Briten riechen das Ende der Krise

10. August 2009 07:28; Akt: 23.08.2009 11:31 Print

«Arbeite jetzt wieder bis zwei Uhr nachts»«Arbeite jetzt wieder bis zwei Uhr nachts»

von Annette Reuther, dpa - Was hat edler Räucherschinken aus der englischen Grafschaft Wiltshire mit der Finanzkrise zu tun? Viel. Denn in Grossbritannien wird wieder der teurere unter den Schinken gekauft, vermeldet der Supermarktriese Tesco.

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«Die Menschen glauben heute wieder mehr an eine Erholung der Wirtschaft als noch vor sechs Monaten», sagt Mike Watkins vom Marktforscher Nielsen. Der Satz hat viel zu bedeuten: Er zeigt, dass auf der Insel die Hoffnung wächst, dass das Schlimmste der Krise ausgestanden ist.

Nach fast zwei Jahren düsterer Botschaften, nach Bankenpleiten, Rettungsaktionen und Entlassungswellen scheint es, als lechzte das Land nach froher Kunde - ob sie gerechtfertigt sei, oder nicht.

»Werden wir Zeugen eines Sonnenaufgangs nach einer langen dunklen Nacht?», fragte kürzlich hoffnungsfroh die Zeitung «Independent».

Die Banken verdienen wieder

Anlass waren Zahlen, die die grossen britischen Banken vergangene Woche vorgelegt haben. Sowohl Barclays und HSBC als auch die halbverstaatlichte Lloyds Bankengruppe deuteten an, dass das Schlimmste vorbei sein könnte.

Zwar lasten immer noch Milliarden-Abschreibungen auf Banken. Doch die Börse reagierte mit einem regelrechten Kursfeuerwerk auf die positiveren Ausblicke. Selbst das Wort «Optimismus» - lange aus dem Sprachgebrauch verbannt - erlebt wieder einen Aufschwung.

Investmentbanker freuen sich

Die Investmentbanker in der Londoner City bereiten sich wieder auf dicke Boni vor. Trug doch vor allem das Investmentbanking - zumindest bei den Banken Barclays und HSBC, die keine Staatshilfe gebraucht hatten - zu den Gewinnen entscheidend bei.

»Wir haben wieder richtig viel zu tun. Ich gehe jetzt wieder erst um zwei Uhr nachts nach Hause, nicht schon um fünf Uhr nachmittags», sagt ein Banker von Barclays Capital, der aber anonym bleiben will.

Auch bei der krisengeschüttelten Royal Bank of Scotland (RBS) sorgte die Tatsache, dass vor Steuern wieder ein Gewinn erreicht wurde, fast für mehr Aufsehen, als der Netto-Verlust von immer noch einer Milliarde Pfund (rund 1,8 Mrd. Franken).

Nachdem die grösstenteils verstaatlichte Bank vergangenes Jahr einen Rekordverlust verkündet hatte, ist das fast eine Wiederauferstehung.

Frostgefährdete Sprossen

RBS-Chef Stephen Hester verpasste der Stimmung jedoch schnell einen Dämpfer: «Manchmal sind die ersten Sprossen, die, die unter Frost leiden und sterben.»

Auch die Entscheidung der englischen Notenbank, weitere 50 Mrd. Pfund in die Wirtschaft zu pumpen, zeigte, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist. Die Rezession sei «tiefer, als ursprünglich geglaubt», ist zu hören.

Hinzu kommt: Unternehmen und Haus-Bauer klagen immer noch über die zögerliche Kreditvergabe der Banken, und der Stellenabbau ist bei vielen Unternehmen noch nicht abgeschlossen.

Immobilienmarkt stabilisiert

Doch eine der wichtigsten Botschaften ist, dass sich der Immobilienmarkt zu stabilisieren scheint - der Markt, durch dessen Zusammenbruch die weltweite Krise ausgelöst wurde.

So teilte die Hypothekenbank Halifax mit, dass die Preise in den drei Monaten bis Juli um fast ein Prozent gestiegen sind - der erste Anstieg seit Oktober 2007. Zwar erwartet das Institut für das gesamte Jahr immer noch, dass die Preise um 7 Prozent fallen - doch ursprünglich lag die Prognose bei 15 Prozent.

Das wichtige Signal für viele Briten scheint: Zumindest geht es nicht mehr weiter ganz so steil nach unten.

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