Euro-Rettungsschirm

30. März 2012 12:13; Akt: 30.03.2012 14:45 Print

800'000'000'000 Euro!

Der permanente Rettungsschirm ESM für die Eurozone wird auf über 800 Milliarden Euro hochgeschraubt. Die Reaktion an den Märkten lässt nicht auf sich warten.

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Die Brandmauer gegen eine Ausweitung der Euro-Krise wird massiv aufgestockt. Die Finanzminister der Euro-Gruppe verständigten sich bei ihrem Treffen in Kopenhagen darauf, die Gesamtkapazität der Rettungsschirme vorübergehend auf 800 Milliarden Euro zu erhöhen.

500 Mrd. Euro an «frischem Geld» wird der dauerhafte Fonds ESM bereitstellen, der Rest sind verplante oder schon ausgezahlte Finanzspritzen. Rufe aus Frankreich nach einem Bollwerk von einer Billionen Euro wehrte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble ab.

«Die Euroländer mobilisieren eine Brandschutzmauer von rund 800 Milliarden Euro, mehr als eine Billion US-Dollar», heisst es in einer Erklärung der Euro-Gruppe nach ihrem Treffen vom Freitag. Die symbolische Zahl soll die Märkte ein für alle Mal von der Unverwundbarkeit der Währungsunion überzeugen.

Schäuble: «Ich denke, das ist genug»

Frankreich sieht die Euro-Zone nun in einer guten Ausgangsposition, vom Internationalen Währungsfonds (IWF) die Zusage für ein grösseres Engagement im Kampf gegen die Euro-Krise zu erhalten.

«Ich denke, das ist genug», hatte Schäuble schon am Vortag betont. Sein Zugeständnis besteht darin, dass die schon für Irland, Portugal und Griechenland verplanten 200 EFSF-Milliarden nicht vom ESM-Volumen abgezogen werden. Ausserdem musste Berlin akzeptieren, dass die noch nicht verplanten 240 EFSF-Milliarden bis zum Sommer 2013 als Puffer in Reserve gehalten werden.

700-Milliarden-Deckel für kombinierte Schirme

Angezapft werden können sie aber nur, wenn ein grosses Rettungsprogramm aufgelegt werden muss und der ESM dafür noch nicht ausreichend aufgefüllt ist. Die kombinierte Feuerkraft beider Rettungsschirme wurde auf 700 Mrd. Euro gedeckelt.

Sie wurde damit auch nicht - wie von EU-Kommission, Frankreich und mehreren anderen Euroländern gefordert - befristet auf 940 Mrd. Euro addiert. Braucht Portugal ein neues Programm, oder brauchen Spanien oder Italien Hilfe aus dem Euro-Tropf, dann wird aber Juli der ESM angezapft, und nicht mehr der EFSF.

Damit die Schirme möglichst kurz parallel aufgespannt bleiben müssen, drücken die Euroländer beim Aufbau des ESM jetzt aufs Tempo. So sollen nicht nur in diesem Jahr, sondern auch im kommenden Jahr jeweils zwei Tranchen des Barkapitals eingezahlt werden, der letzte Beitrag folgt 2014.

Rechenkünste bemüht

Um auf die 800 Mrd. Euro zu kommen, vor allem auf die symbolisch als wichtig betrachtete Zahl von gut einer Billion US-Dollar, haben Schäuble und seine Kollegen fleissig addiert.

Die Zahl setzt sich zusammen aus 200 Mrd. Euro, die inzwischen für Irland, Portugal und Griechenland verplant sind. Aus 53 Mrd. Euro, die schon an Athen überwiesen worden sind, plus 49 Mrd. Euro aus einem EFSM genannten Topf der EU-Kommission. Das Geld wird, wie von Deutschland angeboten, nicht vom ESM abgezogen, sodass dessen volles Volumen von 500 Mrd. Euro draufgepackt wird.

Erst wenn die schon vergebenen Kredite auch zurückgezahlt werden, sinkt auch das Haftungsrisiko für den Steuerzahler in den Geberländern wieder. Das wird sich nicht - wie von Bundeskanzlerin Angela Merkel angedeutet - in einigen Jahren erledigt haben. Denn die Laufzeit der Notkredite liegt im Schnitt bei 25 Jahren.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bluesky am 30.03.2012 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Geht die EU unter?

    Die Möglichkeit, dass es bald Bummmm in ganz Europa macht, ist bald um einiges grösser als in den USA.

  • Realist am 30.03.2012 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    12.000 Mrd. BIP

    Bei der gewaltigen Summe von 800 Mrd. Euro ist es ggf. ratsam, sich die Wirtschaftskraft der EU anzuschauen. Das BIP umfasst derzeit 12.000 Mrd Euro, erwirtschaftet in 27 Länder mit 500 Mio. Menschen - pro Jahr. Der Rettungsschirm hat eine Laufzeit von etwa 10 Jahren und wird derzeit zu 1 % am Kapitalmarkt aufgenommen. Die Geberländer tragen das Risiko, erhalten aber einen Zinssatz zwischen 4-5 %. Bezogen auf 10 Jahre stehen den 800 Mrd. 120.000 Mrd. BIP gegenüber. Und bis zu 300 Mrd. Zinsgewinn für die Geberländer. Dieser Gewinn wiederum kompensiert den Default eines Landes (ausser Italien).

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  • Stefan Badertscher am 30.03.2012 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Geld drucken!

    Ist schon toll, dass Politiker einfach Geld drucken lassen koennen. Ich will das als Privatperson auch duerfen!! Wenn die Politiker fuer Geld auch mal haetten arbeiten muessen, dann wuerde die auch anders denken! Aber leider gehts von der Universitaet direkt in die Politik. Wie soll da jemand Ahnung von Wirtschaft haben!?! Wir leben leider in einer Zeit, wo Versager belohnt werden (Griechenland!) und wenn man sich an Gesetze und Vorschriften haelt, wird man bestraft. Toller Lerneffekt!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gogo Chanel am 30.03.2012 22:00 Report Diesen Beitrag melden

    Gigantische Summe

    Das dürfte langsam in die Nähe der Hälfte des BSP der gesamten EU-Länder kommen. Prost dann! Ich freue mich schon auf die vielen langen Gesichter, wenn das Kartenhaus einstürzt.

  • Thomas am 30.03.2012 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Geld heisst nicht mehr Sicherheit!

    Mehr Geld heisst nicht mehr Sicherheit! Mehr Geld heisst einach nur mehr Inflation, dass die Bürger der EU Länder in den nächsten Jahren zu bezahlen haben! Bei 800 Milliarden dürfte diese wohl recht hoch sein.

  • Michael am 30.03.2012 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtswidrig im höchsten Masse

    Ich habs letztens ein Kommentar zu diesem Thema verfasst und tu es wieder. Der Rettungsschirm ist der Untergang der EU! Dieser Rettungsschirm ist rechtswidrig! Er gibt einem, nicht vom Volk gewählte, Gremium die Möglichkeit, die gesamten Schulden eines Landes binnen 7 Tage zu begleichen, dies ist unmöglich, für kein Land in der EU! Sollte die Geldforderung nicht beglichen werden, wird an die EZB berpfändet! Die EZB liegt in privater Hand! Es ist schon fast sureal, was hier in Europa gerade passiert. Man zwingt die einzelnen Staaten in eine Diktatur! Die Bürger der EU müssen sofort handeln!

    • asgart1 am 01.04.2012 21:49 Report Diesen Beitrag melden

      Bravo Michael

      sehr guter Bericht .

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  • Der Prediger am 30.03.2012 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst die Schweiz wachsen

    Den Schweizerfanken ansteigen lassen und von allen Länder Land kaufen. Wäre doch toll wenn Sardinien plötzlich zur Schweiz gehört. :-)

  • Studi am 30.03.2012 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleiner Tipp von mir

    Schaut euch einfach mal "Zeitgeist Addendum Deutsch"auf Youtube an. Dies dürfte so manches klären. Seit diesem Film ist für mich alles erklärt. Es gibt kein zurück, das System ansich ist fehlerhaft, da können auch die Griechen eca. nichts dafür. Man müsste alles überarbeiten, wollen das die Politiker? Meine Meinung, es interessiert sie nicht oder sie sind unwissend.