Nur noch «CCC»

18. Mai 2012 06:01; Akt: 18.05.2012 10:23 Print

Fitch senkt Rating für Griechenland weiter

Die Ratingagentur Fitch rechnet nicht damit, dass die krisengeschüttelten Griechen ihre Schulden zurückbezahlen können. Das Rating wird von «B-» weiter gesenkt.

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: Das Land im europäischen Sauerstoffzelt mochte sich nicht länger von Regierungschef Georgios Papandreou knechten lassen. Am 9. November 2011 gab er auf und überliess das Feld dem ehemaligen Notenbanker Lukas Papadimos. Bei der Parlamentswahl am 6. Mai erlitten die beiden grossen Parteien, die das Land jahrzehntelang regiert hatten, dramatische Verluste. : Nach vier Amtsperioden mit Silvio Berlusconi hatten die Italiener dann doch genug davon, als Bunga-Bunga-Nation das Gespött der Welt zu sein. Ausschlaggebend war nicht zuletzt, dass die Märkte für die italienischen Staatsanleihen zuletzt astronomisch hohe Risikoaufschläge verlangt hatten. Am 12. November 2011 reichte der zermürbte Berlusconi seinen Rücktritt ein. Seinem Nachfolger, dem Ökonomen Mario Monti, gelang es wenigstens halbwegs, den Belpaese vom Image der Bananenrepublik zu befreien. : Auch in Spanien rumpelte es. Am 20. November erreichte die konservative Volkspartei bei den Parlamentswahlen die absolute Mehrheit. Die Sozialisten, die das Land zuvor sieben Jahre in eine gigantische Wirtschaftsblase und den nachfolgenden Ruin geritten hatten, mussten abdanken. Unter Schimpf und Schande trat Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero ab und machte Mariano Rajoy Platz. : Schon im Frühling 2011 krachte es in Portugal. Nach einer im Parlament gescheiterten Abstimmung über das Sparpaket seiner Regierung reichte Ministerpräsident José Sócrates am 23. März sein Rücktrittsgesuch ein. Die Portugiesen erhofften sich durch einen Machtwechsel einen höheren Lebensstandard. Doch ein Jahr später ist unter dem neuen Ministerpräsidenten Pedro Passos Coelho noch genauso schmerzhaftes Sparen angesagt. Die Arbeitslosigkeit beträgt rekordhohe 15 Prozent. Und die portugiesische Wirtschaft dürfte 2012 um 3,3 Prozent schrumpfen. : Auch die gebeutelten Iren haben im Februar 2011 für einen Regierungswechsel gestimmt und Ministerpräsident Brian Cowen auf den Mond geschickt. Diesem war vorgeworfen worden, den Stolz des Landes mit der Flucht unter den EU-Rettungsschirm entscheidend verletzt zu haben. Aber die neue Regierung unter Enda Kenny steht genauso vor dem Problem, dass 35 Milliarden Euro an Einnahmen geplanten Ausgaben von gut 52 Milliarden gegenüberstehen. Nun sollen «sprudelnde» Einnahmequellen angezapft werden. Das bisher unentgeltliche Trinkwasser soll künftig kosten. : Auch abseits der PIIGS-Staaten kam die Politik ins Rutschen. Bei den vorgezogenen Neuwahlen in Slowenien Anfang Dezember hat der Millionär Zoran Jankovic die Mehrheit erzielt und will das Land künftig wie ein Unternehmen führen. War er doch vor seiner Wahl 2006 zum Bürgermeister der Hauptsadt Ljubliana Chef der grössten slowenischen Supermarktkette Mercator. Mit Mengenrabatten und Bonuskarten allein wird er allerdings die marode Wirtschaft auch nicht wieder auf Vordermann bringen können. (Im Bild Maribor) : Die Slowaken leiden nicht unter wachsenden Schuldenbergen und einer schrumpfenden Wirtschaft. Mit einem Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent für 2011 sind sie sogar eine beachtliche Wachstumslokomotive. Dennoch ist die Regierung an der Schuldenkrise zerbrochen. So scheiterte Ministerpräsidentin Iveta Rádiová bei der Verknüpfung der Vertrauensfrage mit der Zustimmung zur Erweiterung des europäischen Rettungsschirms im Oktober 2011. Nach dem Zerbrechen der Koalition und Neuwahlen im März 2012 ist nun ihr linker Kontrahent Robert Fico zum zweiten Mal Ministerpräsident. (Im Bild Bratislawa) : Im Land der Windmühlen hängt der Haussegen gerade sehr schief. Nach dem Scheitern der Verhandlungen über ein Sparpaket stehen die Niederlande vor politisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Die Gespräche über ein Sparpaket sind nach siebenwöchiger Dauer letzte Woche gescheitert, weil der Rechtspopulist Geert Wilders die geplanten Massnahmen nicht mittragen wollte. Die Rating-Agentur Fitch hat die Niederlande nun wegen der anziehenden Staatsverschuldung vor einem Verlust der Spitzenbonität gewarnt. Am 12. September 2012 werden Neuwahlen stattfinden. : Am 6. Mai wurde der konservative Staatspräsident Nicolas Sarkozy abgewählt. Er verlor die Präsidentschaftswahl gegen den Sozialisten François Hollande mit 48 zu 52 Prozent. Die Wähler erteilten ihm die Quittung für die schlechte Wirtschaftslage. Hollande will unter anderem den EU-Stabilitätspakt neu aushandeln und die Gewichte vom Sparen zum Wachstum verschieben.

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Nach den gescheiterten Bemühungen für eine Regierungsbildung hat Fitch Griechenland weiter herabgestuft. Die Ratingagentur begründete den Schritt am Donnerstag mit der Gefahr, dass Griechenland aus der Euro-Zone ausscheide.

Anlagen seien nun mit CCC bewertet. In dieser Kategorie bestehen beträchtliche Risiken und nur bei günstiger Entwicklung sind keine Ausfälle zu erwarten. Bisher hatte die Ratingagentur das vom Staatsbankrott bedrohte Euroland mit B- bewertet.

Reaktion auf die Wahlen

Fitch führte für seine Entscheidung auch das gute Abschneiden von Parteien bei der Wahl vom 6. Mai an, die gegen den von EU und IWF geforderten harten Sparkurs sind. Nach den erfolglosen Versuchen einer Regierungsbildung wird das Land nun bis zur nächsten Wahl am 17. Juni von einer Übergangsregierung geführt.

Die bevorstehende Wahl wird von Beobachtern zunehmend als eine Art Volksabstimmung über Verbleib oder Austritt aus der Währungsunion gesehen. Das Erstarken der Spar-Gegner zeige, dass es in der griechischen Öffentlichkeit und Politik zu wenig Unterstützung für die Einigung mit der EU und des IWF gebe, erklärte Fitch.

«Sollte die Neuwahl am 17. Juni keine Regierung mit einem Mandat zur Fortsetzung des EU-IWF-Programs von Sparhaushalt und Strukturreform hervorbringen, wäre ein Ausscheiden Griechenlands (aus der Eurozone) wahrscheinlich», erklärten die Analysten. Ein Austritt aus der Währungsunion würde einen Kreditausfall nach sich ziehen, hiess es.

Übergangsregierung bis zu den Neuwahlen

Eine 16-köpfige Übergangsregierung wurde am Donnerstag im Präsidentenpalast in Athen vereidigt. Der Richter Panagiotis Pikrammenos, Präsident des obersten griechischen Verwaltungsgerichts, soll die Regierungsgeschäfte bis zu den für Mitte Juni geplanten Neuwahlen leiten.

Einen Schlüssel-Posten übernimmt der Wirtschaftsexperte Giorgos Zanias, der das Finanzministerium leiten wird. Als ranghoher Beamter nahm er an den internationalen Verhandlungen des vor wenigen Monaten beschlossenen Schuldenschnitts für Griechenland teil. An der Universität in Athen lehrt er Volkswirtschaft.

Zum Aussenminister wurde der langjährige Diplomat Petros Molyviatis ernannt, der den Posten bereits von 2004 bis 2006 innehatte. Pikrammenos und seine Mitstreiter sind jedoch nicht befugt, international bindende Entscheidungen zu treffen. Sie sollen das Land zur Neuwahl führen, die voraussichtlich am 17. Juni stattfinden wird. Das Datum sollte am Freitag bekannt gegeben werden.

(sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • von mir am 18.05.2012 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    so so

    so so, die USA sind also gegen die Spar-Regierung.... Warum erstaunt mich das nun nicht von einer US-Reigierung zu hören, welche auch weit über ihren einnahmen lebt..... Es lebe die verschläuderung

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  • herb am 19.05.2012 03:27 Report Diesen Beitrag melden

    zu hoch bewertet

    Die Ratingagenturen wieder... Griechenland sollte das Rating für Zahlungsausfall seit min. einem halben Jahr haben. Aber die Ratingsagenturen sind wie Zufallsbuchstabengeneratoren.

  • Mike am 18.05.2012 07:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Günstige Ferien

    Ich freue mich auf die kommenden Ferien in Griechenland :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sir Taki am 19.05.2012 03:32 Report Diesen Beitrag melden

    Griechenland

    und die EU schaufeln ihr eigenes Grab aus! Es sind dies nicht Moody's, Fitch und S&P .... deren Skala schon unter NULL sind.

  • herb am 19.05.2012 03:27 Report Diesen Beitrag melden

    zu hoch bewertet

    Die Ratingagenturen wieder... Griechenland sollte das Rating für Zahlungsausfall seit min. einem halben Jahr haben. Aber die Ratingsagenturen sind wie Zufallsbuchstabengeneratoren.

  • Andres Meisser am 18.05.2012 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    Dominoeffekt

    Die wenigsten Leute können nur ansatzweise verstehen geschweige denn abschätzen was alles an dieser Thematik hängt. Es ist ein Beitrag über Rating, wisst ihr was das heisst wenn euer Rating oder das eines Unternehmens, oder in diesem Fall gar einer ganzen Volkswirtschaft herabgesetzt wird? Ihr kriegt Geld, wenn überhaupt nur noch zu hohen Zinsen, sprich die Kosten des Geldes steigen. Dazu kommt, dass eure eigenen Papiere niemand mehr will, weil schlicht das Vertrauen in den gesamten Staatsapparat fehlt. Die Frage ist bei wem hat G. Schulden? Diese finden's nämlich nicht ganz so cool!

  • Midnight am 18.05.2012 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Griechen sind das Hauptproblem

    Sondern der ganze EU Apparat. Wieso zu Henker werden weiterhin fleissig ost- und südosteuropäische Länder in die EU aufgenommen? Wegen dessen "Wirtschaftsleisutng"? Wohl eher nicht. Die Griechen sollten sich selber einen Gefallen tun und die EU freiwillig verlassen. Wieder die Drachme einführen zu einem für sie vertretbaren Kurs und bei 0 beginnen. Alles andere ist doch Blödsinn!

    • Dominique U. am 18.05.2012 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Private Geldschöpfung

      Vielleicht sollte man gesetzliches Zahlungsmittel nicht durch rein private Unternehmen, wie FED und die ganzen Nationalbanken, schöpfen lassen? Ich empfinde das als kritisch.

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  • Heiner Brandywhine am 18.05.2012 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    spasstis arbeiten nicht

    Statt ständig an Bewertungen rumzuschrauben, würden diese Spasstis besser mal etwas vernünftiges arbeiten