Griechenland am Abgrund

10. Februar 2012 13:41; Akt: 10.02.2012 14:01 Print

Zwischen Hammer und AmbossZwischen Hammer und Amboss

Während die Eurogruppe in einem Ultimatum von Athen die Umsetzung der Sparbeschlüsse fordert, wehrt sich das griechische Volk mit einem Generalstreik gegen die Sparpolitik ihrer Regierung.

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Nach dem Ultimatum der Eurogruppe zur Umsetzung der griechischen Sparbeschlüsse steht die Regierung in Athen unter enormem Druck. Bis zum kommenden Mittwoch muss Griechenland die Bedingungen für ein neues Rettungspaket erfüllen, gegen geplante Sparmassnahmen macht allerdings die Bevölkerung massiv mobil. Die Gewerkschaften begannen am Freitag mit einem zweitägigen Generalstreik, der unter anderem Züge, Fähren und den öffentlichen Nahverkehr lahmlegte und die Krankenhäuser mit nur einer Notbesetzung zurückliess. Grossdemonstrationen waren in Athen und anderen Städten geplant.

Der stellvertretende Ministerpräsident Theodoros Pangalos sprach vor dem Parlament von «tragischen Momenten» und dem «letzten Akt eines Dramas», das aber hoffentlich ein glückliches Ende finde. EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso zeigte sich am Freitag zuversichtlich, dass es zu einer guten Lösung komme. Dies sei entscheidend für Griechenland und den gesamten Euroraum.

Die Eurogruppe setzte Athen am Donnerstagabend ein letztes Ultimatum: Bis zum Mittwoch hat Griechenland demnach noch Zeit zur Erfüllung von drei Bedingungen, ohne die es kein grünes Licht für ein neues Rettungspaket gibt, wie Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker nach Beratungen der Finanzminister in Brüssel erklärte. Das Parlament muss die neuen Spargesetze am Sonntag verabschieden. Die drei grossen Parteien müssen das Abkommen unterschreiben. Und darüber hinaus muss eine weitere Finanzierungslücke von 325 Millionen Euro durch nachhaltige Reformen geschlossen werden.

Verschärfte Aufsicht

Juncker stellte klar, dass es «vor der Umsetzung keine Auszahlung gibt». Sollten die Bedingungen erfüllt werden, dann könne bei einem weiteren Eurogruppentreffen am kommenden Mittwoch zunächst das grüne Licht für den Schuldenerlass durch die Privatgläubiger gegeben werden. Das Abkommen ist bereits mit den Banken und Fonds vorbereitet, es sieht eine Verringerung der griechischen Schulden um 100 Milliarden Euro vor. Die solventen Euroländer schiessen 30 Milliarden Euro zu dem Schuldenschnitt zu. Nach dem Segen der Eurogruppe müssten der Bundestag und die anderen nationalen Parlamente den Deal noch bestätigen. Mitte kommender Woche gilt als letztmögliche Frist, damit die Operation rechtzeitig gelingen kann. Ohne Schuldenschnitt würde Athen am 20. März in die Pleite stürzen.

Damit das neue Programm - anders als das erste - auch tatsächlich umgesetzt wird, wird die Aufsicht über die griechischen Behörden verschärft. Dazu gehört auch die Einrichtung eines Sperrkontos, für das sich Kanzlerin Angela Merkel und der französische Staatschef Nicolas Sarkozy stark gemacht haben: «Das wird von der EU-Kommission und der Arbeitsgruppe der Finanzminister ernsthaft erwogen», sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Bis zum Mittwoch werde ein genauer Vorschlag vorgelegt.

Das Land müsse «institutionell in die Lage versetzt werden, seine Schulden zu bedienen», sagte Juncker. Das heisst nichts anderes, als das Athen über das Geld auf dem Konto nicht länger frei verfügen kann. Den von Deutschland geforderten Sparkommissar mit Vetorecht über den Haushalt wird es zwar nicht geben. Zumindest aus Sicht der Kommission müsse Griechenland Herr über das Programm bleiben, sagte Kommissar Rehn. Aber bei der Aufsicht und Unterstützung der Programmumsetzung sollen die Kommission und der Internationale Währungsfonds eine stärkere Rolle spielen.

«Die Zeit ist knapp»

Juncker wollte sich am frühen Freitagmorgen nicht ausmalen, was bei einem Nein des griechischen Parlaments passieren würde. «Das Parlament wird das Paket nicht ablehnen», sagte er. Rehn gab sich zuversichtlich, dass am Ende die Rettung noch gelingen könne. «Ja, die Zeit ist knapp, aber wir sind noch im Plan.»

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos schwor seine Landsleute mit drastischen Worten auf die bitteren Beschlüsse ein: «Wenn wir unser Land retten und in der Eurozone und in Europa bleiben wollen, dann müssen wir tun, was wir zu tun haben.» Es bleibe nur die Wahl «zwischen der Demütigung eines stolzen Landes - oder einer noch grösseren Demütigung, wenn wir der Illusion folgen, unser Gesicht mit Entscheidungen zu wahren, die noch viel höhere soziale Kosten hätten.»

(dapd)

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  • R.Echt am 12.02.2012 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis zum Unrecht

    Es ist nicht gut, wenn nur die Banken und Privatgläubiger gerettet werden, das Volk aber leer ausgeht. Daneben wird die griechische Hochfinanz verschont.

  • Homo politicus am 10.02.2012 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Die Griechen ...

    ... werden mir jeden Tag sympathischer. Sie werden als die Einzigen in die Geschichte eingehen, die die EU-Diktatur zu Brüssel, die selbstbeweihräucherten Regierungen Europas und die EURO-Abschaffung erreichen werden. Heureka!

    • Michael Zuerich am 10.02.2012 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nehmen aber ja nicht geben!

      ..... tja und die Einzigen, welche es mit dem Haushalt und dem Sparen ganz geschweige von den Steuerabgaben nicht so genau nehmen. Beim Teutates

    einklappen einklappen
  • Arthur Spieser, Flims am 10.02.2012 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Eurokrise

    Griechenland ist schlicht und einfach pleite. Doch mit dem rigorosen Sparprogramm wird sich die Wirtschaft nie erholen können. Nötig wäre jetzt eine massive Kapitalspritze für sinnvolle Investitionen in Infrastruktur und Arbeitsplätze. Gleichzeitig müssen aber resolut Steuern eingetrieben und der Vetternwirtschaft und dem Schlendrian der Kampf angesagt werden. Europa und die Griechen müssen endlich umdenken lernen.

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