Schweiz und die Krise

20. Mai 2012 12:00; Akt: 20.05.2012 12:13 Print

Bührer rechnet mit dem «Grexodus»

Griechenland hat nach Ansicht von Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer keine Zukunft in Euro-Raum. Für die Schweiz habe dies weitreichende Folgen.

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Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer rechnet mit dem Austritt Griechenlands aus dem Euro. Dies könne zu einem weiteren Test der Wechselkurs-Untergrenze der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von 1,20 Franken zum Euro werden.

Denn für die Anleger werde die Schweiz als sicherer Hafen noch mehr an Bedeutung gewinnen, sagte Bührer in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». «Darum ist es so wichtig, dass nicht nur die Leitung der SNB, sondern auch der Bundesrat und die Politik wie ein Gotthard-Granit voll hinter dem Wechselkurs-Ziel stehen.»

Für die Schweizer Wirtschaft sieht Bührer mehrere Herausforderungen: Sie werde noch einige Zeit mit dem Handicap der Frankenstärke leben müssen, bis die im Ausland schneller steigende Teuerung helfe, diesen Wettbewerbsnachteil zu beseitigen.

Zudem sei davon auszugehen, dass die Euro-Zone als weitaus wichtigste Handelspartnerin in diesem Jahr nicht nur eine konjunkturelle Delle haben werde, «sondern in einer mehrjährigen Wachstumsfalle steckt - mit Ausnahme von Deutschland und einigen wenigen kleineren Ländern».

«Austritt lässt sich nicht mehr vermeiden»

Die Schweizer Wirtschaft könne einen Teil der europäischen Nachfrageschwäche kompensieren, indem sie vermehrt nach Asien und in andere Wachstumsmärkte verkaufe. Aber mit einem Anteil von fast 60 Prozent der Exporte sei Europa immer noch der Kernmarkt.

Er gehe davon aus, dass die soziale und politische Instabilität in Europa zunehmen werde. Wichtig sei, dass mit der Europäischen Stabilisierungsfaszilität von 800 Mrd. Euro die Brandmauern in Italien und Spanien glaubwürdig gezogen würden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland im Euro bleiben könne, sei aber geschwunden: «Wenn kein Wunder mehr passiert, befürchte ich, dass sich der Austritt nicht mehr vermeiden lässt.»

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • siwe am 20.05.2012 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Abwerten

    Und damit dies genau nicht passiert,gibt es mehrere Schritte: 1. Austritt aus der Eurozone.2.Wiedereinführung der Drachme.3.Abwertung.4. Schuldenschnitt. 4. Marschallplan!!!

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  • James Bond am 20.05.2012 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euro - das Problem

    Man muss nicht Finanzexperte sein, man muss nur mal die Länder betrachten, die gut funktionieren. Da kommt man zu einem Schluss: die gut funktionierenden Länder haben eines gemeinsam: sie haben eine eigene Währung, siehe Polen, Slowakei, etc. Das hatten Spanien, Italien, Griechenland vor 15 Jahren auch noch und sie hatten eine prosperierende Wirtschaft. Was soll nun dieser Euro?

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  • Peschä am 20.05.2012 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Profiteur

    Leute, wie Gerold Bührer gehören zu den grossen Profiteuren der Wechselkurspolitik der SNB. Bezahlen tuns die "kleinen Leute" mit überhöhten Preisen für Euro und Importgüter.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • nepo am 20.05.2012 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    EU, Globalisierung und Euro

    lassen keinen Platz für Individualität und Innovationen. Es ist eine Gleichschaltung der Wirtschaft und der Spezies Mensch. Der Euro ist für Europa dabei noch der Turbo. Willkommen in der Gleichheit auch in der Gleichheit der Wirtschaftsmisere. Willkommen in der Vernichtung von Kulturen und Individuen.

  • Rocco Orsini am 20.05.2012 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euro

    Der EURO an sich wäre schon eine gute Sache, wenn es auch eine einheitliche oder harmonisierte Finanz-politik (inkl. Steuern) gäbe. Aber diese Souveränität will ja wohl kein Politiker opfern, sonst wird er wohl nie mehr gewählt. Und was die anderen Länder ausserhalb des EUROs betrifft, auch da gilt: es ist nicht alles Gold, was glänzt. Deren Probleme sind einfach (noch) nicht so offenkundig.

    • hubikus am 20.05.2012 19:23 Report Diesen Beitrag melden

      Eigene Währung wichtig

      Da bin ich aber ganz anderer Meinung. Ein souveräner Staat braucht eine eigene Währung, mit der eine gut geführte Notenbank Teuerung, Zinsen und Inflations steuern kann. Mit dem Euro wurde den Staaten das finanzpolitisch wichtigste Instrument genommen

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  • Tom $. am 20.05.2012 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Drama entschärfen

    Vielleicht könnte sich economiesuisse mit Hr. Bührer auch mal um die einheimischen KMU kümmern - etwa mit Studien und so. Da sieht es echt dramatisch aus und wenn die Firmenreserve weg ist, hats keine CH- oder PFZ-Jobs mehr. Auf dem Radar sind vor allem Familienfirmen in der 3. + 4. Generation heute geführt und Hersteller mit schwachen Marken oder reine Lohnproduzenten. Denen bricht demnächst ALLES weg. Immer wieder Kurzarbeit und dann Bilanzdepot. Auch ohne Griechenland.

  • Emini Abel am 20.05.2012 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Euro/Franken!

    Franken und Euro auf 1 zu 1!

    • Mile am 20.05.2012 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Gut möglich

      So wirds kommen !

    • hubikus am 20.05.2012 19:19 Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch

      Und damit die Schweizer Exporte 20% teurer. Nicht gerade viel überlegt - Emini Abel

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  • James Bond am 20.05.2012 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euro - das Problem

    Man muss nicht Finanzexperte sein, man muss nur mal die Länder betrachten, die gut funktionieren. Da kommt man zu einem Schluss: die gut funktionierenden Länder haben eines gemeinsam: sie haben eine eigene Währung, siehe Polen, Slowakei, etc. Das hatten Spanien, Italien, Griechenland vor 15 Jahren auch noch und sie hatten eine prosperierende Wirtschaft. Was soll nun dieser Euro?

    • Hans Botticelli am 20.05.2012 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Slowakei & Euro

      James Bond sollte wissen, dass die Slowakei ebenfalls seit einigen Jahren den Euro hat und gut damit arbeitet.

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