Erwartungen übertroffen

19. Juni 2012 23:15; Akt: 20.06.2012 10:24 Print

G-20 stemmen sich gegen Krise

Der G20-Gipfel ist nach anfänglichen Differenzen erstaunlich harmonisch zu Ende gegangen. Schwellen- und Industrieländer wollen gemeinsam gegen die Finanz- und Eurokrise kämpfen.

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Wladimir Putin (links) und Barack Obama plädierten für einen politischen Prozess zur Beilegung des Syrien-Konflikts. (Bild: Keystone)

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Die grossen Industrie- und Schwellenländer (G-20) wollen sich gemeinsam gegen die Krise stemmen - setzen dabei aber unterschiedliche Schwerpunkte. Sie stellten in Los Cabos mehr Geld für in Not geratene Staaten bereit. Europa ist aber weitgehend auf sich selber gestellt.

Insgesamt erhöht sich der IWF-Schutzwall - Geld, auf das alle IWF- Mitglieder im Notfall zurückgreifen können - um 456 Milliarden auf insgesamt mehr als eine Billion Dollar, wie IWF-Chefin Christine Lagarde bekanntgeben konnte.

China wird als zweitgrösste Wirtschaftsmacht der Welt 43 Milliarden Dollar zu den Krisenreserven des Internationalen Währungsfonds (IWF) beisteuern. Das meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag, ohne Details zu nennen.

China und die anderen grossen Schwellenländer Brasilien, Indien, Russland und Südafrika (die so genannten BRICS-Staaten) hatten sich schon vor dem G20-Gipfel im mexikanischen Los Cabos darauf verständigt, ihre Beiträge zum IWF zu erhöhen.

Erwartungen übertroffen

Hier seien die «Erwartungen übertroffen» worden, kommentierte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Abschluss des Gipfels. Die Aufstockung geschah aber nicht selbstlos: Die BRICS-Staaten stellten Bedingungen, darunter IWF-Reformen, die ihnen mehr Mitsprache einräumen sollen.

Die Reform komme langsamer als die Aufstockung der Ressourcen voran, beklagte Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh am Dienstag auf dem G20-Gipfel. Indien stellt zehn Milliarden Dollar für den IWF bereit.

Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao sagte, die neue Verteilung der Stimmrechte sei «eine dringende Aufgabe». Die Entwicklungsländer müssten besser vertreten sein, sagte der Präsident.

Europa verbittet sich Nachhilfe

Die Schuldenkrise in Europa fand auch Eingang in die Abschlusserklärung. Die G-20 sei bereit «alle notwendigen Massnahmen zum Erhalt von Integrität und Stabilität» der Eurozone zu ergreifen. Schliesslich sei aber die Eurozone in der Pflicht, die Finanzmärkte zu beruhigen, Vertrauen zurückzugewinnen und Wachstum zu schaffen, hiess es im Entwurf.

Die Europäer reagierten in Los Cabos teils unwirsch auf die wachsende Kritik an ihrem Krisenmanagement. Besonders EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso verbat sich ungebetene Nachhilfe in Sachen Demokratie und Wirtschaftspolitik.

Die Krise habe schliesslich ihren Ursprung in Nordamerika, erklärte Barroso. Doch nicht nur die USA bekamen einen Seitenhieb verpasst, sondern auch China. «Nicht alle Mitglieder der G-20 sind Demokratien, aber wir sind Demokratien, und wir treffen Entscheidungen demokratisch, auch wenn das manchmal mehr Zeit in Anspruch nimmt», sagte Barroso.

Auch die deutsche Bundeskanzlerin Merkel hatte sich dagegen verwahrt, dass allein die Europäische Union wegen der Eurokrise an den Pranger gestellt wird. Jeder Kontinent werde seinen Beitrag zu mehr Wachstum und Stabilität leisten müssen, sagte Merkel.

Sie verwies darauf, dass es neben der europäischen Schuldenkrise auch andere Gefahren für das weltweite Wirtschaftswachstum gebe. Dazu gehörten Protektionismus, die Budgetsituation in den USA sowie bestimmte Wirtschaftspolitiken der Schwellenländer. In Los Cabos habe jeder zu seiner Verantwortung gestanden.

Bankenunion geplant

Die Europäer vereinbarten in Mexiko Schritte hin zu einer Art Bankenunion. Im Entwurf der Schlusserklärung wurde eine «integriertere Finanzarchitektur» erwähnt, genannt wurden unter anderem Bankenaufsicht, Rekapitalisierung und Einlagensicherung.

Los Cabos war der siebte G20-Gipfel seit November 2008, als die Staats-und Regierungschefs erstmals zusammengekommen waren, um das Weltfinanzsystem nach der Pleite der US-Investbank Lehman Brothers vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Der nächste G20-Gipfel ist im September 2013 in St. Petersburg.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • weberli am 19.06.2012 04:36 Report Diesen Beitrag melden

    den anderen schuld geben ist einfach..

    logisch, wenn man nicht weiter weis den anderen schuld geben. war schon immer das einfachste. aber mal lösungen auf zu zeigen kommt niemanden in den sinn..............

  • Petra Studer am 19.06.2012 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Konsens anstatt Schuldzuweisungen

    Anstatt sich um eine Lösung der sich weiterhin schnell verschlechternden wirtschaftlichen Lage in Europa zu bemühen, wird Herr Barroso von Huchmut getrieben, der sich einem dringend benötigten Konsens gar abwendet. Der Grund für die Refinanzierungsproblematik diverser EU Staaten liegt darin, dass den Spekulanten riesige Spekulationsmöglichkeiten geboten werden, durch unterschiedliche Finanzierungskosten für den ein und denselben EURO mit derselben Kaufkraft für alle. Das kann und wird nie funktionieren!

  • Martin am 19.06.2012 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    EU ja...

    Und plöztlich sind alle hier EU Fans... wie schnell die Schweizer doch die Seiten wechseln :-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Petra Studer am 19.06.2012 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Konsens anstatt Schuldzuweisungen

    Anstatt sich um eine Lösung der sich weiterhin schnell verschlechternden wirtschaftlichen Lage in Europa zu bemühen, wird Herr Barroso von Huchmut getrieben, der sich einem dringend benötigten Konsens gar abwendet. Der Grund für die Refinanzierungsproblematik diverser EU Staaten liegt darin, dass den Spekulanten riesige Spekulationsmöglichkeiten geboten werden, durch unterschiedliche Finanzierungskosten für den ein und denselben EURO mit derselben Kaufkraft für alle. Das kann und wird nie funktionieren!

  • Hans Frey am 19.06.2012 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    EU und Demokratie

    ... da soll Herr Baroso der Welt doch mal die demokratische Legitimation der EU erklären....!

  • Büezer am 19.06.2012 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kindergarten

    Sorry - aber solches Getue von Staatsmännern und -frauen ist einfach nur kindisch. Es sollte jeder für seine Fehler geradestehen!

  • Fizzi am 19.06.2012 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich mal!!!

    Baroso, sonst eher ein lichtloser Politiker hat endlich mal tacheles geredet. USA, das land mit der wohl höchsten Staatsverschuldun, will anderen erzählen, wie man eine Krise bewältigt? In den USA sind rund 900 Banken wegen der Imobilienkrise eingegangen. In Europa nicht. Der soll mal vor der eigenen Haustüre wischen. Die USA halten absolut unberechtigt das AAA+. Wär mal an der Zeit, dass die Ratingagenturen dem Rechnung tragen. USA ist schon lange kein Leader mehr. Nur noch ein schatten seiner selbst.

  • MOSES am 19.06.2012 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt?

    Na und, Europa hat den USA schon lange den Rücken zugekehrt!

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