Schuldenkrise

26. Mai 2012 16:03; Akt: 26.05.2012 16:09 Print

Lagarde hat wenig Mitleid mit Griechen

Mit deutlichen Worten hat die IWF-Chefin an die Menschen in Griechenland appelliert, sich am Schuldenabbau zu beteiligen. Sie zeigte dabei mehr Mitleid mit den Ärmsten in Afrika.

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«Ich denke mehr an die Kinder, die in einem kleinen Dorf im Niger wohnen», so die Chefin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde. (Bild: Keystone)

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Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, liest den Griechen die Leviten. Sie habe mehr Mitleid mit den Ärmsten in Afrika als mit den Menschen in dem verschuldeten Euro-Land, sagte die frühere französische Finanzministerin in einem Interview des britischen «Guardian».

Die Griechen sollten sich gemeinsam selber helfen. «Indem sie alle ihre Steuern bezahlen.» Lagarde schloss aus, dass der internationale Geldgeber die Bedingungen für die vereinbarten Reformen lockert. Es sei Zeit, dass die Griechen ihren Teil beitragen und ihre Gegenleistung erbringen, sagte sie.

Der IWF ist an den Milliardenhilfen für Griechenland beteiligt und pocht darauf, dass die Regierung in Athen die Wettbewerbsfähigkeit des Landes verbessert und die öffentlichen Finanzen saniert.

Auf die Frage, ob sie Gedanken daran ausblenden könne, dass Mütter in Griechenland keine Hebammen und Patienten keine lebenswichtigen Medikamente bekommen könnten, antwortete sie: «Ich denke mehr an die Kinder, die in einem kleinen Dorf im Niger in die Schule gehen und zwei Stunden Unterricht am Tag erhalten, sich zu dritt einen Stuhl teilen und sehr froh sind, eine Ausbildung zu bekommen», sagte Lagarde.

«Ich habe sie immer im Auge, weil ich glaube, dass sie sogar mehr Hilfe brauchen als die Menschen in Athen.» Die Französin geht davon aus, dass die Schuldenkrise ihren Lauf nehmen muss. «Wissen Sie was: Was Athen anbetrifft, denke ich auch über all die Leute nach, die die ganze Zeit versuchen, ihren Steuern zu entkommen», sagte sie.

Deutliche Worte

Gleichermassen beschäftige sie auch die Tatsache, dass der griechische Staat seinen Pflichten gegenüber den Bürgern nicht nachkomme.

Lagarde wird in dem Interview so deutlich wie noch kein Politiker in den vergangenen zweieinhalb Jahren, seit Griechenland nicht mehr selbst für sein Auskommen sorgen kann und auf internationale Hilfe angewiesen ist.

Auf die Frage, ob sie es als schwieriger empfinde, einem reichen Land harte Bedingungen aufzuerlegen als einem armen, antwortete die IWF-Chefin: «Nein, es ist nicht schwieriger. Nein. Weil es die Aufgabe des Fonds und mein Job ist, die Wahrheit zu sagen, unabhängig davon, wer auf der anderen Seite des Tisches sitzt.

Und ich sage Ihnen: Es ist manchmal schwieriger, der Regierung eines Landes mit niedrigen Einkommen, wo die Menschen von 3000, 4000 oder 5000 Dollar pro Kopf im Jahr leben, zu sagen, bringt euren Haushalt in Ordnung und baut euer Defizit ab. Weil ich weiss, was das für die sozialen Programme und die Unterstützung der Armen bedeutet. Das hat viel grössere Folgen.»

Wut und Enttäuschung

Aus Wut über die tiefen Einschnitte bei Löhnen und Sozialversicherungen sowie über die hohe Arbeitslosigkeit infolge der Rezession unterstützen viele Griechen inzwischen linke und populistische Parteien. Sie versprechen ein Ende des Sparkurses und eine Aufkündigung der Verträge mit den internationalen Geldgebern.

Sollten diese Gruppen die zweite Neuwahl binnen sechs Wochen am 17. Juni gewinnen und mit ihren Ankündigungen Ernst machen, würde dies voraussichtlich ein Ausscheiden des Landes aus der Euro-Zone bedeuten.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D.R. am 30.05.2012 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    MENSCHEN

    Alleine schon die Perlen um den Hals würde vielen von diesen armen Afrikanern helfen. Es geht um Menschen und nicht um Griechen oder Afrikaner, Spanier oder Schweizer. Die einzelnen Kommentare stimmen traurig. Leider begreifen viele noch immer nicht wer Länder in Schulden treibt. Es sind sicher nicht die Bürger welche wie hier machen müssen was die jeweiligen Staaten und Regierungen verlangen. Die Bodenschätze in Afrika werden z.B. Von 1% geplündert und dabei verarmen 99% der Menschen. Schade sehen viele Menschen die Probleme nur so wie es geschildert wird. Wenige, zu wenige überdenken die Wirtschaft und wo diese hinführt.

  • Simon Schenker am 28.05.2012 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Griechenland räum Deine Schulden auf! 

    Wo Frau Direktorin Recht hat, hat sie Recht. Sollen die Griechen mal endlich ihr selbstverachuldetes Chaos aufräumen und dann können sie bitte auf Augenhöhe wieder mit Europa reden. Die Griechen haben sich ihr Schuldengrab selbst gegraben. Hätten sie früher ihre Regierungen besser abgestraft...

  • Bernt am 28.05.2012 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn!

    Im postchristlichen Europa ist die Fernstenliebe offensichtlich verbreiteter als die Nächstenliebe. Die Banken scheinen gerettet, jetzt kann man die Griechen fallen lassen und ihr Land den Finanzhyänen preisgeben. Schafft endlich diesen unsäglichen Euro ab, der führt noch zu Krieg! Der IWF bringt alle Länder in die Abhängigkeit mit seinen "harten Konditionen". Auch so eine Organisation die abgeschafft gehört. Soll die Lagarde den Kindern im Niger doch Stühle kaufen und sie neoliberale Wirtschaftssysteme lehren, wenn sie so oft an sie denkt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • D.R. am 30.05.2012 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    MENSCHEN

    Alleine schon die Perlen um den Hals würde vielen von diesen armen Afrikanern helfen. Es geht um Menschen und nicht um Griechen oder Afrikaner, Spanier oder Schweizer. Die einzelnen Kommentare stimmen traurig. Leider begreifen viele noch immer nicht wer Länder in Schulden treibt. Es sind sicher nicht die Bürger welche wie hier machen müssen was die jeweiligen Staaten und Regierungen verlangen. Die Bodenschätze in Afrika werden z.B. Von 1% geplündert und dabei verarmen 99% der Menschen. Schade sehen viele Menschen die Probleme nur so wie es geschildert wird. Wenige, zu wenige überdenken die Wirtschaft und wo diese hinführt.

  • Simon Schenker am 28.05.2012 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Griechenland räum Deine Schulden auf! 

    Wo Frau Direktorin Recht hat, hat sie Recht. Sollen die Griechen mal endlich ihr selbstverachuldetes Chaos aufräumen und dann können sie bitte auf Augenhöhe wieder mit Europa reden. Die Griechen haben sich ihr Schuldengrab selbst gegraben. Hätten sie früher ihre Regierungen besser abgestraft...

  • Bernt am 28.05.2012 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn!

    Im postchristlichen Europa ist die Fernstenliebe offensichtlich verbreiteter als die Nächstenliebe. Die Banken scheinen gerettet, jetzt kann man die Griechen fallen lassen und ihr Land den Finanzhyänen preisgeben. Schafft endlich diesen unsäglichen Euro ab, der führt noch zu Krieg! Der IWF bringt alle Länder in die Abhängigkeit mit seinen "harten Konditionen". Auch so eine Organisation die abgeschafft gehört. Soll die Lagarde den Kindern im Niger doch Stühle kaufen und sie neoliberale Wirtschaftssysteme lehren, wenn sie so oft an sie denkt.

    • Zimmermann am 30.05.2012 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Zuerst muss aufgeräumt werden

      Es steht eigentlich keinem Land an Schulden zu haben. Und wenn dann nur wenn eine garantierte Gegenleistung gegeben ist. Dies ist heute nicht mehr der Fall und fast jedes Land verschuldet sich in einem Ausmaß das nicht mehr tragbar ist und kaum noch zurück bezahlt werden kann. Eine privat Person kann das auch nicht tun. Warum also sollte ein Staat es tun? Fakt ist das Griechenland so unter Korruption leidet das man ihnen erst wieder helfen kann wenn das aufgeräumt ist. Alles andere bringt sie umso mehr in den Sumpf und macht ein paar korrupte reicher.

    • D.R. am 30.05.2012 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      SYSTEM

      Herr Zimmermann, Sie sehen es richtig. Eine Privatperson kann nicht solche Schulden machen. Privatpersonen haben diese auch nicht gemacht. Also soll bezahlen wer von den Schulden profitiert hat und eben nicht die Privaten. Oder fragt man Sie ob wir neue Flugzeuge benötigen? Im übrigen sollten Sie das System etwas besser studieren, es funktioniert nur über neue Schulden. Das System muss überdacht werden und nicht die Folgen daraus.

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  • dionisus am 28.05.2012 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ihrer Meinung Frau Legarde

    Recht hat Sie! Die Griechen haben Jahre lang über ihre Verhältnisse gelebt, es wurden Milliarden zur Rettung investiert, und was ist passiert-nichts! Ich hab noch keine Nachrichten davon gehört, dass Leute in Athen an Hunger gestorben sind, daher ist eine Investition in die Kinder Niger's deutlich sinnvoller. Frau Legarde, endlich traut sich jemand die Wahrheit auszusprechen, bravo!

    • D.R. am 30.05.2012 11:43 Report Diesen Beitrag melden

      Verhältnisse

      Sie sehen sich die falschen Nachrichten an. Es herrscht Zensur und wir hören was wir hören sollen. Doch wer es genauer möchte, es gibt genug Informationen, man muss nur nachsehen Wer hat über die Verhältnisse gelebt?? Was machen wir in diesem Land?

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  • Toni am 28.05.2012 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mitleid ist nicht angebracht!

    Da stimme ich voll und ganz zu! Wer solange nur profitiert hat, wie Griechenland, muss jetzt die Rechnung dafür bezahlen!