Wegen der Krise

17. Oktober 2012 16:44; Akt: 17.10.2012 17:02 Print

Weitere Firmen planen die Flucht aus Griechenland

Coca Cola Hellenic hat es vorgemacht: Weil das kriselnde Griechenland mehr Steuern wollte, siedelte die Firma in die Schweiz um. Viele weitere Unternehmen haben Ähnliches vor.

teaser image

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wegen der prekären wirtschaftlichen Situation in Griechenland prüfen immer mehr hellenische Firmen, ihren Hauptsitz ins Ausland zu verlegen. Doch nur wenige Unternehmen haben in diesen flauen Zeiten überhaupt die finanziellen Mittel für einen Umzug.

Seit Griechenland Anfang 2011 von den grossen Ratingagenturen auf Ramschniveau heruntergestuft wurde, hat Nikolaos Aggelidakis, Präsident der Schweizerisch-Griechischen Wirtschaftskammer, deutlich mehr zu tun. Er berät unter anderem Unternehmen, wie sie den Schritt in die Schweiz schaffen können.

Einfach ist das nicht. «Es muss sehr viel vorbereitet werden», sagt der Mann, der bis weit in die politische Spitze Griechenlands vernetzt ist. Aggelidakis nennt etwa die Standortfrage, die künftigen Steuern und auch die administrativen Kosten für eine Umsiedelung des Hauptsitzes.

All dies kann eine Firma viel Geld kosten - Geld, das den meisten wegen der Schuldenkrise fehlt. «Die Ausgaben für einen Standortwechsel können, je nach Grösse der Firma, schnell einmal eine Million Franken betragen», sagt Aggelidakis. «Aber derzeit haben nur wenige Unternehmen genügend finanzielle Luft, um den Prozess durchzuziehen.»

Kaum neue Firmen aus Griechenland

Aus diesem Grund war die Wirtschaftskammer zwar mit mehr Anfragen von Unternehmen konfrontiert, den Standortwechsel auch wirklich umgesetzt haben aber bisher kaum welche.

Die kantonalen Stellen für Wirtschaftsförderung in Zug und Zürich sowie die Wirtschaftsorganisation Greater Zurich Area haben denn auch keinen Anstieg von Neuansiedelungen griechischer Firmen festgestellt, wie eine Recherche der Nachrichtenagentur SDA ergeben hat.

Griechenlands grösstes Unternehmen, der Getränkeabfüller Coca Cola Hellenic (CCHBC), hat den Schritt gewagt. Das Unternehmen hat vergangene Woche angekündigt, den Hauptsitz in die Schweiz zu verlegen. Zudem will CCHBC von der Athener zur Londoner Börse wechseln. Auch der Milchprodukte-Konzern Fage zieht weg. Der Grosskonzern wird künftig von Luxemburg aus operieren.

Coca Cola hatte schon vorher ein Standbein in der Schweiz. Auch deshalb sei der Standortwechsel einfacher und aus betriebswirtschaftlicher Sicht logisch gewesen, ist Aggelidakis überzeugt.

Unzuverlässiges Steuersystem

Die Gründe für die Suche nach dem Glück im Ausland sind vielfältig. Einerseits ist auf dem griechischen Markt kaum Bewegung: An den Börsen geht wenig, die Banken geben wegen des Schuldenschnitts kaum noch Kredite aus, Investoren sind vorsichtig geworden, die Wirtschaft schrumpft. Derzeit steuert Griechenland auf das sechste Jahr mit einer nachlassenden Wirtschaft zu.

Andererseits schlagen sich die Unternehmen mit grossen Unsicherheiten herum, insbesondere wegen des undurchsichtigen und unzuverlässigen Steuersystems in Hellas, welches eine seriöse Planung fast unmöglich macht. Kurzum: die Konzerne sehnen sich nach Stabilität und finanzieller Sicherheit.

Wechsel nachvollziehbar

Für den Präsidenten der Schweizerisch-Griechischen Wirtschaftskammer ist deshalb ein Standortwechsel eines Unternehmens nachvollziehbar. Es sei zwar «ein kleiner Schock» gewesen, als bekannt wurde, dass Coca Cola Hellenic wegziehe, insgesamt dürfe man die Bedeutung jedoch nicht überbewerten, sagt Nikolaos Aggelidakis.

«Solange die Arbeitsplätze in Griechenland verbleiben, ist ein Wegzug nicht schlimm», sagt er. Den Wegfall der Steuererträge könne das Land verkraften. Die Politik müsse aber versuchen, die Konjunktur anzukurbeln und die Attraktivität des Landes erhöhen. Sonst könnten demnächst weitere grosse Firmen das Land an der Ägäis verlassen - und in die Alpen ziehen.

(sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • franz am 17.10.2012 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    produkte höher besteuern

    produkte von firmen, die aus gier ihren sitz in steueroasen verlegen, sollten höher besteuert werden, wie die von firmen die im inland produzieren und auch dort ihre gewinne versteuern. so sollten coca cola getränke in griechenland zukünftig einen steueraufschlag von 50% bekommen.

    einklappen einklappen
  • Heinz A. Moser am 18.10.2012 06:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die "Ratten" verlassen das sinkende Schiff!!

    Das verwundert nicht! Erst abzocken, dann den "Finkenstreich"! Ausgerechnet jetzt, da Griechenland finanziell am Boden ist!!! Das sind eben die "feinen" Firmen.

  • ich wars am 17.10.2012 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitsplätze...

    ... kommen also kaum in die Schweiz - nur irgendwo einen Briefkasten in Zug mieten oder einen Notar anstellen. Das wirft wider ein super Licht auf die Schweiz.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • M.R. am 18.10.2012 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    logisch..a

    Jeder schaut schlussendlich für sich! so war es schon immer und so wird es auch immer bleiben. ich versteh das.

  • Lucas B am 18.10.2012 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    swisscom und roche zahlen steuern in hong kong

    ich will solche Firmen nicht! grundsätzlich soll jede Firma dort steuern zahlen wo sie das Geld vom operativem Gewinn auch verdient hat. stellen Sie sich vor wie wir Schweizer empört wären wenn die Swisscom ihren Firmensitz nach Hong Kong verlegt weil sie so steuern spart. wir müssen da solidalisch mit den Griechen sein und Coca Cola hellenic holding "als Steuer Asylant" ausweisen.

  • Chv am 18.10.2012 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hausgemacht

    Vor 25 Jahren sagte mein damaliger Freund : komm mit nach Griechenland . Da kann man schön Leben und man zahlt keine Steuern.Ein Haus ist dort billig zu kaufen und , und , und ...........Die Geiechen sollten eine Ausweispflicht einfüren und eine Volkszählung. Dazu müsste jeder Angaben über Einkommen und Beruf bringen. Sorry die Schulden sind wegen fehlender Bürokratie Hausgemacht.

  • peter am 18.10.2012 06:49 Report Diesen Beitrag melden

    steuerflucht von unternehmen unterbinden

    gewinn sollte in dem land versteuert werden, wo er anfällt und nicht in dem land in dem der steuerliche hauptsitz liegt. verluste sollten in dem land steuermildernd wirken, in dem sie anfallen und nicht in dem land in dem der steuerliche hauptsitz liegt. dann wäre keine steuerflucht von grossunternehmen mehr möglich. allerdings zum nachteil der schweiz.

    • Mark Strahl am 18.10.2012 16:38 Report Diesen Beitrag melden

      Oder aber...

      Unternehmen, welche einen Wertvollen Beitrag zur Beschäftigungssituation leisten und deren Arbeitnehmer nicht auf zusätzliche finanzielle Hilfen angewiesen sind (Grenze müsste halt mal festgelegt werden), einfach von der Gewinnbesteuerung befreien. Ich würde Wetten eingehen, dass meine Idee dem Volk mehr nützt und Steuern würden über die Arbeitnehmer ja trotzdem noch gezahlt.

    einklappen einklappen
  • Heinz A. Moser am 18.10.2012 06:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die "Ratten" verlassen das sinkende Schiff!!

    Das verwundert nicht! Erst abzocken, dann den "Finkenstreich"! Ausgerechnet jetzt, da Griechenland finanziell am Boden ist!!! Das sind eben die "feinen" Firmen.