Spekulanten

29. November 2012 17:25; Akt: 29.11.2012 17:25 Print

Griechenland lädt ungewollt zum Pokern ein

Der Rückkauf der eigenen Staatsanleihen durch Griechenland könnte für Hedgefonds hohe Gewinne abwerfen, während die griechischen Banken in die Röhre gucken.

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Hedgefonds mit «gutem Händchen». (Bild: Keystone)

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Den geplanten Rückkauf griechischer Staatsanleihen könnten Hedgefonds als Einladung zum Pokerspiel verstehen. Denn wenn es Griechenland gelingt, seine Schulden zu verringern, sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts und steigt der Wert der Anleihen.

Dies gilt dann auch für jene Papiere, die Hedgefonds vor Monaten zu einem Preis gekauft haben, der sich schon jetzt als Schnäppchen herausstellt. Der Kreis der Spieler ist exklusiv, denn nicht alle können mitpokern.

«Man kann auch eine Münze werfen»

Vor allem die griechischen Banken dürften noch viele Anleihen ihres eigenen Staates in den Portfolios eingelegt haben - und zwar auch teuer eingekaufte. Für diese Institute könnte das Angebot, wenn sie es annehmen, die Verluste noch vergrössern.

«Man kann auch eine Münze werfen und damit Geld machen», sagt Richard Cookson, der für die Citi Private Bank das globale Investmentgeschäft verantwortet. «Aber anders als für Hedgefonds ist das für uns schwer zu spielen.»

Auch den griechischen Banken drohen Verluste, die ihre Aktionäre offenbar nicht tragen wollen. Am Mittwoch etwa brach an der Athener Börse der lokale Banken-Index ein - um zeitweise über neun Prozent.

Profit winkt

Für die Hedgefonds Third Point oder Dromeus Capital könnte die Rechnung dagegen aufgehen. Denn diese haben griechische Anleihen in grossem Stil gekauft, als sie weit weniger wert waren. Für sie stellt sich nun die grosse Frage, ob sie das Angebot der griechischen Regierung annehmen sollen.

«Das ist wie ein Pokerspiel. Zuerst muss man verstehen, was alle anderen machen», sagt Achilles Risvas, Chef von Dromeus Capital. Abhängig davon könnten die Anleihepreise im nachhinein wieder anziehen und für seinen Fonds noch profitabler werden. Deshalb könnte es sich lohnen, abzuwarten und auf einen höheren Preis zu hoffen.

Ziel des Rückkaufprogramms ist es, dazu beizutragen, bis 2020 die Gesamtverschuldung Griechenlands auf 124 Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken. Aktuell liegt sie bei gut 170 Prozent. Entscheidend für den Erfolg des Rückkaufprogramms ist daher, wie viele private Anleger eben nicht zocken und das Angebot der Griechen annehmen werden.

Teilnahme freiwillig

Der griechische Finanzminister Yannis Stournaras betonte am Mittwoch die Freiwilligkeit der Teilnahme der Gläubiger an dem Programm. Er rechne mit einem Erfolg, fügte er hinzu. Aus Kreisen seines Ministeriums verlautete, das Land habe die Deutsche Bank und Morgan Stanley mit der Organisation des Programms beauftragt.

Wie viel das Land zurückkaufen will, bleibt vorläufig in Athen aber noch ein Geheimnis. Insider rechnen damit, dass die Schulden durch den Rückkauf um 20 Milliarden Euro reduziert werden können. Insgesamt dürften Privatinvestoren noch Anleihen für rund 60 Milliarden Euro halten. Anfang nächster Woche könnte Griechenland sein Angebot ausschreiben.

Der Wert der griechischen Schulden mit einer Laufzeit von zehn Jahren liegt im Moment knapp unter 35 Cent je ein Euro Schulden. Bei längeren Laufzeiten liegt der Wert niedriger. Auch die zehnjährigen Papiere waren zu Beginn des Jahres, als die privaten Gläubiger erstmals zu einem Schuldenschnitt aufgefordert wurden, deutlich günstiger zu haben.

Hedgefonds mit «gutem Händchen»

Seinerzeit griffen offensichtlich einige Hedgefonds zu. Einer davon ist Daniel Loebs Fonds Third Point, der darauf wettete, dass ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone immer weniger wahrscheinlich wird. Third Point verwaltet insgesamt ein Vermögen von 9,3 Milliarden Dollar. Im Portfolio sind laut Third Point griechische Anleihen genauso stark vertreten wie Apple-Aktien.

Nach eigenen Angaben kaufte Loeb die Anleihen gebündelt in einem sogenannten «Strip» zu etwa 17 Cent je Dollar. Die durchschnittliche Laufzeit liege bei 20 Jahren, schrieb der Fondschef seinen Investoren Anfang Oktober.

Die 20-jährigen Staatsanleihen hatten vor der am 26. November vereinbarten Rettung Griechenlands einen Wert von rund 26 Cent je Euro. Dieser Preis ist voraussichtlich relevant für das Rückkaufangebot der Regierung in Athen.

Ein ähnlich gutes Händchen dürfte der Hedgefonds Dromeus Capital gehabt haben. Nach Angaben seines Chefs hat der Fonds für 18 und 19 Euro-Cents griechische Anleihen gekauft, deren Wert nun bei 28,5 Cents je Euro liegt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • E.Mitros am 29.11.2012 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Wo kann man solche Anleihen kaufen? Kann das überhaupt ein privater Anleger?

  • Keynes am 29.11.2012 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Unser effizienter Finanzkapitalismus!?

    Mit Hoffen und Wetten auf Staatsanleihen, Währungen etc. garnieren diese achso gescheiten Personen astronomische Gewinne. Doch bringt dies für die gesamte Gesellschaft einen Nutzen? Wo führt uns diese Wende hin; vom Unternehmer- zum Finanzkapitalismus?

  • Willi Tell am 29.11.2012 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Schamlos

    Super, wenn wieder ein paar Aas-Geier von den finanziellen Problemen eines Landes profitieren können. Was die da erwirtschaften - ohne einen Finger zu rühren - fehlt dann ganz bestimmt wieder an einer anderen Ecke, wo es den Durchschnittsbürger und nicht Reiche und Spekulanten betrifft. Einfach schamlos, sowas!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul Huber am 30.11.2012 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Monopoly Europa

    Monopoly geht weiter nur aufs richtige Feld setzen und am Ende sind laut Politiker wieder die Banken die Schuldigen !!

  • E.Mitros am 29.11.2012 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Wo kann man solche Anleihen kaufen? Kann das überhaupt ein privater Anleger?

  • Willi Tell am 29.11.2012 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Schamlos

    Super, wenn wieder ein paar Aas-Geier von den finanziellen Problemen eines Landes profitieren können. Was die da erwirtschaften - ohne einen Finger zu rühren - fehlt dann ganz bestimmt wieder an einer anderen Ecke, wo es den Durchschnittsbürger und nicht Reiche und Spekulanten betrifft. Einfach schamlos, sowas!

  • Keynes am 29.11.2012 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Unser effizienter Finanzkapitalismus!?

    Mit Hoffen und Wetten auf Staatsanleihen, Währungen etc. garnieren diese achso gescheiten Personen astronomische Gewinne. Doch bringt dies für die gesamte Gesellschaft einen Nutzen? Wo führt uns diese Wende hin; vom Unternehmer- zum Finanzkapitalismus?

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