Folgen der Eurokrise

28. April 2012 15:47; Akt: 28.04.2012 16:03 Print

Die Griechen verschachern ihre Inseln

Griechenland hat 3054 Inseln, doch nur 87 davon sind bewohnt. Viele private Kleininseln werden nun verkauft – zu Spottpreisen. Auch ein Scheich aus Katar hat jetzt zugeschlagen.

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Was Scheich Hamad al Thani auf der Insel Oxia anstellen wird, ist noch ungewiss.

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Warum mühsam künstliche Inseln in Dubai bauen, wenn schönste Inseln zu Ramschpreisen vor Griechenlands Küste zu haben sind? Dies muss sich die Familie des Emirs von Katar gesagt haben. Der Scheich Hamad al Thani soll Anfang April für rund sechs Millionen Franken eine gut vier Quadratkilometer grosse, unbewohnte Insel im Ionischen Meer in der Nähe von Ithaka gekauft haben.

«Die Insel Oxia wurde verkauft», sagte ein Sprecher des Stadtrates der Hauptinsel Ithaka der Nachrichtenagentur DPA am Freitag. Oxia steht unter Naturschutz, kann aber teilweise ausgebaut werden, schreibt The Telegraph. Als Käufer erscheine eine Investitionsfirma aus Katar. Diese gehöre «allen Anzeichen nach» der Herrscherfamilie von Scheich Hamad al Thani aus Katar. Eine griechische Familie habe die unbewohnte Insel verkauft. Ein Grossteil der Familie sei bereits nach Australien ausgewandert.

Verkaufsboom

Oxia sei eine der begehrtesten griechischen Inseln gewesen auf dem Markt, sagte die zuständige Immobilienfirma gegenüber dem Telegraph. Das Wasser sei kristallklar, der Pinienwald spendet Schatten. Die Insel habe drei grosse Buchten, ideal für grosse Yachten. Ein Leuchtturm könne renoviert werden.

Die Finanzkrise zwingt viele griechische Familien, kleine Inseln zu verkaufen, die ihnen seit Jahrhunderten gehören. Die Besitzer wurden von einer unerwarteten Grundsteuer überrascht, die sie nicht mehr zahlen können.

Die Liste von Kleininseln, die in Griechenland zum Verkauf stehen, sei lang, sagte der Athener Immobilienmakler Dimitris Voyatzis. Darunter seien auch einige «Superstücke». Die Kosten für eine Insel variere zwischen 1,2 Millionen und 12 Millionen Franken, so Voyatzis weiter.

Schmuckstücke im Ionischen Meer

An der Spitze steht die Felseninsel Patroklos, die in der Nähe des berühmten Tempels des Meeresgottes Poseidon am Kap Sounion liegt. Die rund vier Quadratkilometer grosse Insel liegt nur 850 Meter von der Küste Athens entfernt und soll 144 Millionen Franken kosten.

Zum Verkauf stehen nach griechischen Medienberichten zwei weitere Inseln im Ionischen Meer, Provadi und Modi. Ihre Preise sollen zwischen 1,2 und 3,6 Millionen Franken liegen. Als Schmuckstücke gelten zudem einige kleine Eilande der Inselgruppe der Kykladen. Die Mehrheit der Griechen hat wegen der harten Sparmassnahmen in den vergangenen drei Jahren fast 25 Prozent ihres Einkommens verloren.


Oxia, im Ionischen Meer gelegen.

(kub/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kitchenworker am 28.04.2012 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trifft nicht die Armen

    Tun mir schon leid die Griechen. Andererseits muss ich für meine Eigentumswohnung hier auch blechen. Trifft zumindest mal nicht die ärmsten Griechen. Guter Ansatz , man nimmt von dem der hat.

  • klaus13 am 29.04.2012 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    veränderungen akzeptieren

    es sollte egal sein welche nationalität der besitzer eines grundstücks hat. alle die sich darüber aufregen, dass nun die griechischen inseln nicht mehr griechische besitzer haben denken nationalistisch. die welt von heute und von morgen ist eine globalisierte, multikulturelle welt. wer damit nicht zurecht kommt macht sich nur selbst unglücklich.

  • Ruedi am 29.04.2012 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Akropolisals nächstes

    Am Schluss verscherbeln sie noch die Akropolis, alle Säulen einzeln, auch wieder an die Araber, die damit meinen, ihre fehlende Kultur mit altgriechischer Hochkultur kompensieren zu können.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Panopulos am 01.05.2012 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Irre!

    Sind die Griechen durch bei Rot! Inseln für solche Trinkgelder verramschen, da kann man sich wirklich nur an den Kopf greifen, wie tief sind die Hellenen gesunken, wo bleibt der Nationalstolz? Ist, wie wenn sie die Akropolis verkaufen würden, einfach irre!Ich kann meine Landsleute nicht begreifen.

  • klaus13 am 29.04.2012 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    veränderungen akzeptieren

    es sollte egal sein welche nationalität der besitzer eines grundstücks hat. alle die sich darüber aufregen, dass nun die griechischen inseln nicht mehr griechische besitzer haben denken nationalistisch. die welt von heute und von morgen ist eine globalisierte, multikulturelle welt. wer damit nicht zurecht kommt macht sich nur selbst unglücklich.

  • marco m am 29.04.2012 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die sind

    ja ziemlich billig diese inseln. wenn ich ein top banker waere wuerde ich.mir eine kaufen.

  • Ivo am 29.04.2012 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz soll kaufen...

    Schweiz soll sich doch da einige kaufen... Wir hatten ja 2,2 milliarden überschuss in der staatskasse. Endlich kein binnenstaat mehr... ;-)

    • andre lugiano am 30.04.2012 09:57 Report Diesen Beitrag melden

      Schweiss

      Ja schon aber jetzt hat die Nationalbank ein Defizit wegen der Euronen.

    einklappen einklappen
  • Der Grieche am 29.04.2012 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Missverstaendnis

    Der Verkauf dieser Insel hat nichts mit der Krise zu tun. Das Land und ihr Leute verdienen kein Euro von dieser Transaktion. Die Insel sind private Grundstücke die immer verfügbar waren, das Interesse seitens der Presse ist einfach nun zu gross, angesichts der Situation des Landes.