Eurokrise

17. Mai 2012 14:09; Akt: 17.05.2012 14:27 Print

Spanien rutscht in die Rezession

Die spanische Wirtschaft ist endgültig am Boden. Vor allem die Banken siechen dahin. Und ein Ende ist laut Ökonomen nicht abzusehen.

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Es steht schlecht um Spaniens Wirtschaft. Die nachfolgenden Bilder zeigen die Gründen für Madrids Misere. In Spanien stehen derzeit rund 1,5 Millionen Immobilien zum Verkauf. Und die Preise fallen weiter. Viele Spanier hatten sich in den Boomjahren des neuen Jahrtausends Zweit- und Drittwohnungen zugelegt, weil die Zinsen tief waren und die Preise rasant stiegen. Als die Blase platzte, sind viele kräftig auf die Nase gefallen. Davon zeugen heute dutzende Geisterstädte. Auch Spaniens Banken haben sich beim Immobilien-Poker verzockt. Sandard & Poor's befürchtet, dass Spanien dem maroden Bankensektor erneut unter die Arme greifen muss. Schliesslich schulden Immobilienbesitzer den Banken geschätzte 325 Milliarden Euro und diese Sicherheiten verlieren rasant an Wert. In Spanien sind derzeit 5,7 Millionen Menschen arbeitslos und zahlen somit keine Steuern. Die Arbeitslosenquote ist mit fast 25 Prozent die höchste in ganz Europa. Die Regierung hat im Februar eine drastische Arbeitsmarktreform verabschiedet, die Entlassungen erleichtert. Madrid hofft, dass durch die Reformen langfristig neue Jobs geschaffen werden. Denn Unternehmen stellen Mitarbeiter nur zögerlich an, wenn diesen nicht rasch wieder gekündet werden kann. Die Gewerkschaften sind davon überzeugt, dass infolge der Reform noch mehr Arbeitsplätze vernichtet werden. Standard & Poor's glaubt ebenfalls nicht, dass die Massnahmen unter dem Strich in absehbarer Zeit Jobs schaffen werden. In einem Versuch, die Wirtschaft anzukurbeln, hat Spaniens Regierung Milliarden ausgegeben. Das Haushaltsdefizit explodierte. Das aber schadet wiederum der Wirtschaft. Das Land ist gerade erst erneut in die Rezession abgerutscht. Nobelpreisträger Joseph Stiglitz glaubt, dass sich Europa mit dem Sparkurs «auf seinen Selbstmord hinbewegt». Die sozialistische Vorgänger-Regierung Spaniens versprachen sich durch die knallharte Einschränkung der CO2-Emissionen eine Flut grüner Arbeitsplätze. Eine interne Einschätzung der heutigen Regierung zeigt das Gegenteil: Spaniens Energiepreise explodierten und durch die Regulierung gingen pro geschaffenen Arbeitsplatz zwei verloren. Spanien hat mit dem Eintritt ins Euroland auch dessen tiefes Zinsniveau geerbt. Das Wirtschaftswunder war auch Folge der expansiv wirkenden Geldpolitik, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW berichtet. Das dadurch steigende Lohnniveau in Kombination mit der tiefen Produktivität hatte zur Folge, dass die Konkurrenzfähigkeit der spanischen Produkte im Ausland stark gesunken ist. Die spanischen Aktienmärkte haben wegen der schwachen Wirtschaftslage seit Beginn des Jahres um mehr als 19 Prozent an Wert verloren und stehen damit in Europa am schlechtesten da.

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Die spanische Wirtschaft ist endgültig in eine Rezession abgerutscht. Das Minus betrug im ersten Quartal 0,3 Prozent verglichen zum vierten Quartal 2011, wie das nationale Statistikamt am Donnerstag auf Basis endgültiger Daten mitteilte.

Zum Vorjahresquartal fiel der Rückgang mit 0,4 Prozent sogar noch grösser aus. Auch Ende 2011 war die spanische Wirtschaftsleistung bereits geschrumpft. Mit den endgültigen Zahlen bestätigen sich damit die Befürchtungen einer Rezession. Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Wirtschaftsschwäche auch noch über das erste Quartal hinaus fortsetzen wird.

Sorgen bereitete zuletzt vor allem der angeschlagene Bankensektor des Landes, den der Staat mit Milliarden an Steuergeldern stützen muss. Wegen der dramatischen Zuspitzung in Griechenland ist auch Spanien diese Woche wieder ins Visier der Finanzmärkte geraten: Investoren mussten deutliche Risikoaufschläge für spanische Anleihen in Kauf nehmen.

Spanien muss für seine Anleihen immer höhere Zinsen bieten

Euro-Sorgenkind Spanien hat sich frische Milliarden am Anleihemarkt besorgt. Durch die Auktion von drei Papieren, die 2015 und 2016 fällig werden, flossen 2,49 Mrd. Euro in die Staatskasse, wie die spanische Schuldenagentur am Donnerstag mitteilte.

Das Maximalziel von 2,5 Milliarden Euro wurde damit beinahe erreicht. Die Nachfrage nach den neuen Papieren war sehr hoch, doch die Zinsen, die Madrid bieten muss, ziehen immer weiter an.

Um Spanien bis 2015 Geld zu borgen, verlangten Investoren durchschnittliche Renditen zwischen 4,375 und 4,876 Prozent. In den letzten vergleichbaren Auktionen im April und Mai hatten die Werte noch bei 2,89 beziehungsweise 4,037 Prozent gelegen.

Bei einem weiteren Titel mit Restlaufzeit bis 2016 zogen die Renditen gegenüber März von 3,374 auf 5,106 Prozent an. Damit wird es für Spanien immer teurer, neue Schulden zu machen.

Am Sekundärmarkt, wo umlaufende Staatsanleihen gehandelt werden, hatten die Risikoaufschläge für spanische Papiere in den vergangenen Tagen neue Rekordstände erreicht. Die Renditen liegen im richtungweisenden zehnjährigen Laufzeitbereich seit Wochenbeginn spürbar über der kritischen Marke von sechs Prozent und nähern sich dem Niveau, ab dem Irland, Griechenland und Portugal Hilfsgelder beantragen mussten.

(sda)