Eurokrise

19. April 2012 14:44; Akt: 19.04.2012 17:36 Print

Schweizer Milliarden für IWF-Schutzwall

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sammelt Geld für einen Schutzwall gegen eine Ausbreitung der Schuldenkrise über Europa hinaus. Auch die Schweiz will Milliarden zur Verfügung stellen.

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Die Höhe des Beitrags hängt von den Gesprächen an der Frühjahrestagung von IWF und Weltbank am Freitag und Samstag in Washington und der Bereitschaft wichtiger Gläubigerländer ab. (Bild: Keystone)

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Der Bundesrat ist bereit, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) im Kampf gegen die Wirtschafts- und Schuldenkrise einen «substanziellen Beitrag» in Milliardenhöhe zu leisten. Er stellt allerdings Bedingungen.

An der geplanten, zeitlich befristeten Aufstockung der Mittel des IWF müssten sich im Rahmen einer konzertierten Aktion wichtige Gläubigerländer beteiligen, teilten die Bundesbehörden am Donnerstag mit. Zudem stehe ein Schweizer Beitrag unter dem Vorbehalt einer Genehmigung durch die Eidgenössischen Räte.

Für die Schweizer Wirtschaft sei die Stabilisierung des internationalen Finanzsystems von grosser Bedeutung, hält der Bundesrat vor dem Hintergrund der weiterhin akuten Frankenstärke und dem international ausgerichteten Schweizer Finanzplatz fest.

Der IWF dringt auf eine ausserordentliche Aufstockung seiner Mittel, um einen stärkeren Schutzwall gegen eine Ausbreitung der Schuldenkrise über Europa hinaus zu errichten. Angestrebt wird ein Betrag von mindestens 400 Mrd. Dollar.

Verhandlungstaktik

Wie hoch der Schweizer Beitrag ausfallen könnte, sagte Mario Tuor, Sprecher des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen , nicht. Auf Nachfrage bestätigte er, es gehe um Milliarden. Die Höhe hänge von den Gesprächen an der Frühjahrestagung von IWF und Weltbank am Freitag und Samstag in Washington und der Bereitschaft wichtiger Gläubigerländer ab.

Die Schweizer Delegation in Washington wird von Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf geleitet. Der Delegation gehören auch Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann und Thomas Jordan an, der am Mittwoch vom Bundesrat definitiv zum neuen Präsidenten des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ernannt worden ist.

Machtkampf

Neben der Mittelaufstockung wird die Stimmrechtsverteilung im IWF zentrales Thema der Tagung sein. Schwellenländer fordern mehr Gewicht, die Schweiz will ihren Sitz im 24-köpfigen IWF-Exekutivrat sichern.

Für die Mittelaufstockung wird wichtig sein, inwiefern sich die grossen Schwellenländer beteiligen. Insbesondere das Schwergewicht USA will selbst keine zusätzlichen Mittel bereitstellen. Allerdings sagte Finanzminister Timothy Geithner am Mittwoch auch, es sei positiv, dass der IWF Geld schnell einsammeln könne, um «die Effekte des europäischen Traumas abzufedern, wenn nötig».

Lagarde sammelt Zusagen

IWF-Chefin Christine Lagarde sagte am Mittwoch in Washington, sie habe für die geplante Mittelaufstockung inzwischen Zusagen im Umfang von 320 Mrd. Dollar. Bereits seit Dienstag bekannt war, dass Japan 60 Milliarden dazu beisteuern will.

«Und ich habe weitere in der Tasche», fügte sie bei einer Veranstaltung der Bertelsmann-Stiftung hinzu. Lagarde nannte namentlich den Beitrag Polens von 8 Mrd. Dollar und «einen beträchtlichen Betrag» aus der Schweiz. Am späten Donnerstag hiess es dann aus dem IWF-Sitz in Washington, «die Schweiz und andere Länder» wollten ihren Beitrag um 26 Mrd. Dollar hochfahren.

Auch die skandinavischen Länder hätten weitere Gelder zugesagt, teilte der IWF mit. 10 Mrd. Dollar kämen aus Schweden, 9,3 Milliarden aus Norwegen und 7 Milliarden aus Dänemark.

Kanada dagegen lehnte weitere Milliarden weiterhin strikt ab. Europa selbst müsse noch viel mehr leisten als es das bisher getan habe, erklärte Finanzminister Jim Flaherty laut der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Zentralbankchef Mark Carney sagte zugleich, eine Brandmauer sei nicht der Schlüssel zur Lösung der Probleme.

Es gehe viel mehr darum, welche Schritte Europa selbst über einen längeren Zeitraum unternehme. Der IWF möge der Ansicht sein, dass wegen Europa mehr Geld bereit gehalten werden müsse. Aber im Kreise der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer «gibt es derzeit keinen Konsens».

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • andy meier am 19.04.2012 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    alte weisheit

    gutes geld dem schlechten geld nachwerfen hat sich noch nie gelohnt....!

  • s.marty am 19.04.2012 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wieviel und ob!

    Als Bürger will ich wissen wieviel und ich will darüber entscheiden ob überhaupt etwas gezahlt wird!

  • Sven am 19.04.2012 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn

    Wann hört dieser Wahnsinn endlich auf? Übrigens, würde ich als Steuerzahler gerne darüber abstimmen!!! Lasst die Länder bankrott gehen und dann etwas Substanzielles entstehen anstatt das Kartenhaus immer wieder mit Klebeband zu fixieren. Das Problem wird so nie gelöst und der Kollaps wird umso grösser.

Die neusten Leser-Kommentare

  • F.Müller am 21.04.2012 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig aber wahr......

    Es ist nicht zu glauben was wir hier für Leute an der macht haben! Wir haben wohl genug andere sorgen in der Schweiz, wo das Geld dringend nötig wäre, aber unsere Super Bundesräte schenken es dem Euroland! Die sonst schon immer auf uns herum hacken und jammern aber zum Zahlen sind wir wieder gut die liebe Schweiz! Auf faule Äpfel sollte mann keine Gesunde Äpfel streuen!

  • Heinz Hafner am 21.04.2012 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Und das Volk?

    Das kann dem Volk nicht gefallen.

  • bubu am 20.04.2012 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    Zweck des IWF

    Offensichtlich wurde vergessen welchen Zweck der IWF eigentlich hat. Jedenfalls nicht für die EU Rettung.

  • Srdjan Matejic am 20.04.2012 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Schaumschlägerei.

    Wirtschaft für Du: IWF sind die Zentralbanken, und ich hoffe die meisten von Euch wissen dass diese nicht staatlich kontroliert sind, sondern unabhängig. Wenn ein Staat für die Darlehnen der NB garantiert, dann nur aus Eigeninteresse, vergleichbar mit dem Fall Swissair oder UBS. Dort waren auch Steuergelder im Spiel, gab es da eine Abstimmung? Und ob es Steuregelder überhaupt braucht ist hier gar nicht gesagt, es ist eine Garanite im Fall dass die Rückzahlung der Darlehnen der NB ausfallen würden... Wer sich nicht auskennt, der kann doch googeln, bevor er jammert.

  • dave am 19.04.2012 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1,2millionen

    ca 1,2 millionen für jeden schweizer bei 10 milliarden