. Die Hälfte der Wohnungen steht leer und zu allem übel wurden die direkt unter uns (ein Hang/Hügel mit Ausblick aufs Meer) an reiche Russen verkauft... die wollen dort jetzt ein riesen Hotel bauen, welches uns die schöne Aussicht nehmen wird. Dies wäre nach spanischem Baurecht nicht erlaubt, doch die Gemeinde stellt auf stur.... Geld kann Gesetze biegen, vorallem in der Krise. Da wir bereits bezahlt haben intressiert sie unsere Anliegen nicht mehr.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martha Keller. am 17.09.2012 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Kaufen - Besteuern - Schröpfen

    Ja, klar! Kauft alle zu Spottspreisen. Wenn alle Immobilien verkauft sind, dann wir ein neues Steuergesetz gekommen, welche die neuen ausländischen Immobilienbesitzer schröpfen wird! Gleiches wird auch in Griechenland geschehen. Altes Spiel.

    • Michaela am 18.09.2012 10:34 Report Diesen Beitrag melden

      Kaufen-besteuern-

      ... genau dies ist der Grund, warum ich nicht kaufe. Ich wollte, doch man es sieht ja was in Griechenland und Frankreich passiert. Die Makler reden alles schön und ich sehe es eben anders. Ich hätte genug Geld um mir eine schöne Finca, Penthouse in Palma oder Puorto Andraxt kleines Haus zu gönnen, aber ich tue es nicht, weil ich Angst vor Besteuerung und Schröpfen hab.

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  • Schweizmann am 17.09.2012 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Bauqualität

    Auch nicht für 5000 Euro würde ich diese Schrottmobilien kaufen, fallen eh nach kurzer Zeit auseinander und dann werden die Kosten zum Fass ohne Boden.

    • Papierlischweizer am 17.09.2012 11:34 Report Diesen Beitrag melden

      Kommentarqualität

      Haben Sie denn auch Fakten, welche Ihre haarsträubende These untermauern würden? PS: Unsere Familie besitzt ein Haus in Spanien, welches 1998 erbaut wurde und immer noch in tadellosem Zustand ist.

    • Büezer am 17.09.2012 12:17 Report Diesen Beitrag melden

      schon richtig

      Schweizmann hat schon recht damit, das ist keine These - ein Grossteil der Häuser ist in einer, sogar für Spanien, schlechten Qualität gebaut - vor allem entlang der Küste. Es kann jeder froh sein, wenn er eines der wenigen Objekte "erwischt" hat, die in zufriedenstellender und nachhaltiger Qualität gebaut wurden...

    • Michaela am 18.09.2012 10:35 Report Diesen Beitrag melden

      Schimmelburgen und Feuchtbiotope

      ...viele sind so schlecht gebaut obwohl mehr als eine mio kosten, dass diese schon eigenständiges Leben führen. Schimmel sei Dank.

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  • Pedro Remulla am 17.09.2012 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Immobilie kaufen = gute Idee

    Zur Zeit sind Immobilien wirklich günstig. Und auch sonst ist das Leben in Spanien wesentlich günstiger als in der CH. Mein Vorschlag: ein Haus kaufen in Küstennähe z.B kombiniert mit einem kleinen Gastrobetrieb und auswandern.

    • Peter Imboden am 17.09.2012 11:42 Report Diesen Beitrag melden

      nicht durchdacht...

      Dann kannst Du Dein Geld gleich verschenken - 25% Arbeitslose heisst, dass auch niemand Deinen Gastrobetrieb besuchen kommt... Aber bitte - versuch Dein Glück!!! Nur die Immobilie kaufen lohnt sich nur, wenn Du es (z.B. bei Pensionierung) aktiv nutzen kannst und so die laufenden Kosten amortisieren kannst - als Geldanlage wertlos (siehe Beitrag Schweizmann).

    • Henner Durst am 17.09.2012 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Mach ich mit

      Sehr gutte Idee. Ich bin eh mein bester Gascht. Meine Pension umgerechnet in spanische Euros das kann ich Jahrzehnte aushalte.

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  • Thomas am 17.09.2012 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Für was?

    Und für was? Das sie es vielleicht nach einem Staatsbankrott nachher enteignen? Der Wirtschaftskollaps kommt so oder so und dann bekommen wir Land bald so oder so noch billiger hinterher geschmissen, aber die Lebensmittel werden unermesslich teurer, da die Hyperinflation nicht mehr lange auf sich warten lässt.

    • P.N. am 17.09.2012 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Teuer

      Ja es fängt schon an ,,,,,Die Lebensmittel in Spanien sind im Verhältnis zum Lohn enorm teuer !

    • Raul Suarez am 17.09.2012 12:01 Report Diesen Beitrag melden

      Lebensmittel teuer ??

      die Lebensmittel sind auch für Spanier günstig, wo kaufe ich ein Gemüse am Martkt, Fleisch ist ein Drittel , als in der Schweiz und von super Qualität.

    • Büezer am 17.09.2012 12:19 Report Diesen Beitrag melden

      super Qualität

      Das "super Qualität" beim Fleisch trifft vielleicht auf den Nordwesten zu - im restlichen Spanien ist es leider ziemlich schwierig an qualitativ gutes Fleisch zu kommen.

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  • Beobachter am 17.09.2012 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wartet noch

    Wenn der Euro dann zehn Rappen wert ist, dann kaufen

    • Marc-André Müller am 17.09.2012 10:56 Report Diesen Beitrag melden

      Die kleine Schweiz

      Als würde dann die kleine Schweiz den höheren Wert der eigenen Währung halten können! Träum weiter, lieber Beobachter!

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