Griechenland am Abgrund

16. Mai 2012 12:08; Akt: 16.05.2012 23:48 Print

Griechen plündern ihre Bankkonten

Der griechische Präsident Karolos Papoulias warnt vor einem Panik-Ansturm auf die Banken. Allein am Montag haben die Sparer 800 Millionen Euro von den heimischen Banken abgehoben.

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Das Misstrauen und die Angst ist gross in Griechenland. Viele heben Geld von ihren Bankkonten ab. (Bild: Reuters)

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Aus Angst vor einem Austritt ihres Landes aus der Euro-Zone heben die Griechen offenbar verstärkt Geld von ihren Bankkonten ab. Präsident Karolos Papoulias sprach von einer Stimmung der Angst, die sich zu einer Panik auswachsen könnte.

Das ging am Mittwoch aus Protokollen der Verhandlungen hervor, die Papoulias zuletzt mit den Parteichefs über eine Regierungsbildung führte. Bis zum Sonntagnachmittag seien am Wochenende rund 700 Mio. Euro abgehoben worden, wurde Papoulias zitiert. Er berief sich dabei auf Äusserungen von Notenbank-Chef Giorgos Provopoulos. Nach Informationen aus Bankenkreisen zogen Bankkunden am Montag weitere 900 Mio. Euro aus den heimischen Geldhäusern ab.

«Herr Provopoulos sagte mir, es gebe keine Panik, aber es gebe eine grosse Angst, die sich zu einer Panik entwickeln könne», sagte Papoulias laut Protokoll.

Geld fliesst kontinuierlich ab

Die Griechen ziehen seit Monaten kontinuierlich Geld aus den Banken ab. Die Einlagen der griechischen Privathaushalte bei den Kreditinstituten verringerten sich nach Angaben der Notenbank seit Anfang 2010 von 195 Mrd. Euro auf 140 Mrd. Euro im März 2012. Schlangen vor den Bankschaltern in Athen waren bislang aber nicht zu sehen.

Der Chef des Bündnisses der Radikalen Linken (Syriza), Alexis Tsipras, zeigte sich von Papoulias' Warnungen wenig beeindruckt. «Ach was? Sie haben jetzt entdeckt, dass das Geld ausfliesst. Es sind doch seit Ausbruch dieser Krise 73 Milliarden Euro verloren gegangen», wurde Tsirpas in griechischen Medien zitiert. Er meinte, die dramatische Beschreibung der Situation werde ihn nicht dazu bewegen, mit den Konservativen und den Sozialisten zu kooperieren.

Mehr Geld für Banken

Laut einem Bericht des staatlichen Fernsehens vom Mittwoch will die griechische Regierung 18 Mrd. Euro aus Mitteln des Euro- Rettungsfonds EFSF an die Banken ausbezahlen. Zuvor hatte es Medienberichten zufolge wenig Fortschritte gegeben, weil es Unklarheiten mit Blick auf den Beitrag privater Geldgeber - etwa über Kapitalerhöhungen - gab.

Ausserdem genehmigte die EU-Kommission am Mittwoch 680 Mio. Euro an Hilfen aus EFSF-Mitteln zur Abwicklung der Übernahme der griechischen T Bank durch die Hellenische Postbank. Die kleine T Bank war 2011 wegen zu geringen Eigenkapitals in Schwierigkeiten geraten.

Die Parteispitzen wollten am Mittwoch über die Bildung einer Übergangsregierung beraten. Diese ist notwendig geworden, weil nach der Parlamentswahl am 6. Mai alle Versuche einer Regierungsbildung scheiterten. Daher soll es am 17. Juni zu Neuwahlen kommen.

Unter den europäischen Partnern und an den Finanzmärkten wachsen nun die Befürchtungen, dass dann die Kritiker des Sparkurses die Oberhand gewinnen und Griechenland in die Staatspleite und zum Euro- Austritt führen.

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(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Grieche am 16.05.2012 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verständlich

    Ich hätte mein Geld schon lange abgeholt.... Mit plündern hat dies nichts zu tun, sie nehmen nur das was ihnen gehört. Menschlich....

  • B. Sonicht am 16.05.2012 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das eigene Sparkonto noch retten, bevor es durch "

    Ja sicher, recht so!!! Rette sich, wer kann heisst das Motto! Wäre doch dumm, das EIGENE ersparte Geld auf dem (je länger je mehr) unsicheren Bankkonto stehen zu lassen, auf dass es plötzlich durch "Andere" abgezockt wird....

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  • reto am 16.05.2012 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super

    hoffentlich fliegen sie bald raus. vom nichts tun kommt halt nichts!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Spar tacus am 18.05.2012 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Titel! Richtig wäre:

    Griechen retten ihr Geld vor der Plünderung durch den Staat.

  • Nikola am 17.05.2012 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plündern...

    Die Griechen sollen ihr Geld plündern solang es noch geht. Griechenland geht, wie man sieht in den Bankrot...

  • J. Meyer am 17.05.2012 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Was würde passieren, wenn...

    Wenn ich immer all die Berichte lese, stelle ich mir manchmal die Frage, was würde passieren, wenn man sich in der Tat wirklich vom Gebilde EU verabschiedet u jedes Land seine eigene Autonomie wieder erhält, mit seinen eigenen Währungen? Ich bin kein Experte, aber ich befürchte, die EU ist eher ein "one-way-ticket", welches kein Zurück im eigentlichen Sinne erlaubt, es sei denn, man will Jahre in einer schweren Rezession verbringen, welches alle Länder auch ausserhalb der EU lähmt, ähnlich der Vorfälle damals in den 30er. Oder sehe ich das falsch?

    • Supermario am 18.05.2012 14:02 Report Diesen Beitrag melden

      Warum nicht

      Ja; jedem Staat (auch die in der EU) ist es doch freigestellt, einerseits mit Euro zu zahlen und andererseits überhaupt grundsätzlich im EU-Club dabei zu sein. Tatsache ist nun halt, dass insbesondere die Club-Med-Länder mit allen Mitteln diese Mitgliedschaften angestrebt haben. Selbstverständlich gibt es immer ein "Zurück"; nur hat das eben auch einen Preis!

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  • Leo G. am 17.05.2012 01:57 Report Diesen Beitrag melden

    Eurokrise??

    an alle Euro-Kritiker..., in erster Linie ist es eine Schuldenkrise und keine Eurokrise. Ich denke man muss nicht nur das Negative sehen, so eine Bereinugung ist überfällig. Klar ist, dass man es von Anfang an machen musste bzw. die Ueberprüfung vernachlässigt wurde und jetzt zahlt man den Preis ..Die einzlene Regierungen/Volk müssen jetzt Farbe bekennen und daran arbeiten, dass man nicht mehr über die eigene Verhältnisse lebt...soll jedes Land wirklich eine eigene Währung haben? ..das wäre für Europa ein Rückschritt und für niemand wirklich gut... und ich denke auch für die Schweiz nicht.

    • J. Meyer am 17.05.2012 17:48 Report Diesen Beitrag melden

      Denke doch, oder?

      In der Tat ist es schon eine Schuldenkrise, welche aber durch die EU mangels fehlender Weitsicht bei der Gründung nun auch als Eurokrise gewertet werden kann. Dank fehlenden Mechanismen kippen nun brüchige Staaten wie Dominosteine innerhalb der EU. Die Idee der vereinigten Länder Europas kann nie funktionieren, da jedes Land sein eigenen Anstrich hat, anders wie in den USA, wo grundsätzlich mehr oder weniger eine einheitliche Mentalität herrscht, weil alle Amerikaner sind in einem eigenem Staat. Europa hat viele unterschiedliche Länder u Kulturen. Insofern kann man durchaus von Eurokrise reden

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  • Grieche am 16.05.2012 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verständlich

    Ich hätte mein Geld schon lange abgeholt.... Mit plündern hat dies nichts zu tun, sie nehmen nur das was ihnen gehört. Menschlich....