Opfer der Krise

18. April 2012 23:09; Akt: 19.04.2012 09:11 Print

Selbstmordwelle wegen Krise schockt Italien

Sparpolitik und Wirtschaftskrise stürzen die Menschen in Italien ins Elend. Immer mehr Verzweifelte setzen ihrem Leben ein Ende.

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Infografik zur Eurokrise.

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Arbeitslose, Pensionierte und Kleinunternehmer: In Italien wird die Liste der Menschen von Tag zu Tag länger, die sich unter dem Druck finanzieller Schwierigkeiten infolge der Wirtschaftskrise und der Sparpolitik das Leben nehmen. Seit Wochen berichten die Medien fast täglich von solchen Verzweiflungstaten.

Vor wenigen Tagen hatte die Selbstverbrennung zweier Männer die italienische Öffentlichkeit geschockt. In Bologna zündete sich ein 58-jähriger italienischer Bauarbeiter in seinem Auto an, nachdem er mehrere Abschiedsbriefe hinterlassen hatte. Der Mann stand wegen mutmasslicher Steuerhinterziehung in Höhe von rund 125 000 Franken vor Gericht. Wenige Tage später zündete sich ein marokkanischer Bauarbeiter in Verona auf offener Strasse an.

Für einen Eklat sorgte auch der Fall einer 78-jährigen Rentnerin auf Sizilien, die sich wegen finanzieller Schwierigkeiten das Leben nahm. Die alte Frau aus der Stadt Gela sprang vom Balkon ihrer Wohnung, nachdem sie erfahren hatte, dass ihre Rente um 240 Franken gekürzt worden war.

Aufruf zu Solidaritätsfonds

Die Zahl der Suizide wächst in Italien unter dem Druck der seit 2008 anhaltenden Krise rasant. Nach Angaben des Handwerkerverbands CGIA ist zwischen 2008 und 2010 die Zahl der mit finanziellen Problemen verbundenen Selbstmorde um 24,6 Prozent gestiegen. Bei den versuchten Selbstmorden wuchs die Zahl um 20 Prozent.

Allein 2011 hätten sich über 1000 Arbeitnehmer und Unternehmer das Leben genommen, das sind 24 Prozent mehr als 2008. Der Verband rief die Expertenregierung in Rom zur Einrichtung eines Solidaritätsfonds zur Unterstützung der Italiener auf, die wegen der Krise in Schwierigkeiten geraten sind.

Vorwürfe gegen Montis Regierung

Antonio Di Pietro, Chef der Mitte-Links-Partei «Italien der Werte» (Idv), machte Premier Mario Monti und seine rigorose Sparpolitik für die Selbstmorde verzweifelter Personen verantwortlich. «Immer mehr Italiener sind mittellos. Monti hat diese Toten auf dem Gewissen», sagte Di Pietro. Seine Worte lösten heftige Kritik in Regierungskreisen aus.

Der Verein Federcontribuenti beantragte bei der Staatsanwaltschaft in Rom, mindestens 18 Fälle von Selbsttötung seit Jahresanfang zu untersuchen. Der Vorsitzende der Vereinigung, Carmelo Finocchiaro, warf der Regierung vor, sie habe «in diesen Monaten nur neue Steuern und sonst nichts eingeführt». Italiens Steuerbehörden würden nicht zwischen Steuerhinterziehern und denen unterscheiden, die aus wirtschaftlichen Gründen in Zahlungsrückstand geraten sind.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Walter Morsch am 19.04.2012 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso Monti?

    Wenn die Italiener jemandem für ihre aktuelle Situation danken möchten, dann bitte Silvio Berlusconi. Monti räumt nur den Scherbenhaufen auf den Berlusconi zurückgelassen hat.

    einklappen einklappen
  • Rafael am 19.04.2012 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Offiziell

    Offiziell ist die Regierung geschockt. Hinten durch reibt man sich die Hände (yeah, -1 Renter, -1 Problem!). Makaber? Vielleicht. Wahr? Garantiert.

  • >Herr Krauskopf am 19.04.2012 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    0815

    Das kommt davon, gesparrt wirt nur bei den kleinen. wir das Volk müssen für die fehler der Politiker und Manager hinhalten. Wir werden gerupft. Oder geht ein Politiker oder ein Manager für die hälfte das Lohnes arbeiten! Wenn es einem Untrnehmen oder einem Land finanziel schlecht geht. Nein meine Herren und Damen, es heisst dann, uns geht es schlecht. Wir müssen Sparren! Aber nicht bei Ihnen, sonder beim Kleinen, der sonst schon nicht mehr viel hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rafael am 19.04.2012 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Offiziell

    Offiziell ist die Regierung geschockt. Hinten durch reibt man sich die Hände (yeah, -1 Renter, -1 Problem!). Makaber? Vielleicht. Wahr? Garantiert.

  • Valentino Lavoratore am 19.04.2012 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist einfach nur tragisch....

    Es wundert mich manchmal, warum es in Süditalien nicht noch mehr Straftaten gibt, angesicht der verzweifelten Lage, in der sich sehr viele junge Familien befinden. In der Schweiz merken wir erst jetzt langsam, wie ungerecht die Geldverteilung (und die dahinterstehende Politik) in Europa (und nicht nur in Italien) funktioniert.

  • Ellie am 19.04.2012 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Werther-Effekt

    Ich dachte, die Medien sollten aufgrund des Werther-Effekts nicht über sowas berichten?

  • >Herr Krauskopf am 19.04.2012 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    0815

    Das kommt davon, gesparrt wirt nur bei den kleinen. wir das Volk müssen für die fehler der Politiker und Manager hinhalten. Wir werden gerupft. Oder geht ein Politiker oder ein Manager für die hälfte das Lohnes arbeiten! Wenn es einem Untrnehmen oder einem Land finanziel schlecht geht. Nein meine Herren und Damen, es heisst dann, uns geht es schlecht. Wir müssen Sparren! Aber nicht bei Ihnen, sonder beim Kleinen, der sonst schon nicht mehr viel hat.

  • austrian am 19.04.2012 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    problem: italienischer zentralismus

    als it. staatsbürger, der lange in italien gelebt hat, kann ich es für euch zusammenfassen: seit der einheit gibt der zentralstaat mehr aus als er es sich erlauben kann, egal ob vittorio emanuele, mussolini, craxi, berlusconi oder monti. seit einigen jahren wandern jährlich wandern mehrere hundert nordit. firmen nach kärnten aus wegen dem unaushaltbaren steuerdruck (76%). keine "neoliberale" verschwörung, kein "NWO" plan, einfach nur eine classe politique die seit eh und je ausser rand und band ist. (siehe "tassa sul macinato")