Schuldenkrise

18. Oktober 2012 04:09; Akt: 18.10.2012 04:33 Print

Noch immer kein grünes Licht für neue Milliarden

Die internationalen Geldgeber wollen mit der Auszahlung der nächsten Hilfstranche an Griechenland noch warten und verlangen weitere Gespräche. Derweil rufen Gewerkschaften zum nächsten Generalstreik auf.

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Eine Griechin beobachtet am 15. Oktober vor dem Parlamentsgebäude den Aufmarsch eines Demonstrationszuges. Schon am Donnerstag soll ein weiterer Generalstreik weite Teile des öffentlichen Lebens lahmlegen.

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Die «Troika» der internationalen Geldgeber hat ihre Verhandlungen in Athen abgeschlossen. Es gebe mit den griechischen Behörden zwar Einigkeit über die meisten Spar- und Reformvorhaben, doch weitere Diskussionen seien nötig, berichtete die EU-Kommission am Mittwochabend in Brüssel.

Eine Vereinbarung auf Beamtenebene sei für die nächsten Tage geplant. Es gebe auch Gespräche über «Finanzierungsthemen» zwischen den Geldgebern und Athen.

Ein positiver Bericht der Troika aus Vertretern von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) ist Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Hilfstranche von 31,5 Mrd. Euro an das pleitebedrohte Euro-Land.

Die Koalitionsregierung in Athen ist untereinander uneins. Seit Monaten wird um das geplante 13,5 Mrd. Euro schwere Sparpaket gestritten. Die griechischen Gewerkschaften laufen Sturm gegen weitere Einsparungen und haben für Donnerstag zum landesweiten Generalstreik aufgerufen.

Generalstreik am Donnerstag

Staatsbedienstete, Bank-, Post- und Eisenbahnangestellte sollen für 24 Stunden streiken. Die Fluglotsen kündigten ihrerseits eine dreistündige Arbeitsniederlegung am Vormittag an, was den Flugverkehr um Athen zeitweilig zum Erliegen bringen könnte.

Der Generalstreik soll nach Angaben der Gewerkschaften den am Donnerstag und Freitag in Brüssel tagenden EU-Staats- und Regierungschefs die Botschaft vermitteln, dass die griechische Gesellschaft die Belastung durch die Sparmassnahmen nicht mehr länger tragen könne.

Sperrkonto im Gespräch

Deutschland will bei den Milliarden-Rettungshilfen für Griechenland die Zügel straffer anziehen. Wie am Mittwoch aus Koalitionskreisen in Berlin verlautete, strebt Berlin mit der Auszahlung der nächsten Kredittranche ein Sonderkonto mit schärferen Kontrollmechanismen an. Auf das Sperrkonto soll die Athener Regierung keinen Zugriff haben.

«Wir wollen jetzt eine Lösung, die hält», hiess es. Berlin hatte zuletzt bekräftigt, Athen im Euro-Raum halten zu wollen. Ziel ist es dem Vernehmen nach, dass Athen das erhaltene Geld nicht nach eigenen Vorstellungen ausgeben kann und vorrangig seine Schulden bei den internationalen Kreditgebern bedient.

Kommt Athen mit dem Geld nicht aus, muss es selbst die Lücke füllen. Kontrolliert werden sollte dies entweder von der Troika der Geldgeber, der EZB allein oder dem EU-Währungskommissar.

Dominoeffekt befürchtet

Ein Austritt Griechenlands (»Grexit») aus der Euro-Zone könnte nach Einschätzung von Experten die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung würden die 42 wichtigsten Volkswirtschaften der Welt im schlimmsten Fall bis zum Jahr 2020 Wachstumseinbussen in Höhe von insgesamt 17,2 Billionen Euro erleiden.

Das wäre der Fall, wenn die Anleger als Folge auch Spanien und Italien das Vertrauen entzögen und es dort ebenfalls zu Staatsbankrotten käme. Die internationale Staatengemeinschaft sollte daher einen Staatsbankrott und Euroaustritt Griechenlands verhindern, um die damit verbundenen möglichen Dominoeffekte zu vermeiden.

Deutschland müsste teuer bezahlen

Deutschland müsste demnach allein bis 2020 mit 73 Mrd. Euro Einbussen bei der Wirtschaftsleistung rechnen. Dazu kämen 64 Mrd. Euro Einmalkosten für den «Grexit» durch Abschreibungen auf Forderungen privater und öffentlicher Gläubiger.

Griechenland käme die Rückkehr zur Drachme weitaus teurer: Den Berechnungen zufolge müsste sich das Land auf 164 Mrd. Euro Wachstumsverluste bis 2020 einstellen.

Bei den Szenarien wurde unterstellt, dass private wie öffentliche Gläubiger auf 60 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten müssten. Zudem wurde angenommen, dass eine neue griechische Währung um 50 Prozent gegenüber dem Euro abgewertet würde.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mary am 18.10.2012 07:46 Report Diesen Beitrag melden

    Noch immer nicht?

    Die Headline klingt, als ob die Ablieferung der Milliarden das Normalste der Welt wäre. Dabei heisst es heute noch in den EU-Gesetzen, dass kein Staat für die Schulden eines anderen bezahlt. Schon eigenartig, wenn nicht einmal Politiker sich ans Gesetz halten.

  • Grieche am 18.10.2012 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Politiker sind an allem Schuld und unantastbar

    Also ich will jetzt mal ein paar Sachen loswerden. Ich bin selber Grieche und bekomme von erster Hand mit wie es dort unten abläuft.Sie haben seit die Krise angefangen hatt immer von den Rentner mittel und Unterschicht alles gekürzt teilweise bis zu über 60% des Lohnes. Dann haben sie dazu noch so eine Art Steuebusse eingeführt und zwar für alle Griechen egal ob sie vorher ganz brav ihre Steuern bezahlt haben. Und jetzt wollen sie noch mehr die Löhne kürzen. Das paradoxe: reiche und Politiker mussten keine Lohnkürzungen hinnehmen!Die steuesünder-CD die die CH gegeben hat ist nie Thema gewesen!

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  • Hans am 18.10.2012 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wurzelbehandlung ist angesagt.

    Liebe Griechen, geht endlich den abgewanderten Milliardären an den Kragen. Diese haben über Jahrzehnte mit Hilfe der Politikerkasten durch Korruption das Land ausgesaugt. Beim Sparen sollen zuerst mal die Politiker mit Gute Beispiel vorangehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Grünenfelder am 18.10.2012 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Griechenland sollte austreten

    Freiwillig gehen und das Land mit der eigenen Währung aufbauen. Das würde dem Land am meisten helfen. Es gäbe auch dann bestimmt EU-Hilfe, aber so reisst es einfach alles mit. Die EU hat ihre Glaubwürdigkeit mit oder ohne Griechenland verloren.

  • Markus H. aus R. am 18.10.2012 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    zum 3.

    Welche fatalen Folgen der Euro-"Rettungsschirm" bereits heute hat, belegen die sicherlich noch zurückhaltend genannten Verluste, auf welchen die EU- Mitgliedstaaten heute sitzen. Der finanzielle Zusammenbruch lässt sich de facto also sowieso nur noch hinauszögern, frei nach dem Motto: Lasst znd Banknoten drucken, bis uns die Druckerschwärze ausgeht. Noch eines wird immer klarer: Die immensen Eurosummen, welche die SNB "zum Wohl der Schweizer Wirtschaft" bereits gekauft hat und noch kaufen wird, werden irgendwann als Verluste verbucht werden müssen, denn: Der Euro wird sich nie mehr erholen!

    • banker am 18.10.2012 10:28 Report Diesen Beitrag melden

      notenbank

      wenn die ezb schlau wäre, dann würde sie langsam aber sicher ihre euros abbauen solange der euro nicht mehr an der 1.2000 grenze ist. denke aber kaum, dass das gemacht wird/wurde

    • Simon Schild am 18.10.2012 12:01 Report Diesen Beitrag melden

      EZB? Eher SNB müsste abbauen...

      @Banker. Ihr Name entspricht wohl nicht den Tatsachen. Die EZB hat den Euro so oder so, das es deren Währung ist. Sie meinten wohl eher unsere SNB. EZB = Europäische Zentralbank, SNB = Schweizer Nationalbank - sehen Sie den Unterschied? Sie als "Banker" sollten den kennen! ;)

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  • Hans am 18.10.2012 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wurzelbehandlung ist angesagt.

    Liebe Griechen, geht endlich den abgewanderten Milliardären an den Kragen. Diese haben über Jahrzehnte mit Hilfe der Politikerkasten durch Korruption das Land ausgesaugt. Beim Sparen sollen zuerst mal die Politiker mit Gute Beispiel vorangehen.

    • von mir am 18.10.2012 10:29 Report Diesen Beitrag melden

      beispiel

      na was denn jetzt? sparen oder das geld von den reichen milliardären holen? wenn ein wasserbecken ein loch hat, dann sollte man das leck stopfen und nicht einfach noch mehr wasser rein schütten.

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  • Grieche am 18.10.2012 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Politiker sind an allem Schuld und unantastbar

    Also ich will jetzt mal ein paar Sachen loswerden. Ich bin selber Grieche und bekomme von erster Hand mit wie es dort unten abläuft.Sie haben seit die Krise angefangen hatt immer von den Rentner mittel und Unterschicht alles gekürzt teilweise bis zu über 60% des Lohnes. Dann haben sie dazu noch so eine Art Steuebusse eingeführt und zwar für alle Griechen egal ob sie vorher ganz brav ihre Steuern bezahlt haben. Und jetzt wollen sie noch mehr die Löhne kürzen. Das paradoxe: reiche und Politiker mussten keine Lohnkürzungen hinnehmen!Die steuesünder-CD die die CH gegeben hat ist nie Thema gewesen!

    • tobi am 18.10.2012 09:01 Report Diesen Beitrag melden

      @grieche

      danke das es mal einer auspricht.. ledier fallen die meisten immer noch auf die tägliche medien-propaganda herein.

    • Manula am 18.10.2012 09:35 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt nicht

      Auch Grieche. Ich kenne das ganz anders. Einem bekannten hat der Wald gebrannt, Oliven verbrannt unbewirtschaftetes Land verbrannt. Und er hat kassiert und kassiert. Das kann doch nicht aufgehen. Da wurde im grossen beschissen

    • Simi am 18.10.2012 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Das ist die realität

      So ist es leider wirklich. Und von den Medienverblödetet CHs liest man dann immer das die faulen griechen doch einfach arbeiten sollen. Solche aussagen strotzen nur vor ahnunglosigkeit. Oder was wûrdet ihr machen. Immer fleissig gearbeitet und zum dank jetzt noch 40% des lohns erhallten?

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  • Mary am 18.10.2012 07:46 Report Diesen Beitrag melden

    Noch immer nicht?

    Die Headline klingt, als ob die Ablieferung der Milliarden das Normalste der Welt wäre. Dabei heisst es heute noch in den EU-Gesetzen, dass kein Staat für die Schulden eines anderen bezahlt. Schon eigenartig, wenn nicht einmal Politiker sich ans Gesetz halten.