Griechenland-Krise

13. November 2012 15:42; Akt: 13.11.2012 16:06 Print

Streit auf offener Bühne statt Durchbruch

von Tobias Schmidt, AP - Durchwursteln statt Durchbruch lautet die Devise der Finanzminister der Euroländer. Doch davon hat IWF-Chefin Christine Lagarde die Nase gestrichen voll.

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Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker und IWF-Chefin Christine Lagarde haben in der Griechenland-Frage das Heu nicht auf der selben Bühne. (Bild: Keystone)

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Nein, ein Durchbruch in der Griechenland-Rettung war in der Nacht zum Dienstag nicht zu erwarten. Doch dass die Positionen so festgefahren sind, dass sich die Euro-Krisenmanager und der Internationale Währungsfonds (IWF) auf offener Bühne streiten, dass eine überzeugende Lösung noch immer nicht in Sicht ist: Das war ein Rückschlag. Durchwursteln statt Durchbruch lautet die Devise von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und seinen Kollegen. Ein verheerendes Signal, dass die Märkte weltweit prompt auf Talfahrt schickte.

Ja, die Griechen erhalten zwei Jahre mehr Zeit zum Sparen: Sie müssen erst 2016 und nicht schon 2014 ein strukturelles Plus von 4,5 Prozent erreichen, damit sie ihre Rechnungen wieder selbst begleichen können. Angesichts des Wirtschaftseinbruchs in Hellas erscheine das ursprüngliche Ziel wohl nicht mehr realistisch, sagte Schäuble. So weit geht die Einigung in der Eurogruppe noch. Doch wie die Rechnung bezahlt werden soll - insgesamt fehlen 32 Milliarden Euro -, darüber gibt es massiven Zoff.

Einen Teil der Schulden erlassen

Geht es nach IWF-Chefin Christine Lagarde, müssen die Euroländer den Griechen einfach einen Teil der Schulden erlassen. Der Privatsektor hat schon 100 Milliarden Euro abgeschrieben, jetzt sieht Lagarde die öffentliche Hand, also die Steuerzahler, in der Pflicht. «Alle Wege müssen erwogen werden», sagte sie. Doch mit einem derartigen Vorschlag bräuchte Schäuble wohl gar nicht aus Brüssel zurück nach Berlin reisen und im Bundestag vorstellig werden. «Das machen wir nicht mit», sagte CDU-Geschäftshaushälter Norbert Barthle zu «Handelsblatt online». Ein drittes Rettungspaket sei «reine Geldverschwendung», schob FDP-Finanzexperte Frank Schäffler hinterher.

«Typische Mogelei»

Doch wo sollen die 32 Milliarden Euro herkommen? Schäuble verbat sich am Dienstag in Brüssel jede Spekulation - um gleich selbst eine hinterher zu schieben: Zwar gebe es «keine Überlegungen, das Programm aufzustocken». Aber eine «Reduzierung der Zinsen», das sei schon möglich, und liefe ja auch nur auf «einen Verzicht auf Einnahmen» hinaus. Erwogen wird auch, den Hellenen mehr Zeit zur Begleichung ihre Schulden zu geben. Und zuletzt soll das Land erst 2022 - und damit zwei Jahre später als geplant - seinen Schuldenberg auf tragbare 120 Prozent der Wirtschaftskraft abbauen müssen.

Eine «typische Eurozonen-Mogelei» sieht ING-Analyst Carsten Brzeski in dem mutmasslichen Kompromisspaket. Denn letztlich sei natürlich auch die Verlängerung der Kreditlaufzeiten eine «verdeckte Beteiligung des öffentlichen Sektors». Denn umsonst sei sie nicht zu haben. Und zugleich werde das Ende der Fahnenstange nicht erreicht, wenn sich die Euro-Krisenmanager bis Ende des Monats darauf einigen und die nächste Tranche an Notkrediten von 31,5 Milliarden Euro endlich freigeben.

Lagarde verdreht die Augen

Madame Lagarde hat inzwischen gestrichen die Nase voll vom Durchwursteln. Sie beharrt nicht nur auf ihrer Forderung nach einem nennenswerten Schuldenerlass. Sie stellt sich auch quer gegen das Ansinnen der Euroländer, das Erreichen der Schuldentragfähigkeit um zwei Jahre nach hinten zu schieben. Als Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker auf der Mitternachts-Pressekonferenz wieder und wieder auf dem Datum 2022 beharrte, verdrehte sie demonstrativ ihre feurigen Augen. Notwendig sei «keine schnelle Lösung, sondern eine echte Lösung», so ihre Ansage.

Wie sich die Bundesregierung aus dem Dilemma befreien will, das blieb am Dienstag offen. Wird bei der Rettung wieder auf Kante genäht, dann wird es Schäuble und seiner Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wohl gelingen, das grüne Licht vom Bundestag zu bekommen. Doch dass die Naht nicht schon vor der Bundestagswahl wieder reissen wird, ist alles andere als sicher.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans am 13.11.2012 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Quo Vadis Europa ?

    Liebe Leute, habt ihr es auch schon festgestellt: die grosse reich dekorierten Leute die sich gerne als Elite sehen, sind nichts anderes als Schönwetterpiloten. Solange das Geld fliesst, wird verteilt und verteilt und versprochen, hier ein neuer Flughafen, da weitere Kitas, dort auch noch Zuschüsse, diese aber besonders bei den EU-Beamten und den Politikern. Wenn´s dann anfängt knapp zu werden wird umverteilt bis zum geht nicht mehr, immer zu denen die am lautesten schreien.

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  • Ueli am 13.11.2012 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    solange Deutschland (und co)

    von dem verliehenen Geld profitieren (7% zins....) wirds Griechenland nicht besser gehen......hat ja auch keiner wirklich interesse daran.....

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  • Zen Sur am 13.11.2012 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bank Rott

    Wann endlich handeln die Euro-Politiker wie jeder Profi-Schuldensanierer?: Ohne Schuldenerlass gibt es keine Sanierung und die Leidenszeit hat eine Limite; Zins ist schon kein Thema (vgl. Art. 305 SchKG) ... es sind halt Politiker ...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zukunft12 am 13.11.2012 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Blick nach Italien...

    Griechenland pleite gehen lassen geht nicht. Das wäre schlecht für den Euro. Da stecken wir auch mit drin. Das mit der Frist bis 2022 ist ein gangbarer Weg, in der Zwischenzeit kann man ohne Zeitdruck herausfinden wie es weitergehen kann. Wiedereinführen einer eigenen Währung (nicht überstürzt) dauert seine Zeit. Oder einen Blick nach Italien, die hatten ähnliche Probleme und haben den Ausweg gefunden.

    • Supermario am 14.11.2012 12:04 Report Diesen Beitrag melden

      Bin nicht sicher...

      Bin nicht sicher, ob per Saldo ein Bankrott von Griechenland auf Dauer nicht doch "billiger" für den Euro wäre als ein Sanierungsprogramm über Jahrzehnte? Eine Währungsumstellung Knall auf Fall ist übrigens mit Sicherheit weniger schmerzhaft als ein jahreslanges laborieren um eine neue, alte Drachme wieder zum Leben zu erwecken!

    • Zuknft12 am 14.11.2012 19:43 Report Diesen Beitrag melden

      Gewiss billiger

      Die Unterstützungsbeiträge an Griechenland sind für die EU in der Grössenordnung vergleichbar mit solchen der Schweiz für gewisse Randregionen, also eher gering. Hingegen wäre bei einem Bankrott (Default) der Ruf geschädigt, und es entstünde ein Ansporn für die Spekulation auf andere Staaten im Süden (verstärkt) loszugehen.

    • Placebo am 15.11.2012 02:49 Report Diesen Beitrag melden

      Die EU kommt mir so vor

      wie die Société Générale in Frankreich, die erwartet, dass der Trader Jérôme Kerviel die verzockten +/- 5 Mrd Euro jemals zurückzahlen könnte/würde ... Brüller des Tages!

    • Zukunft12 am 15.11.2012 12:36 Report Diesen Beitrag melden

      Schon billiger und auch besser

      Die Zahlungen an Griechenland sind von der Grössenordnung her in der EU vergleichbar mit gewissen Randregionen in der Schweiz, also eher gering. Ein Bankrott (Default) hingegen würde das Vertrauen in den Euro untergraben. "Jahreslanges laborieren um eine neue, alte Drachme wieder zum Leben zu erwecken", davon habe ich nichts gesagt.

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  • Leila am 13.11.2012 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Uebersicht

    Und das alles zu lasten der Steuerzahler ! Die die arbeiten und sich an Regeln halten sind immer die Dummen! Die ewigen Diskussionen und Sitzungen werden auch noch vom Steuerzahler bezahlt! Global bringt nichts. Im kleinen behält man die Uebersicht! Alles Theoretiker

    • Supermario am 14.11.2012 12:00 Report Diesen Beitrag melden

      Viel Glück dabei

      "Steuerzahler" sind alle. Was genau geht denn zulasten und zugunsten der Steuerzahler??? Versuch mal mit Einkommens-, Vermögens-, Erbschafts-, MWSt-, Umsatzsteuern und vielem mehr da den Überblick zu halten, wer wann was zahlt oder garniert. Viel Glück :-)

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  • Hans am 13.11.2012 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Quo Vadis Europa ?

    Liebe Leute, habt ihr es auch schon festgestellt: die grosse reich dekorierten Leute die sich gerne als Elite sehen, sind nichts anderes als Schönwetterpiloten. Solange das Geld fliesst, wird verteilt und verteilt und versprochen, hier ein neuer Flughafen, da weitere Kitas, dort auch noch Zuschüsse, diese aber besonders bei den EU-Beamten und den Politikern. Wenn´s dann anfängt knapp zu werden wird umverteilt bis zum geht nicht mehr, immer zu denen die am lautesten schreien.

    • homo oeconomicus am 15.11.2012 02:45 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn diese Versager-Koryphäen

      der EU das "Problemchen" Griechenland mit 3% Wirtschaftsleistung an der gesamten EU nicht auf die Reihe kriegen, was machen die dann, wenn es mal richtige Probleme gibt ?

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  • Ueli am 13.11.2012 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    solange Deutschland (und co)

    von dem verliehenen Geld profitieren (7% zins....) wirds Griechenland nicht besser gehen......hat ja auch keiner wirklich interesse daran.....

    • Supermario am 14.11.2012 11:57 Report Diesen Beitrag melden

      solange...

      Solange keine Steuerunion kommt wirds Zinsdifferenzen geben. So einfach ists!

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  • Dol Milgo el sall am 13.11.2012 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Griechen aus der Euro zone.

    Die Deutschen und die EU machen alles kaputt.Meine meinung nach sollten sie die Griechen aus der Euro Währung rausnehmen und die Griechen sollen die Drachmen wieder einführen.Nur so werden die Griechen wieder zu sich finden.

    • Supermario am 14.11.2012 11:55 Report Diesen Beitrag melden

      Schwierig

      Wenn sie denn auch wollten; ein "Rauswurf" aus dem Währungsverbund ist nun mal nicht vorgesehen. Da brauchts schon die Einsicht der Griechen selber, und solange die noch irgendwie am Tropf hängen gehen die bestimmt nicht!

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